Gerechterweise muß gesagt werden, daß die in München erscheinende „Süddeutsche Zeitung“, die zunächst die Worte des Funk-Kommentators Cube von der „selbstmörderischen Humanität“ gegenüber den Flüchtlingen der Aufmerksamkeit ihrer Leser empfohlen hatte, sich inzwischen gegen dieses Rezept „Vorhang zu“ ausgesprochen hat. Gleicherweise verdient angemerkt zu werden, daß die in Hamburg erscheinende „Welt“, nachdem sie zunächst für Walter von Cube eine Lanze gebrochen, inzwischen dem Zeichner Szewczuk Gelegenheit gab, eine Karikatur gegen den Chefredakteur des „Bayrischen Rundfunks“ zu veröffentlichen. Zwiespältig ist jedoch die Reaktion des bayrischen Ministerpräsidenten Ehard geblieben, der – in Sachen Cube – erklärte, der Rundfunk sei außerhalb seiner Wirkungssphäre, gleichzeitig – in Sachen des in Bonn geplanten Bundesrundfunkgesetzes – jedoch verlauten ließ, Bayern müsse protestieren. Inzwischen hat der „Königsteiner Kreis“ auf Antrag seiner Berliner Mitglieder die Entlassung Walter von Cubes gefordert, weil er verlangt habe, die Grenzen seien gegenüber den Flüchtlingen zu schließen und die Sowjetzone sei als Staat anzuerkennen. Der Bayerische Rundfunkrat ermannte sich, Cube eine Art von Rüge zu erteilen, indem er ihn ermahnte, „sich des Unterschiedes der Stellung eines freien Kommentators und der des verantwortlichen Chefredakteurs des Rundfunks bewußt zu sein“. Im selben Rundfunkrat, in dem der bayerische SPD-Vorsitzende von Knöringen sagte, Cube habe das Ansehen des bayerischen Funks geschädigt, hatte Senator Dr. Weiler, der Präsident der bayerischen Ärztekammer, die Stirn, zu behaupten, daß Cube „die Meinung des Volkes wiedergegeben“ habe. – Wessen Volkes? muß man da fragen. Und was ist das für ein Arzt, der so wenig Mitleid mit notleidenden Deutschen kennt?

Die Verteidiger Cubes berufen sich auf das demokratische Recht der freien Meinungsäußerung, das es zu wahren gelte, ungeachtet der Meinung, die da geäußert wurde. Als ob der politische Leiter eines Rundfunksenders irgendwer sei, der – fern jeder öffentlichen Verantwortung – das Recht habe, irgendeine noch so abstruse und verwegene Äußerung zu machen. Jeder Sender hat aber eine Monopol-Stellung; man kann die Sender nicht wechseln wie das Abonnement von Zeitungen; und das Funkgerät abschalten ist nicht dasselbe wie das normale Verfahren, einem Schwätzer den Rücken zuzudrehen. Da zumal der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Rudolf von Scholtz, sich wenig einsichtig zeigt, müßte man ihm den einzig noch möglichen Ausweg aus dem Münchner Kommentatoren-Dilemma zeigen: Wenn es denn keine andere Möglichkeit gibt, verantwortungslosen Funksprechern das Wort zu verbieten, so schaffe man die politischen Funk-Kommentare völlig ab, ob sie von „links“ oder von „rechts“ oder vom „überparteiischen“ Gesichtspunkte kommen! Man zitiere statt dessen Pressestimmen, von links, von rechts, vom überparteiischen Lager! So erhalten die Hörer die Garantie, daß sie einen Überblick bekommen, und der Intendant Scholtz kann die Gewißheit haben, daß er von jener politischen Verantwortung, der er sich nicht gewachsen zeigt, weithin entlastet ist. I. M.