Erzählung von Karl N. Nicolaus

Was sie hier für bildhübsche Sekretärinnen haben", dachte der Mann, als ihm eins jener Zaubergeschöpfe, die unter der Gattungsbezeichnung "Privatsekretärin des Chefs", den Dschungel des modernen Lebens unsicher machen, vorausging. Ganz schmal setzte sie die Füße, und ihr Gang hatte etwas von einem Raubtier auf dem Beutepfad.

"Bitte warten Sie hier einen Moment!" sagte sie und streute die Worte wie Kostbarkeiten aus einem märchenhaft sinnlich geschminkten Mund. "Herr Generaldirektor kommt gleich!" Und sie registrierte, daß dies der fünfte Besucher an diesem Mittwochvormittag war.

Der Fremde blieb allein in dem großen Raum, aus dessen Fenster man weit über die Fabrikanlage sah. Er drehte seine Mütze verlegen in der Hand. Man hatte vergessen, sie ihm abzunehmen; wohl deshalb, weil eine so hübsche Sekretärin mit einer so abgetragenen Mütze nichts anzufangen weiß.

Der Wartende betrachtete die Holztäfelung der Wände, die riesigen, bunten Plakate, die – gerahmt – eine Wand des Zimmers schmückten. Der Teppich war sanft wie die Wiesen draußen im Land, wenn Frühling ist. Der Mann stand nur vier Schritte von einem Stuhl entfernt, auf den er sich hätte setzen können. Aber er traute sich nicht.

Dann trat der Generaldirektor durch eine Seitentür ein. Der Wartende erschrak. Auch die Eleganz des Mannes, der hereinkam, verwirrte ihn.

"Na, Hölk, altes Haus!" sagte der Generaldirektor herzlich. "Freue mich sehr, dich wiederzusehen!"