Zwei Faktoren haben dem Rentenmarkt im vergangenen Jahr Auftrieb gegeben: Die Aussichten auf das inzwischen wirksam gewordene 1. Kapitalmarktförderungsgesetz und die Hoffnungen auf eine Aufwertung der durch die Währungsreform im Verhältnis 10:1 zusammengelegten RM-Anleihen, Hypothekenplandbrione und Industrieobligationen. Da nun das Kapitalmarktförderungsgesetz als reale Größe keine Rätsel mehr aufgibt, konzentriert sich jetzt das Interesse auf die teilweise Beseitigung des den festverzinslichen Papieren am Tage der Geldumstellung geschehenen Unrechts

Wie weit ist nun die Altsparerentschädigung (unter diesen Begriff fällt auch die Pfandbriefaufwertung) gediehen? Als sicher kann heute bereits gelten, daß bei den Pfandbriefen keinesfalls über die Zusatzquote – im Börsengebrauch Schattenquote genannt – von 10 v. hinausgegangen wird. Da die hierfür notwendigen Mittel aus dem Lastenausgleichsfonds kommen sollen, ist anzunehmen, daß alle RM-Pfandbriefe, also auch die der inzwischen aus dem Osten verlagerten Institute, gleichmäßig behandelt werden Würde man sich tatsächlich zu der 10 v H. Quote entschließen, so bedeutet das praktisch, daß die RM-Pfandbriefe auf einen Parikurs von 200 v. H. kämen

Wenn man an den Börsen bislang noch an den alten Kursen festhält, die sich im Durchschnitt zwischen bis 85 v. H. bewegen, dann hat das sehr reale Gründe. Einmal liegt der Zeitpunkt der Aufwertung wegen der noch weit auseinandergehenden Meinungen in den zuständigen AUSschüssen noch in weiter Ferne und zum anderen ist völlig ungewiß wer überhaupt in den Genuß der Aufwertung gelangen wird: der jetzige Inhaber der Papiere oder derjenige, der sie am Währungsstichtag in seinem Besitz hatte Strittig ist ferner ob juristischen Personen der Aufwertungsanspruch zuerkannt werden soll.

Wenn in den Ausschüssen (namentlich von den Vertretern der Vertriebenen! die Ansicht vertreten wird, die Bindung des Entschädigungsanspruches an das Stück verstößt insofern gegen die Grundsätze des Lastenausglcichsgesetzes, als damit Personen in den Genuß der Aufwertung kommen können, die die Stücke erst nach der Währungsreform erworben haben und damit aufwertungsunwürdig sind, so weisen die Hypothekenbanken auf den unumstößlichen Rechtsgrundsatz im Handel von Wertpapiere hin, nach dem bei der Veräußerung von Wertpapieren alle Chancen und Risiken auf den Erwerber übergehen. Um nicht einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen, sollte man auch bei der Aufwertung an diesem Grundsatz festhalten Stellt man sie auf den individuellen Besitzvorgang ab so kommt man zwangsläufig zu einer neuen Wertpapierbereinigung, die eine Unsumme von Arbeit erfordern würde und allein schon deshalb abwegig wäre, weil tatsächlich nur ein Bruchteil des Wertpapierumlaufes seit dem 20. Juni 1948 den Besitzer gewechselt hat. Für nachweisliche Notveräußerungen von Wertpapieren nach dem Währungsstichtag schlagen die Hypothekenbanken einen Härteausgleich vor. Dies scheint. ein gangbarer Weg zu sein, möglichst schnell die hauptsächlich im Theoretischen liegenden Schwierigkeiten beiseite zu räumen

Um auf alle Fälle Verluste zu vermeiden, muß den RM-Renten-Besitzern empfohlen werden bis zur Klärung der Lage an ihren Stücken festzuhalten. Käufer von RM-Hypothekenpfandbriefen müssen sich andererseits darüber klar sein, daß es bei dem gegenwärtigen Stand der Beratungen noch keineswegs als sicher gelten kann, daß sie beim Erwerb der Stücke die Schattenquote mit einhandeln. Anders liegen die Dinge mit den seit 1945 aufgelaufenen Zinsen bei den Renten-"Ansprüchen", die den Zuteilungsrechten der Aktien gleichzusetzen sind. Der Erwerber dieser Stücke hat Anspruch auf die Zinsen, ganz gleich, zu welchem Zeitpunkt der Kauf zustande kam.

Weichen Weg man bei der Wiederaufwertung der RM-Industrieobligationen gehen wird, ist noch offen. Der Geld-, Kredit- und Währungsausschuß der deutschen Industrie hat kürzlich diese Frage untersucht und ist zu dem Schluß gekommen, daß eine freiwillige Aufwertung der alten Industrieobligationen durch die Obligationsgläubiger schon deswegen unmöglich ist weil durch die Kreditgewinnabgabe die wirtschaftlichen Möglichkeiten hierzu verbaut sind. Der Ausschuß schlägt vor, die Obligationäre ebenfalls aus dem Lastenausgleichsfonds zu entschädigen. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß die Hüter dieser Mittel diese Ansicht widerspruchslos akzeptieren werden. Des halte müssen sich die Inhaber von RM-Industrieobligationen noch auf eine lange Wartezeit gefaßt machen, bis auch sie in den Genuß einer etwaigen Aufwertungsquote kommen Inzwischen kann ihnen nur geraten werden, bis zur Klärung der Lage keine Verkäufe ihrer Stücke vorzunehmen. -u-