Erzeugnisse aus Japan waren in der Welt bisher als Produkte des Dumpings bekannt. Premier Yoshida will mit dieser Legende ein für allemal aufräumen. Künftighin soll „Made in Japan“ durch Qualität in der Welt Anklang finden und dennoch preiswert sein. Dieses Ziel kann aber nur durch völlige Erneuerung der Industrie und gründliche Prüfung der bisherigen Wirtschaftsstruktur Japans erreicht werden. Die Textilindustrie und die Rohseide bildeten in der Vorkriegszeit das Rückgrat der japanischen Ausfuhr. Seit 1951 zeigt aber die Textilindustrie infolge der Weltdepression, besonders in 1952, einen Produktionsrückgang als Folge von Absatzstockungen. Die Ausfuhrmenge von Baumwollerzeugnissen zeigt eine rückläufige Tendenz. Im Mai 1952 wurden 73,5 Mill. Yard, im August 1952 nurmehr 51,9 Mill. Yard ausgeführt. Dagegen zeigt die Ausfuhr von Eisen- und Stahlprodukten eine – wenn auch langsam – steigende Tendenz. In der ersten Hälfte 1952 belief sich die Ausfuhr von Eisen- und Stahlprodukten auf 749 392 t im Werte von 46,782 Mrd. Yen gegenüber 400 Mill. Yard Baumwollerzeugnissen im Werte von 37,353 Mrd. Yen im gleichen Zeitraum.

Der japanische Außenhandel ist in das neue Jahr mit erheblichen Sorgen gegangen. Den Rückgang der Exporte erklärt man in japanischen Wirtschaftskreisen zum Teil mit der verstärkten Konkurrenz Großbritanniens, der Bundesrepublik und Italiens. Nach Angaben der Bank von Tokio betrug der Rückgang der Exporterlöse nach Indien im vergangenen Jahr 50 v. H. und nach Hongkong 18 v. H. Bis zum Herbst dürfte das Außenhandelsdefizit allein gegenüber den südostasiatischen Ländern knapp 10 Mill. $ betragen haben. Diese Entwicklung wird mit dem wachsenden Bestreben dieser Länder, selbst zu exportieren, begründet, sowie mit zunehmender Einschränkung der Einfuhren. Für das neue Jahr rechnet man mit einem weiteren Rückgang der Textilausfuhr und sogar der Ausfuhr an Chemikalien und schwerindustriellen Erzeugnissen.

Der Index der Industrieerzeugung Japans ist gegenwärtig 137 (1934/36 – 100). Mit dieser Produktionskapazität werden 80 v. H. des Lebensstandards der Vorkriegszeit erreicht. Ziel der künftigen Wirtschaftspolitik Yoshidas ist in erster Linie die Sicherstellung dieses Lebensstandards. In Wirtschaftskreisen begrüßt man die Rationalisierungspläne der Regierung, und die Experten sind der Ansicht, daß innerhalb von fünf Jahren, falls Japan vom Ausland zu diesem Zweck Anleihen erhalten kann, die Industrie Japans die Welt mit billigeren und besseren. „Made in Japan“-Produkten überraschen wird.

Japan wie Deutschland sind Industriestaaten und als solche vom Export abhängig. Japan hat einstweilen noch eine schwache Wirtschaftsstruktur und ist mit Rohstoffen schlechter versehen als Deutschland; außerdem ist seine soziale Struktur noch etwas brüchig. Trotz der ungünstigen Bedingungen muß aber die Welt mit Japan als Industriemacht rechnen. Jedoch braucht die Welt sich wohl vor einem japanischen Dumping nicht mehr zu fürchten. Das Japan von heute hat eine moderre Arbeitsgesetzgebung, und läßt Hungerlöhne nicht zu. Die häufigen Proteststreiks sind manchmal urnötige Manifestationen, die gerade in der letzten Zeit im Bergbau und in der Energiewirtschaft täglich vorkommen. Andererseits beweisen sie, daß die Arbeiterschaft infolge höherer Lebenshaltungskosten höhere Löhne fordert, was bei einem Durchschnittslohn von 30 $ je Monat zu begreifen ist. Dieser Durchschnittslohn versteht sich für männliche Arbeitskräfte, für weibliche Arbeitskräfte dürfte der Durchschnittslohn 20 $ im Monat betragen.

Die wichtigsten Probleme der Wirtschaft Japan; lassen sich mit drei großen „R“ bezeichnen Rationalisierung, Rearmament und Reparation deren Erfüllung von den Steuererträgen Unsummen, fordern wird. Es scheint, daß die Steuerschraube bereits hart genug angezogen ist, außerdem versprach die Regierung Steuererleichterungen, die noch in diesem Fiskaljahr (Ende Juni 1953) in Höhe von 135 Mrd. Yen erfolgen sollen. Gleichzeitig kündigte die Regierung aber die Erhöhung der Eisenbahn- und Posttarife an. Ebenso wird der Preis für den Reis von 620 auf 680 Yen je 10 kg erhöht. Auf diese Weise will der Staat Subsidien sparen.

Die Preiserhöhung des wichtigsten Nahrungsmittels der Japaner hat zu heftigen Kritiken Anlaß gegeben. Die Regierung entschuldigte sich mit der Feststellung, daß die bevorstehende Steuerreduktion und die in Aussicht gestellte 20prozentige Gehaltserhöhung der Staatsangestellten die Erhöhung des Reispreises reichlich kompensiere. Noch ist der Reis in Japan rationiert. Darüber hinaus kann im freien Handel zu höherem Preis (etwa 10 bis 15 v. H.) Reis nach Belieben gekauft werden. Japan wird für das Jahr 1953 etwa 3,5 Mill. t Lebensmittel einführen müssen, und davon entfallen allein eine Mill. t auf Reis.

Die Finanzierung dieser Nahrungsmittelmenge stellt an die japanische Wirtschaft große Forderungen. Das stark übervölkerte Japan arbeitet hart. Man kann es mit eigenen Augen sehen: es arbeitet Tag und Nacht für seine Schale Reis...