Nach den dauernden Preisrückgängen der vorhergegangenen Wochen ist in den letzten 14 Tagen eine leichte Besserung der Notierungen für verschiedene wichtige Rohstoffe, Lebens- und Genußmittel eingetreten, denen allerdings auch noch eine Anzahl von Preisermäßigungen für andere Waren und Warengruppen gegenüberstehen. Man weiß nicht, ob die Besserung von längerer Dauer sein wird, da in keinem Falle ein erhöhter Bedarf oder ungenügende Produktion zu dem Stimmungsumschwung geführt hat, sondern neue Regierungskäufe üblichen Umfanges oder Ankündigungen von solchen (bei Getreide), kleinere zivile Bedarfsdeckungen oder auch Vorrats- und Spekulationskäufe auf Grund der vorherigen Preisrückgänge.

Der Getreidemarkt hat in der Berichtsperiode eine unterschiedliche Entwicklung aufzuweisen. Die Weizennotierungen sind nach kurzer Besserung erneut zurückgegangen und stehen gegenwärtig mit 223,62 cts je bushel nur wenig höher als der bisher niedrigste Preis des laufenden Jahres am 9. 2. Und dies, obwohl gerade in den letzten 14 Tagen von verschiedenen Ländern größere Posten innerhalb und außerhalb des Internationalen Weizenabkommens gekauft werden sind. Die Verhandlungen in Washington über die Erneuerung des Weltweizena bkommens, die nun schon mehr als einen Monat andauern, haben noch immer keinen Erfolg gehabt. Nach jetzt vorliegenden genaueren Nachrichten wollen England und Indien, die Hauptabnehmer, nicht über 2 $ per bu hinausgehen und werden hierin von Belgien, Holland und Deutschland unterstützt, während verschiedene der kleineren Einfuhrländer bereit sein sollen, 2,10 $ zu zahlen. Außer den Weizennotierungen sind auch die für Mais erneut zurückgegangen. Demgegenüber sind Roggen und Gerste in Winnipeg bei geringer Bedarfsnachfrage etwas im Preise gestiegen und Hafer In Chikago nach kleinen Schwankungen Jetzt wieder auf dem gleichen Stand angelangt, den er Ende Februar erreicht hatte.

Die New Yorker Zuckernotierung für den Weltkontrakt Nr. 4 ist noch weiter abgefallen. Sie steht jetzt auf 3,43 cts je Ib. Kuba hat große Absatzsorgen und macht deshab immer neue Preiskonzessionen, um die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Der Dollarmangel aber zwingt die Verbraucherländer, sich in solchen Überschußländern einzudecken, die Zahlungen in weicher Währung oder über Verrechnungskonten akzeptieren.

Der wochenlange Preisrückgang für Kakao, der auf einen starken Preiswiderstand der amerikanischen Schokoladenindustrie zurückzuführen war, hat sich bis Ende Februar fortgesetzt. Danach aber sahen sich die Fabriken in USA zu Eindeckungen gezwungen, die zu einem Preisauftrieb für loko-Accra von 29,25 cts je lb auf 31,75 cts führten, dem der Londoner Markt mit einer Erhöhung von 234 s je cwt auf 239 s 6 d und 240 s folgte. Die Stimmung ist weiter fest und neue Preiserhöhungen sind nicht ausgeschlossen, da in den USA ein Mangel an prompter Ware bestehen soll. – Die Kaffee preise haben sich in letzter Zeit weiter befestigt und in New York den Ceilung-Stand erreicht. Versuche der amerikanischen Kaffeefirmen, noch Partien unter den Stoppreisen zu erhalten, sind ergebnislos geblieben. Vor allem haben die brasilianischen Ablader sofort ihre Forderungen entsprechend erhöht. Brasilien hatte im Dezember und Januar eine bedenkliche Trockenheitsperiode durchzustehen, die die Ernteaaussichten stark verschlechtert haben soll und vielleicht zu einer neuen Kaffeeknappheit auf dem Weltmarkt führen kann. – In Hamburg hat die Fachliche Gruppe Kaffee am 2. d. M. die Abstimmung der vorliegenden Auslandsofferten aufgenommen, so daß nach einer Unterbrechung von etwa 14 Tagen wieder Kaffeekäufe in Brasilien und in den OEC-Ländern erfolgen konnten. Nennenswerte Vorräte an Kolumbias und anderen zentral amerikanischen Kaffees sind im Handel zur Zeit nicht vorhanden, doch sind die Röster anscheinend genügend eingedeckt, so daß eine Verknappung nicht zu befürchten ist. Die Kaffee-Einfuhr in das Bundesgebiet war im vorigen Jahr um fast 40 v. H. höher als 1951.

Auf den Metallmärkten sind in der letzten Zeit verschiedene Veränderungen eingetreten. Blei gab es in New York von 14,75 cts je lb auf 14,–, 13,50 und zuletzt auf 13 cts nach, während der Preis an der Londoner Bleibörse bis auf 87,50 £ je t abgesackt ist. Zink ging in der gleichen Zeit von 13 cts je lb auf 11,25 cts und von 96 £ je t auf 22 £ zurück. Quecksilber erlitt in New York eine weitere Abschwächung von 207 $ auf 203 $ je Flasche. In England ist ein großer Überschuß an Weißblech vorhanden, so daß die Fabriken die Produktion auf die Dauer von drei bis vier Wochen einstellen oder zum mindesten verkürzen wollen. Für Kupfer ist die Preiskontrolle in USA aufgehoben worden, Raffinadekupfer aus Inlanderzen hat daraufhin um 3–4 cts auf 27 1/2 bus 28 1/2 cts angezogen. Raffinadekupfer aus Altkupfer wird demgegenüber drüben zu 32 cts gehandelt, während Auslandskunder (Chile) wie bisher 36 1/2 cts je lb frei Connecticut Valley kostet. Die Preise für Aluminium und Nickel sind unverändert geblieben, ebenso Zinn in USA, während es in London, leicht angezogen hat. ol

„Hamburg als Industrieplatz.“ Mit dieser Schrift (herausgegeben von der Handelskammer Hamburg und der Behörde für Wirtschaft und Verkehr) wird erstmalig nach dem Kriege eine fesselnde Darstellung der Hamburger Industrie veröffentlicht. Die grundsätzlichen, einleitenden Beiträge stammen aus der Feder des Wirtschaftssenators Prof. Dr. Schiller und des Präses der Handelskammer Hamburg Albert Schäfer. Ihnen folgen eine Reihe von Einzeldarstellungen über die großen Hamburger Industriezweige, die von ersten Fachkennern aus der Praxis heraus für das Buch verfaßt wurden. Den Abschluß bilden firmengeschichtliche Monographien. Das Bildmaterial wurde eigens für das Werk von dem Hamburger Fotografen Alfred Erhardt aufgenommen. Verlag: Hammerich & Lesser (184 S. mit 40 ganzseitigen Aufnahmen auf Kunstdruckpapier, Preis 9,80 DM).