Der Ausbau der Energieversorgung in Bayern ist bekanntlich das Problem Nummer eins. Sie wird unter erheblichem Einsatz öffentlicher Mittel betrieben. Eine beispielhafte Ausnahme machen die Isar-Werke A.G., in München, eine Familiengesellschaft, die in Höllriegelskreuz bei München in nur eindreivierteljähriger Bauzeit ohne fremde Mittel, aber unter Ausnutzung hoher Abschreibungsmöglichkeiten ein modernes Kohlestaub-Dampfkraftwerk von 90 000 kg stündlicher Dampferzeugung und mit 21 000 kw-Leistung als Ergänzung ihrer bestehenden vier Dampf Wasserkraftwerke für die wasserarmen Zeiten errichtet hat. Während im Jahre 1952 von insgesamt 260 Mill. kw-Stunden Stromabgabe 56 v.H. aus Eigenerzeugung stammte, wird nunmehr diese Kapazität um 25 v. H. erhöht. Die besonderen Vorzüge dieser privaten Initiative sind darin zu sehen, daß – wie anläßlich der Inbetriebnahme des ersten Bauteiles vom Erbauer der neuen Anlage, Werksdirektor Heinrich Leininger, in einer Feierstunde bekanntgegeben wurde – nicht nur die ungewöhnlich niedrigen Anlagekosten mit 295 DM je installierte Kilowattstunde bei zugleich günstigem Kohleaufwand (Kohlepreisanteil) je erzeugter Kilowattstunde mit je rund 33 v. H. unter anderwärts bekanntgegebenen Zahlen liegen und der Baukostenvoranschlag eingehalten werden konnte, sondern auch darin, daß die neue ab 1. Februar 1953 eingetretene Strompreiserhöhung aus Anlaß der letzten Kohlepreiserhöhung vom Werk selbst aufgefangen werden konnte. Die Gesellschaft glaubt, den praktischen Beweis darin erbracht zu haben, daß ein gut disponiertes Dampfkraftwerk auch nur mittlerer Größe die Preise der Großverbundwirtschaft nicht unerheblich unterschreiten könne.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer München, Brauereidirektor Hans Pfülf, würdigte daher mit Recht, gerade vom Standpunkt der freien Wirtschaft aus, diesen außerordentlichen Erfolg der Initiative eines privaten Unternehmens, der beweise, daß richtig angewandter Unternehmungsgeist bei sachkundiger Planung und sorgfältiger Aufsicht das wirtschaftliche Optimum in vorbildlicher Weise zugunsten der Konsumenten zu erreichen in der Lage sei. Daran sollte sich die öffentliche Bauwirtschaft vor allem ein Vorbild nehmen. o