Von unserem Korrespondenten

R. S. Bonn, Anfang März

Das Bundesdirektorium der Deutschen Partei hat den Landesverband Nordrhein-Westfalen aufgelöst. Es wird ein neuer Landesverband aufgebaut. Wer in ihm Mitglied werden will, muß sich dazu anmelden. Die alte Mitgliedschaft hat ihre Gültigkeit verloren. Zum kommissarischen Landesgeschäftsführer wurde der frühere Oberst im Generalstab Freiherr von Ledebur ernannt.

Zur Begründung der Aktion werden vom Bundesdirektorium sehr massive Argumente aufgeführt. Es handele sich nicht nur um politischen Irrtum, sondern um ein „gegen die Bundesführung gerichtetes Komplott“; es seien schwere finanzielle Mißstände festgestellt worden, deren Aufklärung das Parteimitglied Heinz Wiendahl, Rechtsanwalt in Dortmund, zu verhindern oder mindestens zu erschweren versucht hätte. Aus den Aussagen eines anderen Parteimitgliedes, Heinrich Vogt aus, Dortmund-Hombruch, erfährt man von den höchst merkwürdigen Geschäftspraktiken, die in gewissen. Parteikreisen üblich waren. Man reagierte beispielsweise grundsätzlich nicht auf die Bonner Forderung, die Mitgliederlisten einzureichen; ein Angestellter Wiendahls soll den Vorschlag gemacht haben, „fingierte Namen einzusenden“. „Kampf gegen Bonn bis aufs Messer“ sei in Aussicht gestellt worden.

Man erfährt auch einiges über die Ziele dieses Kampfes, bei dessen Vorbereitung mit den gespendeten Geldern offenbar sehr großzügig umgegangen wurde. Der Landesverband sollte „an eine andere Partei verschachert werden“. Ein Exponent dieser anderen Partei, so heißt es in einem Aufruf Hellweges an die Mitglieder des Landesverbandes, habe „den Geschäftemachern der DP im Landesverband Nordrhein-Westfalen monatlich einen namhaften Betrag geboten, wenn sie im Landesverband eine jener Partei günstige Politik betrieben“. Da kurz vorher in dem gleichen Aufruf Hellweges von den Verhandlungen des ehemaligen Landesverbandsvorsitzenden Schwecht mit Vertretern der FDP die Rede war, die unter der irreführenden Bezeichnung „Nationale Sammlung“ geführt worden seien, war nicht schwer zu erraten, wer mit der „anderen Partei“ gemeint war. Prompt, wie zu erwarten war, kam ein Dementi Middelhauves, ebenso prompt, was nicht so sicher zu erwarten war, ein Dementi Blüchers. Es könne keine Rede davon sein, daß von einer Stelle der FDP für solche Zwecke Gelder in Aussicht gestellt worden wären. Von anderer Seite hört man aber, daß der „namhafte Betrag“, den Middelhauve dem Landesverband Nordrhein-Westfalen der DP für entsprechendes Verhalten in Aussicht gestellt habe, 40 000 DM im Monat betragen hätte, und dafür könnte man gewiß schon einiges verlangen.

Jene „Nationale Sammlung“, von der so oft die Rede ist, ist eigentlich mehr auf eine Trennung als auf eine Sammlung ausgerichtet. Middelhauve und Schwecht verhandelten schon im Sommer des vergangenen Jahres über eine Verschmelzung von Teilen der FDP und der DP zu einer Partei mit neuem Namen. Es sollten alle rechts von der CDU stehenden politischen Kräfte erfaßt werden unter dem Motto: „Kampf dem Marxismus“.

Wenn nun mit Bezug auf diese Vorgänge die DP von einer „Selbstreinigung“ spricht, so ist die darin mitklingende erwartungsvolle Aufforderung an die Partnerin zur Rechten (oder zur Linken?), nämlich die FDP, dem Beispiel zu folgen, nicht zu überhören. Das Echo blieb auch nicht lange aus. Die „FDK“, das parteioffiziöse Organ der FDP, wies ironisch auf die unvergleichbaren Größenverhältnisse hin, die die DP von der FDP in Nordrhein-Westfalen unterschieden. Es ist freilich leicht für einen, der sich zur „Selbstreinigung“ die große Zehe abschneidet, den anderen aufzufordern, er möge sich unter den gleichen Gesichtspunkten das ganze Bein amputieren lassen. Ob allerdings das Bein ohne die Amputation noch zu retten ist, darüber scheinen sich die Ärzte noch nicht einig zu sein. Man hört, daß Schwecht bei der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen durch Middelhauves Unterstützung als FDP-Kandidat aufgestellt werden soll. Es bleibt abzuwarten, ob die Widerstände gegen solche Pläne nicht größer sein werden, als man in Düsseldorf vielleicht annimmt. Ob die DP mit der „Selbstreinigung“ den Krankheitsherd in ihrem Körper endgültig beseitigt hat, wird sich wohl bald herausstellen. Daß die FDP um eine Kur, wahrscheinlich sogar um eine Roßkur, nicht herumkommt, das freilich ist wohl schon heute eine feststehende Tatsache.