Das große Museumsgebäude in West-Berlin, von Bode vor dem ersten Weltkrieg als Asiatisches Museum geplant, von Bruno Paul entworfen, aber durch die Ungunst der Zeiten teilweise unfertig liegengeblieben, wird seit etwa fünf Jahren mit steter, eifriger Beharrlichkeit nach und nach ausgebaut und findet Trakt um Trakt seine Vollendung. Wie schon wiederholt an dieser Stelle, ist abermals von einem glücklich erreichten Abschnitt zu berichten.

Eine der glanzvollsten Erinnerungen bleibt den Berliner Museen durch die zu Anfang der zwanziger Jahre neu begründete „Abteilung für ostasiatische Kunst“, die ein Kenner und Gelehrter wie Otto Kümmel mit einem Schlage zum Weltrang erhoben hatte. Da hier fast ausschließlich meisterliche Schöpfungen und Spitzenleistungen zur Schau gelangt waren und die Betonung ganz mit Recht auf dem Worte Kunst lag, mußten andere Gebiete ostasiatischer Kultur, Denkmäler und Zeugnisse des geistigen und materiellen Lebens aus China, Korea und Japan dabei mehr in den Hintergrund treten. In den Magazinen, wohin diese Dinge damals einstweilen verbannt waren, haben sie größtenteils den Zusammenbruch der Berliner Museumswelt überstanden, im Gegensatz zu den weit sorgfältiger geborgenen erstrangigen Kunstwerken gerade dieser Abteilung, die leider sehr beträchtliche Verluste erlitt. Immerhin blieb doch manches davon erhalten, und vereint mit den nunmehr aus den Magazin nen erlösten Gegenständen ließ sich eine Schau aufbauen, die unter den Ostasiatischen Museen Deutschlands einzigartig sein dürfte.

Wie schon bei der Darbietung des Welfenschatzes (in einem anderen Flügel desselben Gebäudes) überrascht die modern empfundene Art musealer Raumgestaltung, die sachlich, aber nicht dürftig ist, reich. aber nicht überladen, gediegen und nirgends prunkend. Die Auflösung der Wände in durchweg verglaste Schaukästen, die verborgene Lichtführung, die Übersichtlichkeit und versteckte Symmetrie und das angenehme Miteinander von Ordnung und Leichtigkeit im Arrangement, all das entspricht in hohem Maße den Erwartungen, die der berufene und kundige Museumsbesucher heute stellt, die der Laie freilich meist erst gar nicht mitbringt, weil er nur das sehen will, was gezeigt wird und nicht, wie es gezeigt wird. So ist eine selten erreichte Synthese gefunden, die neben dem ästhetischen Genuß zugleich auch Belehrung Ermöglicht und somit den Hauptzweck eines Völkerkunde-Museums erfüllt.

Der Kreis ist weit gezogen, von exquisiten Denkmälern chinesischer Frühzeit bis zu Gebrauchsgegenständen, die fast noch bis zu unseren Tagen im Lande gefertigt wurden. Man findet die Veranschaulichung der (seit der Revolution von 1912 verbotenen) Ahnenverehrung mit ihrem sonderbaren Geisterkult, die Bräuche bei Hochzeit und Begräbnis, eine veritable buddhistische Lamakapelle mit allem Drum und Dran, die aufgespaltene reiche Götterwelt in bedeutenden Holz- und sehr reizvollen Bronzefiguren. Man lernt Hausbau und Ackerbau kennen, die Art des Wohnens und der verschiedenen Handwerke, Gelehrtenwesen und Kinderspielzeug die nationalen Formen des Theaters einschließlich eines echten und – wohl einzigartig in Europa – allwöchentlich vorgeführten, Schattenspieltheaters, ferner, als Geschenk des Tenno, den Schauaufbau bei einem japanischen Knabenfest und das Gegenstück für die Mädchen, schließlich sehr kostbares Kunsthandwerk in Porzellan, Ton und Lack, Metall, Kristall und Stein. Vieles davon ist nicht hinter Glas, sondern steht nah, umittelbar und wie handgreiflich da: aufgeschlossen ein Stück fernöstlicher Welt. Corv.