Zu einem guten Zwecke geschaffen, hat sich die Stützung des Konsumbrotpreises immer mehr zu einem Ärgernis entwickelt. Dieser Preis sollte den minderbemittelten Schichten, vor allen den Empfängern von Unterstützungsrenten, zugute kommen. Für sie – das war die Absicht des Gesetzgebers – sollte nach dem Wegfall der Subventionen für das importierte Getreide (Ende Juni 1950) eine Brotsorte zum alten Preis, aber von minderer Qualität, geschaffen werden. Zu 80 v. H. aus Roggenmehl, zu 20 v. H. aus Weizenmehl bestehend, war dieses Konsumbrot anfangs schlecht absetzbar. Allmählich aber, nachdem die anderen Brotsorten immer teuerer und das Konsumbrot qualitativ immer besser geworden war (denn viele Bäcker hielten sich längst nicht mehr an die Mischung 80:20), wurde der Absatz des Konsumbrotes immer größer. Die Zuschüsse des Staates (bis zu 17 Pfennigen je Kilogramm) erreichten schließlich 300 Millionen DM im Jahr.

Man stellte fest, daß das Konsumbrot mit Vorliebe in den Stadtvierteln gekauft wurde, wo die weitaus zahlungskräftigere Bevölkerung wohnt, daß Gäste erstklassiger Hotels sehr gern dieses subventionierte Brot essen, daß viele Bauern auch das für ihren eigenen Bedarf benötigte Roggenmehl so frühzeitig abliefern, daß sie sich die Frühdruschprämie sichern, und nachher zum Bäcker gehen, um sich das subventionierte Konsumbrot für den eigenen Bedarf zu kaufen und sich so einen doppelten Vorteil auf Kosten der Staatskasse verschaffen. Man stellte fest, daß Mühlen Bäckern den verbilligten Preis für Konsumbrotmehl in Rechnung stellten, ihnen aber in Wirklichkeit ein feineres Mehl lieferten, was sie deshalb tun konnten, weil ihnen die staatliche Zuzahlung einen breiten Kalkulationsspielraum gab. Bei der Prüfung von 12 000 Bäckereien wurde festgestellt, daß ungefähr in 40 Prozent der geprüften Fälle der Subventionszuschuß des Staates für das Konsumbrot nicht im Sinne des Gesetzgebers verwendet worden war.

Im Hinblick auf diese Mißstände sind sich die Sachverständigen in den Regierungsparteien wie in der SPD darüber einig, daß eine weitere Subventionierung des Konsumbrotpreises nicht mehr zu verantworten ist. Die 300 Millionen, die dadurch eingespart werden könnten, sollten, nach Anregung des Bundesfinanzministers, dazu verwendet werden, um die im Dezember vom Parlament beschlossene Erhöhung der Rentengrundbeträge zu decken (316 Millionen DM im Jahr). Das Konsumbrot würde dadurch etwa um 18 Pfennige je Kilogramm teurer werden. Aber selbst wenn man nochmals eine kleine Erhöhung der Grundbeträge jener Renten vornehmen sollte, wäre das noch immer die bessere Lösung, als die Fortsetzung des Mißbrauchs von Steuergeldern, wie er zur Zeit mit der Subventionierung des Konsumbrotpreises getrieben wird. R. S.