Die Währungsreform des Jahres 1948 gab der D-Mark den Charakter als alleiniges Zahlungsmittel; sie beseitigte jene Währungssurrogate unseligen Angedenkens wie die Zigarettenwährung, die Fettwährung, die Schnapswährung und viele andere. Der erstrebte Übergang zur Konvertibilität soll nun im Außenhandel einen Zustand beenden, der eigentlich noch chaotischer ist als der Binnenmarkt vor der Währungsreform, denn hier gibt es nicht einmal eine allgemein anerkannte „Zigarettenwährung“. Tabak ist sogar, wie die wiederholten griechischen Beschwerden an deutsche und andere Adressen zeigen, ausgesprochen wenig gefragt. Am Weltmarkt wird nur getauscht. Lediglich der Spitzenausgleich erfolgt in Gold oder Dollar, – wenn der Handelspartner eines von beiden hat und wenn dies ausdrücklich handelsvertraglich vereinbart ist. Sonst muß der Gläubiger warten oder nehmen, was der Schuldner gerade zu bieten hat, – brasilianische Baumwolle beispielsweise, selbst wenn sie teurer ist als amerikanische und ägyptische. Auch im Welthandel vom Tauschen zum Kaufen überzugehen, also von dort zu beziehen, wo die Ware am preiswertesten ist, das ist das letzte Ziel, welches mit dem Übergang zur Konvertierbarkeit angestrebt wird.

Trotz der wirtschaftspolitisch außerordentlich großen Bedeutung des geplanten Übergangs zur Konvertibilität liegen die mit ihr verbundenen Probleme dem Bewußtsein der Allgemeinheit fern. Das hängt einmal damit zusammen, daß der Konsument außer bei Vergnügungsreisen am Außenhandel nicht direkt beteiligt ist, sondern daß der Warenverkehr mit dem Ausland über eine besondere Berufsgruppe, die Importeure und Exporteure, läuft. Ein zweiter Grund für das allgemeine Desinteresse ist, daß der Übergang nicht in Form eines so scharfen Eingriffs erfolgt, wie es die Währungsreform war, wenn auch die Zunahme der Auslandskonkurrenz und die voraussichtliche Korrektur der Wechselkurse zu gewissen Anpassungen zwingen wird. Schließlich aber macht die Kompliziertheit der Materie das Verständnis sehr schwierig: Konvertibilität, Transferierbarkeit, Liberalisierung, Bilateralismus, Devisenbewirtschaftung, – das ist ein Bündel von Fachausdrücken, die alle etwas anderes bezeichnen, vielfach noch auf verschiedenen Ebenen liegen und unter denen leider auch jeweils verschiedenes verstanden wird.

Im allgemeinen versteht man heute unter Konvertierbarkeit oder Konvertibilität die freie „Einlöslichkeit“ der betreffenden Währung, nicht in eine beliebige andere Währung, sondern in Dollar und damit auch in alle andere Währungen, die ihrerseits frei in Dollar umtauschbar sind. Angenommen, die D-Mark sei konvertierbar, so würde ein Anspruch in D-Mark auch ein Anspruch in Dollar sein. Umgekehrt wäre aber jeder Anspruch gegen D-Mark, auch seitens von Ländern, die nicht zur Konvertierbarkeit übergegangen sind, ein Anspruch auf Dollar. Hier liegt bei einem isolierten Vorgehen zur Konvertierbarkeit eine gewisse Gefahr. Unsere Handelspartner könnten dann zwar bei uns dollargleiche Währung verdienen, wir aber nicht bei ihnen. Daß man diese Gefahr jedoch nicht überschätzen sollte, zeigt das Beispiel der Schweiz, die sich seit Jahr und Tag in dieser Lage sehr wohl befindet.

Die Möglichkeit, Ansprüche in D-Mark in Ansprüche in Dollar zu „konvertieren“, kann eingeschränkt sein, etwa in der Form, daß der Anspruch auf Dollar nur durch die Einfuhr von Waren realisiert werden könnte, also nicht durch Kauf von Kapitalbeteiligungen oder durch Reisen. Ja, der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium hält es durchaus für möglich, daß selbst die Wareneinfuhr bei Konvertibilität noch eingeschränkt sein kann. Auch in Bretton Woods, bei den Gründungsverhandlungen zu Währungsfonds und Weltbank, hat man bereits als Welthandelspolitisches Ziel eine eingeschränkte Konvertibilität proklamiert: nur der laufende Handelsverkehr sollte der Devisenbewirtschaftung entzogen werden, keineswegs jedoch der Kapitalverkehr. Das zeigt bereits, daß es durchaus denkbar und evtl. sogar notwendig ist, ein gewisse? Maß von Devisenkontrollen auch bei Konvertierbarkeit aufrechtzuerhalten.

