In Flensburg hat es neulich Krach gegeben. Der Oberbürgermeister hat den Spielwart des Deutschen Handball-Bundes, Siegfried Perrey, von seinen Dienstgeschäften als Direktor der Sportschule Mürwik sowie als Leiter des Stadtamtes für Leibesübungen kurzerhand entbunden. Angeblich soll er Mittel des Landes Schleswig-Holstein und des Bundes, die ausschließlich für die Pflege des internationalen Sportverkehrs bestimmt waren, für andere Veranstaltungen seiner Sportschule verwendet haben. Perrey bestreitet das, beteuert seine Unschuld und behauptet, alles sei nur eine politische Intrige.

Was uns wesentlicher erscheint als das, ist folgendes: Zeitungsmeldungen sprachen von Perrey auch als dem „persönlichen Sportreferenten des Bundeskanzlers Dr. Adenauer“. Aus einem belanglosen Nebensatz einer Agenturnachricht erfährt man also, daß der Bundeskanzler einen Sportreferenten hat. Eine Tatsache, die doch wohl wert gewesen wäre, der Öffentlichkeit nicht gerade im Zusammenhang mit einem Skandal mitgeteilt zu werden. So erfreulich an und für sich das Interesse des Bundeskanzlers für den Sport auch ist, muß man sich doch fragen, was es eigentlich mit diesem „persönlichen Sportreferenten“ auf sich hat? Man ist um so mehr darüber erstaunt, weil das Ministerium, daß allein für den Sport verantwortlich zeichnet, noch nicht einmal einen hauptamtlichen Sportreferenten hat. Denn Dr. Diem, der bislang ehrenamtlich die Interessen des Sports bei Dr. Lehr vertrat, hat sein Amt schon vor geraumer Zeit zur Verfügung gestellt, und augenblicklich läuft das große Wettrennen um seine Nachfolge in Bonn.

Davon hört man nun auch die köstlichsten Dinge. Das Innenministerium hätte, so hört man, am liebsten alles beim alten gelassen. Aber der Sportbund drängt und verlangt einen Mann seines Vertrauens in der Stellung. Des andauernden Angemeckers müde, wollen die verantwortlichen Männer des Bundesinnenministeriums um des lieben Friedens willen nachgeben. Aber ob die anderen Organisationen, etwa die Landessportverbände, mit dem Protégé des Deutschen Sportbundes einig gehen werden, steht durchaus nicht

Als aussichtsreichster Kandidat liegt augenblicklich ein Mann im Rennen, der zur Zeit in einem Länderministerium ausgerechnet – Polizeifragen bearbeitet. In Anbetracht der ewigen Warnungen von Dr. Bauwens, dem Präsidenten des Fußballbundes, vor einer allzu starken Reglementierung des Sports, kann man das nur als einen schlechten Scherz betrachten. Da, wie man hört, aber dieser Mann auf ein nicht kleines Salär und einen entsprechenden hochklingenden Titel Wert legt, kann die Sache noch schief gehen. So großzügig ist man im Bundesinnenministerium nun auch wieder nicht.

Merkwürdig berührt bei alledem nur, daß der einzige Mann, auf dessen Rat man hören sollte, völlig übergangen wird: Carl Diem.

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Bei der Internationalen Sportwoche in Garmisch-Partenkirchen fand der dreimalige Weltmeister im Zweierbob, der Schweizer Felix Endlich, den Tod. Bundespräsident Professor Heuss, der an dem Unglückstage unter den Wintersportlern weilte, gab der allgemeinen Trauer um diesen prächtigen Menschen und vorbildlichen Sportsmann beredten Ausdruck. Er sprach darüber hinaus aber aber noch ein schönes Wort, das alle beherzigen solltea Er sprach von „einem Stück des Wagens, das in der Tragik des Mißlingens sein Ende gefunden hat“ und meinte, „er habe in diesen Tagen die Notwendigkeit des Maßhaltens und des Mutes im Sport gelernt“.