Wir sahen:

...am Tage, wo die Sperrfrist für die Pariser Frühjahrsmodebilder ablief, Antonia Hilke die neuesten Modelle von Dior, Fath und Madame Schiaparelli als Schnellzeichnerin auf eine Tafel skizzieren. Diors Tulpenform und Schiaparellis Faible für Taschen zeigten die Kaprizen der neuen Linie. Neben diesem Aktualitätsreiz hatte es die Fernsehübertragung von Shaws Schlachtenlenker in der Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses schwer. Theater im Fernsehfunk ist offenbar eine sehr problematische Sache.

Und der Film im Fernsehfunk? Er ist aus anderen Gründen problematisch: Die Kinobesitzer haben gegen die Kölner Fernsehsendung des neuen deutschen Films „Der träumende Mund“ scharfen Protest eingelegt. Sollte der Filmverleih nicht wenigstens versuchen, das Fernsehpublikum wie die Filmklubs mit interessanten, von den Lichtspieltheatern verschmähten Filme zu versorgen?

Wir hörten:

Bei der Vorankündigung von Günter Eichs Hörspiel „Die Gäste des Herrn Birowski“ (NWDR) sagten wir vorige Woche, der Dichter werde vom Hörer manche Umschaltung fordern. So kam es auch, und die Regie von Gustav Burmester erleichterte dieses notwendige Mitgehen nicht immer, weil sowohl die realen wie die irrealen Vorgänge des Spiels aus dem gleichen hallenden und etwas toten Raum des Studios kamen, der nun einmal seinem Wesen nach selbst etwas Irreales hat. Dennoch war der Eindruck ungemein stark. Im früheren Haus des Henkers am Rande der Stadt siedelt Eich Gestalten an, die in der Zone des Todes hausen: den alten Birowski, zu dem, wenn er die Flasche halb leer getrunken hat, Besucher von jenseits kommen, deren Gegenwart die beiden weiblichen Mitinsassen des verfallenden Hauses nicht wahr haben wollen. Tote, die keine Liebe auf Erden gespürt haben. Erst als die beiden Frauen ebenfalls die Grenze des Lebens erreicht haben, begegnen auch sie den Gästen, die keine Botschaft bringen und doch Boten eines versöhnlichen Todes sind. Günter Eichs selbst im Dunklen klare Kunst läßt die Hörer den Zumutungen standhalten, die er an ihre Einbildungskraft stellt.

Als vor Monaten Josef Marein in der Jubiläumssendung des NWDR-Nachtprogramms das Porträt Paul Linke? aus Stegreiferzählung und Bandaufnahmen komponierte, war die Überraschung bei den Funkexperten nicht gering. So lebendig ließen sich solch scheinbar abgegriffene Figuren im Funk plastisch machen! Man horchte auf und ahmte nach: allein in dieser Woche sind Albert Bassermann, Trade Hesterberg und Claire Waldoff nach diesem Vorbild „verfunkt“ worden. Inzwischen ist Josef Marein seinen Nachahmern schon wieder ein Stück voraus. Für die zweite Folge der Richard-Tauber-Sendung „Die unvergessene Stimme“ (NWDR Hamburg) hat er Henny Porten und Carlotta Tauber zum improvisierten Erzählen aus ihrem Zusammenleben mit dem Sänger gebracht. Das hatte stellenweise eine ganz natürliche Dramatik und wirkte viel direkter als alles Präparierte.

Wir hörten nicht den Hörbericht „Island ist keine Insel mehr“ von Georg Alexander Tichatschek. Der Sprecher des NWDR Hamburg erklärte, das Manuskript habe „den Erwartungen nicht entsprochen“. Man hatte es aber doch auf Band aufgenommen. Der Leiter der Feature-Abteilung kann es also wohl nicht mißbilligt haben. Warum unterblieb dennoch die Sendung? Man hätte gern die im Programm angekündigten „treffsicheren Fehlurteile über Island“ nachgeprüft.