Die jüngsten Ereignisse in der iranischen Hauptstadt, der Konflikt zwischen Ministerpräsident Mossadegh einerseits und dem Schah, der vor dem religiösen Fanatiker Kaschani unterstützt wird, andererseits, lassen erkennen, daß die innen- und außenpolitische Krise des Landes ihrem Höhepunkt zutreibt. Noch düsterer wird das Bild dadurch, daß die einzige bisher noch intakte Stütze des Staates, die Armee, in den innerpolitischen Kampf hineingezogen wurde.

Ein Anlaß zu diesen Ereignissen liegt in der jüngsten Entwicklung der Ölverhandlungen, die zwischen dem amerikanischen Botschafter Loy Henderson als Vermittler für die englische Regierung und dem iranischen Ministerpräsidenten Ende Dezember begonnen und am 15. Januar zu der Übermittlung von britischen Vorschlägen zur Regelung des Ölkonfliktes geführt hatten. Wenige Tage später übergab Mossadegh dem amerikanischen Botschafter die iranischen Gegenvorschläge, auf die aber erst am 20. Februar eine Antwort erteilt wurde. In dieser Antwort erklärte sich die USA-Regierung zur Abnahme von staatlichem iranischem Öl im Werte von 135 Millionen Dollar und zu einer sofortigen Zahlung dieser Summe bereit, falls die iranische Regierung einen der beiden in der Antwortnote enthaltenen britischen Alternativvorschläge annehmen würde.

Mossadegh ließ nach tagelangen Beratungen mit seinen Ratgebern am 27. Februar vor der Presse erklären, daß diese jüngsten britischen Vorschläge in ihrer gegenwärtigen Form unannehmbar seien.

In den Besprechungen, die der Ministerpräsident über die Ölverhandlungen mit dem Schah führte, hat letzterer allem Anschein nach seiner Enttäuschung Ausdruck gegeben, was Mossadegh auf „Intrigen des Hofes“ zurückführte. Um diese „Intrigen“ in Zukunft auszuschalten, unterstützte der Ministerpräsident die Absicht des Schahs, vorübergehend das Land zu verlassen. Offenbar ahnte Mossadegh nicht, daß er hierdurch den Anstoß zu einer Entwicklung gab, die nicht nur seine Regierung, sondern den gesamten Staatsapparat schwer erschütterte. Wenn Mossadegh sich in seinen Ölverhandlungen als unnachgiebig zeigte, dann ist diese Haltung an sich auf den Führer des religiösen Flügels der Nationalen Front, Ayatollah Kaschani, zurückzuführen, der erst vor kurzem erklärt hatte, daß er nicht die „geringste Abweichung“ von den neuen Punkten des ölverstaatlichungsgesetzes zulassen werde. Jetzt jedoch hat Kaschani Mossadeghs Differenzen mit dem Hof dazu benutzt, um seine eigene politische Machtposition durch das Eintreten für den Träger der Krone zu stärken.

Über seine Eindrücke während einer einstündigen Unterredung mit Stalin hat sich der-Träger des Stalin-Friedenspreises, der Inder Dr. Saiffudin Kitchlu, in der New York Times geäußert. Es scheint, daß Kitchlus „persönliche Eindrücke“ Äußerungen Stalins wiedergeben. Danach wünscht die Sowjetunion keinen Krieg, weil im Kriege all das aufs Spiel gesetzt würde, was die Sowjetunion in den letzten 35 Jahren aufgebaut hat. Präsident Eisenhower sei ein guter Soldat. Seine Führerschaft im Kriege werde allgemein anerkannt. Und da er Soldat sei, könne man von ihm eine realistischere Auffassung von der Weltlage erwarten, als von seinem Vorgänger, der zwar kein schlechter Mann gewesen, aber unter einen schlechten Einfluß, wahrscheinlich den Churchills – geraten sei. Die für ihr fair play berühmten Engländer hätten völlig vergessen, daß es die Sowjetunion war, von der sie im zweiten Weltkrieg gerettet worden seien. Trotzdem hätten sie Rußland nach dem Kriege nicht unterstützt. Es sei aber nicht anzunehmen, daß eine englische Regierung eine Politik fördern werde, die zu einem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion führt. Eine Beteiligung Englands an einem solchen Kriege würde das Ende Großbritanniens sein. Das gleiche gelte auch für Frankreich. Wenn die den amerikanischen Präsidenten umgebenden, auf Kriegsgewinne bedachten Kapitalisten ihre Haßpolitik gegen die Sowjetunion fortsetzten, könne das zu einem Bruch zwischen England und Frankreich einerseits und Amerika andererseits führen.

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Die Vorarbeiten zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik im Rahmen der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft sind – wie aus der Dienststelle Blank bekannt wird – auf dem Gebiet der Aufstellung eines deutschen Luftwaffenkontingents „am weitesten gediehen“ und „praktisch abgeschlossen“. Nach den Ausführungen des Leiters der „Gruppe Luftstreitkräfte“ werden vier Grundeinheiten Jagdflugzeuge und zehn Grundeinheiten Schlachtflugzeuge und Jagdbomber mit je 75 Maschinen, zwei Grundeinheiten Aufklärer mit je 54 Maschinen, zwei Grundeinheiten Transporter mit je 48 Maschinen und zwei Allwettereinheiten mit je 36 Maschinen aufgestellt werden. Die nur aus Freiwilligen bestehenden Flugzeugführer sollen zunächst im Ausland ausgebildet werden. E. K.