Zum erstenmal seit langer Zeit ist der Aktienmarkt wieder in Bewegung geraten, allerdings nicht in dem Sinne, daß nun etwa die Zeit für eine Hausse gekommen ist. Diesmal hat die Politik Leben in die Märkte gebracht. Es zeigt sich doch, daß die Aktien trotz ihres Mauerblümchendaseins, in das sie insbesondere durch das Erste Kapitalmarktförderungsgesetz gedrängt sind, ein bestimmtes Maß an Empfindlichkeit gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Ereignissen behalten haben. Nur so ist es zu erklären, daß die Tage vor der Außenministerkonferenz in Rom den Börsen Tage voller Lustlosigkeit bescherten, als deren Folge es zu erheblichen Kursabschlagen in den Hauptaktienwerten kam. Unterstützt wurde diese Tendenz noch durch Verkäufe aus dem Besitz von Ostzonenflüchtlingen, die sich nach ihrer Ankunft im Westen flüssige Mittel beschaffen müssen. Als endlich gegen Mitte vergangener Woche günstiger klingende Nachrichten aus Rom eintrafen, schlug die Stimmung um. Schleunigst wurden zu den niedrigen Kursen Meinungs- und Deckungskäufe vorgenommen. Selbst die Pessimisten hatten inzwischen ausgerechnet, daß auf der stark ermäßigten Basis auf die Dauer nicht nur Kursgewinne, sondern darüberhinaus auch noch recht anständige Renditen zu erreichen sind.

Da ist z. B. Mannesmann. Hier wird bei den Nachfolgegesellschaften ziemlich sicher mit einer Dividende von 8 v. H. gerechnet, d. h., daß sich die Aktien bei einem Kursstand von 144 v. H. mit 8,3 v. II. verzinsen würden. Das ist trotz der steuerlichen Belastung ganz annehmbar. übrigens werden die Mannesmann-Nachfolgegesellschaften (Consolidation Bergbau AG, Mannesmann AG und Stahlindustrie- und Maschinenbau AG) jetzt in Düsseldorf und Frankfurt notiert Die erste Kursnotiz wurde paritätisch zum Kursstand der alten Mannesmann-Aktien vorgenommen. Sie erfolgte in Düsseldorf zu 76–76 1/2 v. H. Bestimmt wurde, daß die alten Mannesmann-Stammaktien bis 5 Tage vor der Umtauschfrist (31. 3. 53) weiter notiert werden.

Der IG-Farbenmarkt entwickelte sich erfreulich. Zunächst brachte noch herauskommendes Material die effektiven Stücke von 87 auf 82 1/4 v. H. (niedrigster Stand seit der Wiedereinführung) herunter. Auf dieser Basis setzten lebhafte Käufe ein (auch über Sperrmark), so daß die Papiere zum Wochenende mit 88 1/4 v. H. schlossen (Neugirosammel-Anteile: 82 3/4–79 1/2–84 1/4).

Weniger scharf akzentuiert waren die Kursbewegungen auf den übrigen Märkten. Ka1iwerte lagen weiterhin uneinheitlich. Während Burbach ihren Kursrückgang in der Vorwoche teilweise wieder ausglichen, lagen Wintershall mit 103 1/2 nach 105 v. H. etwas leichter. Elektrowerke schwankten nur unwesentlich, doch blieb zum Schluß auch hier eine freundlichere Tendenz unverkennbar. Schleppend verlief dagegen das Geschäft in Zementaktien, obwohl mit Beginn der Bautätigkeit auf eine Absatzbelebung bei den Werken gerechnet werden kann.

Ausgesprochen schwach waren die Schiffahrtspapiere. Geringfügiges Angebot führte hier bereits zu merklichen Kurseinbußen Hapag verloren dabei 7 Punkte, Lloyd und Hansa-Dampf je 2 1/2 Punkte. Die Erklärung des Bundesverkehrsministers, daß keine öffentlichen Gelder für den Passagierschiffbau zur Verfügung gestellt werden, hat ernüchternd gewirkt. Nunmehr scheint man sich auch im Binnenland von jedem übertriebenen Optimismus auf diesem Gebiet frei zu machen.

Mit einer bemerkenswerten Stabilität kamen die Bankaktien über alle Tagesschwankungen hinweg. Gegenüber der Vorwoche waren sie sogar bruchteilig befestigt. Für die Regional-Banken scheint der Zeitpunkt für die Bekanntgabe ihrer neuen Kapitalien dicht bevorzustehen. Bei der Hamburger Vereinsbank dürfte die Quote über der der Großbanken liegen! mit einer Dividende kann fest gerechnet werden,

Der Rentenmarkt blieb bei ruhigem Geschäft unverändert. lediglich die RM-Papiere der Deutschen Hypothekenbank Berlin waren im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Zinszahlung weiter befestigt Die Deutsche Gold- und Scheideanstalt vormals Roessler, Frankfurt, begibt als erste Gesellschaft nach Inkrafttreten des Kapitalmarktförderungsgesetzes 8 v. H. Teilschuldverschreibungen in Höhe von 10 Mill. DM zum Kurs von 98 v. H. Der Zinsertrag unterliegt einer Kapitalertragssteuer von 30 v. H. Die Laufzeit beträgt nach den Bestimmungen fünfzehn Jahre. -ndt-