In der Sowjetzone werden sie vermehrt

Von unserem Korrespondenten

K. W., Berlin, März 1953

Der Generalsekretär der SED, Ulbricht, hat in Leipzig die Pläne verkündet, die auf eine völlige Sowjetisierung des Dorfes in der Sowjetzone hinzielen. Zum ersten Male wurde die Kolchosierung der Bauernwirtschaften als der unausweichliche Weg der Sowjetzonen-Politik bezeichnet. Schon im Spätsommer des Vorjahres war auf dem SED-Parteitag der Startschuß für diese vorher immer wieder abgestrittene Bolschewisierung des Dorfes gegeben worden. Die „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ – so nennt man jetzt den Kolchos – sollte allerdings bisher durch freiwillige Zusammenschlüsse erreicht werden. In Leipzig wurde jetzt bekannt, daß es bisher 2800 solcher Produktionsgenossenschaften gibt, die etwa ein Viertel der agrarischen Nutzfläche umfassen. Jetzt aber wird die „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ zur einzigen gemäßen Form der Landwirtschaft in der Sowjetzone erklärt. Wohl spielt der „werktätige Einzelbauer“ noch eine gewisse Rolle – aber eigentlich nur noch als der potentielle Genossenschaftsbauer von Morgen. Kredite, Investitionen, Geräte, Maschinen werden die „Einzelbauern“ nach den Leipziger Bekundungen erst dann zu erwarten haben, wenn die „vordringlichen Bedürfnisse der Produktionsgenossenschaften“ befriedigt sind.

Wie gering allerdings die Möglichkeiten der Sowjetzone sind, die eigene Landwirtschaft technisch und wirtschaftlich auszurüsten, darüber ließen die Aussprachen von Leipzig keinen Zweifel. Es wurde schon als eine „Hilfe von unschätzbarem Wert“ bezeichnet, daß im vergangenen Jahr die Sowjetunion 50 Mähdrescher, 50 Rübenvollerntemaschinen und 50 Raupenschlepper geliefert habe. Der Gesamtbestand an Traktoren wird mit 18 500 Stück angegeben, bei 6 Mill. ha. landwirtschaftlichen Nutzfläche. In der Bundesrepublik dagegen laufen zur Zeit rund 250 000 Trecker auf 14 Mill. ha landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die „Maschinen-Ausleihstationen“ (MAS), die jetzt unmittelbar mit den Produktionsgenossenschaften verbunden werden sollen, werden in Zukunft den Einzelbauern keinerlei Möglichkeit maschineller Hilfe mehr bieten.

„Die diesjährige Ernte muß eine sozialistische Ernte werden“, so ließ sich einer der Staatsfunktionäre in Leipzig vernehmen. Und er fuhr fort: „Das bedeutet, daß sie im Ertrag umfangreich sein muß, ganz gleich, welche wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeitenoder gar Schwierigkeiten menschlicher Art ihr heute entgegenstehen mögen.“ Kurz und; bündig bemerkte Ulbricht, diejenigen, die man dabei ertappe, den sozialistischen Aufbau zu hintertreiben, werde man jahrzehntelang zum „Warten auf den Tag Null ins Zuchthaus Waldheim setzen“.

In Jugoslawien werden sie aufgehoben