Aber selbst wenn nur im Rahmen der Handelsbilanz zur Konvertibilität übergegangen wird, ist es voraussichtlich nicht möglich, den derzeitigen Wechselkurs der D-Mark auf die Dauer zu verteidigen, auch wenn man dies anfänglich durch den Einsatz der Gold– und Dollarreserven versuchen sollte. Der Kurs wird sich schließlich den Angebot- und Nachfrageverhältnissen anpassen müssen. Er wird sich dann aus Dollarnachfrage nach D-Mark-Waren und D-Mark-Nachfrage nach Dollarwaren bilden. Wo sich dieser Kurs einspielen wird, ist schwer zu prognostizieren. Die Kursbildung bei den Einfuhranrechten kann nur bedingt Aufschluß geben, da diese nicht für den Bezug jeder, sondern nur bestimmter Dollarwaren verwendet werden dürfen. Das allein erklärt das verhältnismäßig geringe Agio, welches die Einfuhranrechte beim freien Verkauf gegenüber dem Kurs von 1 $ = 4,20 DM erzielen.

Das bedeutendste Hindernis auf dem Wege zur Konvertierbarkeit ist die Dollarlücke. Wäre sie nicht vorhanden, wäre der Übergang zur Konvertibilität gar kein Problem; ja dann wäre die Abwendung von ihr gar nicht notwendig gewesen. Eben wegen der Dollarlücke hat Großbritannien seinen Versuch vom Jahre 1947, zur Konvertierbarkeit überzugehen, aufgeben müssen. In dem Bemühen, seinen Wechselkurs zu verteidigen, hat es seine Währungsreserven bis zur Neige erschöpfen müssen. Das englische Beispiel zeigt deutlich, daß die Dollarlücke dazu zwingt, den Übergang zur Konvertierbarkeit mit einer Korrektur der Wechselkurse zu verbinden; dabei wird man es in der ersten Zeit wohl nicht umgehen können, den Wechselkurs sich selbst aus Angebot und Nachfrage bilden zu lassen und die damit verbundene Unstabilität innerhalb gewisser Schwankungsgrenzen in Kauf zu nehmen. Bleibt die Konvertierbarkeit auf die Handelsbilanz beschränkt, so dürfte diese Unstabilität nur vorübergehend sein. Der Kurs würde dann lediglich Gradmesser der Stabilität der Kaufkraft im Innern sein, d. h. sich in Höhe der „Kaufkraftparität“ einspielen. Anders ist es allerdings, wenn man darauf verzichtet, durch partielle Beibehaltung der Devisenbewirtschaftung den Kapitalexport zu kontrollieren. Es sind die internationalen Kapitalbewegungen, die, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, die heftigen Kursabschläge verursachen und dann auch für den Außenhandel die Kalkulation sehr erschweren, wenn nicht unmöglich machen.

Der Übergang zur Konvertierbarkeit fällt um so leichter, je mehr Länder sich gleichzeitig dazu entschließen; denn dann eröffnet sich die Möglichkeit, daß sich der Dollarmangel durch einen Oberschuß, sagen wir einmal in französischen Franken oder gegenüber dem westeuropäischen Raum insgesamt, ausgleicht. Würden unsere Handelspartner gleichzeitig mit uns zur Konvertibilität übergehen, so schlösse in der augenblicklichen handelspolitischen Situation, die durch ein Aktivsaldo in der Gesamtzahlungsbilanz gekennzeichnet ist, der Übergang für die Bundesrepublik gar kein Risiko ein.

Es ist im allgemeinen dieser Zustand einer allround-Konvertibilität aller wichtigen Währungen, den man im Auge hat, wenn man von den Vorteilen der Konvertibilität spricht. Und es ist in der Tat auch so, daß die Konvertierbarkeit für den Welthandel erst dann die Bedeutung erlangt, wie sie etwa die Währungsreform für Deutschlandhatte: die Produktion zur höchsten Rationalität zu führen. Eigentlich unterscheidet sich der Übergang zur Konvertibilität im Ziel nur in einem Punkte von der Währungsreform: nicht nur was produziert wird (gemessen am Konsumenten-, geschmack) und wie es produziert wird (gemessen an den Kosten) drängt zu einem Optimum, sondern auch wo es produziert wird. Sicherlich spielt auch in der Binnenproduktion die Standortkomponente eine gewisse Rolle. Sie wird aber im, internationalen Handel von überragender Bedeutung werden. Konvertibilität ist mehr als nur eine technische Maßnahme, um den Zahlungsverkehr zu erleichtern. Sie ist die Voraussetzung für eine maximal arbeitsteilige Weltwirtschaft, – ebenso wie die Währungsreform die Voraussetzung für eine optimale Arbeitsteilung in der Binnenwirtschaft war. Die Konvertibilität könnte ebenso zu einem Weltwirtschaftswunder führen wie die Währungsreform zu einem deutschen Wirtschaftswunder geführt hat, einfach deswegen, weil dann dort produziert werden würde, wo es am rationellsten ist. Werner Freimann