Der Fluggast, der mittags in Paris startet, kann das Mittagessen des nächsten Tages bereits in Leopoldville, der Hauptstadt des belgischen Kongo, einnehmen und am gleichen Abend noch Johannesburg in der Südafrikanischen Union erreichen. Für die Strecke Paris–Kairo braucht er knapp 14 Stunden, nach Khartum weitere fünf und von dort nach Nairobi (Kenya) nochmals acht Stunden. Will er weiter nach Madagaskar, so ist auch das in 8 1/2 Stunden geschafft. Die einst so gefürchtete Überquerung der Sahara, beispielsweise zwischen Tunis und Kano, dauert heute nur noch sieben Stunden. Daß diese Linien von den europäischen Luftverkehrsknotenpunkten nach Afrika täglich geflogen werden, ist nichts Neues mehr; einzelne Punkte sind sogar mehrmals täglich zu erreichen.

Die Verbindungen von Europa nach Afrika und von dort weiter nach Südamerika (Ausganspunkt Dakar oder Villa Cisneros) sowie nach Asien und Australien (insbesondere von Kairo aus) sind bekannt. Längst nicht so geläufig ist uns dagegen, daß sich auch im Inneren Afrikas ein sehr lebhafter und ständig an Bedeutung gewinnender Luftverkehr abspielt.

Der afrikanische Kontinent hat im Verlaufe der letzten zehn Jahre dank der vermehrten Ausbeutung seiner Bodenschätze und durch deren zunehmende Verarbeitung im eigenen Lande eine rapide wirtschaftliche Entwicklung erlebt. Das war jedoch nur möglich, weil es gelang, ein der wirtschaftlichen Expansion adäquates Verkehrsnetz zu schaffen. Afrika braucht neue Verkehrswege nicht nur, um Seine Produkte von den meist im Inneren des Kontinents gelegenen Erzeugungsstätten an die Küste zu bringen. Es braucht darüber hinaus möglichst schnelle Verbindungen zu seinen Absatzmärkten wie zu seinen Lieferanten, auch – oder gerade – sofern diese auf einem anderen Kontinent leben. Nicht zuletzt ist ein enger Kontakt zwischen den Verwaltungszentren und den Erzeugungs- und Verarbeitungsschwerpunkten notwendig. Da es sich stets um die Überwindung großer Entfernungen handelt, stellt das Flugzeug hier ein ideales Verkehrsmittel dar.

Zahlreiche neue Straßen und Eisenbahnstrecken sind in der jüngsten Zeit entstanden. Dennoch kann man beim landgebundenen Verkehr auch heute noch nicht von einem den ganzen Kontinent überziehenden „Netz“ sprechen. Im Luftverkehr dagegen ist das sehr wohl möglich. Er überspannt den gesamten Kontinent. Er kennt durchgehende Linien ebenso wie die Möglichkeit, an den Berührungs punkten der Netze der einzelnen Gesellschaften von einem Flugzeug in das der Anschlußstrecke umzusteigen – wenn auch zuweilen mit einige! Verzögerung.

Dennoch zeigt ein Blick auf eine Luftverkehrs karte, daß auch in der Verkehrsluftfahrt hier und dort noch Lücken klaffen. Diese Lücken rühren je doch nicht daher, daß die betreffenden Linien nicht beflogen werden könnten. Sie sind vielmehr ein Zeichen dafür, daß kein Bedarf für eine regel mäßige und planmäßig geflogene Verbindung zwischen den Orten besteht (unsere Karte ist zudem insoweit unvollständig, als sie nur die einmal wöchentlich und häufiger regelmäßig bedienten Linien enthält).

Die Knotenpunkte des innerafrikanischen Netzes sind Algier, von wo aus der gesamte Norden, insbesondere Tunis, Algerien und Marokko, zu erreichen ist; Kairo das den weitaus am meisten frequentierten Flugplatz Afrikas besitzt und Drehscheibe nach allen Richtungen ist; ferner Khartum für den Sudan, Addis Abeba für Abessinien, Nairobi für Kenya und Tanganjika, Livingstone für Rhodesien, Johannesburg für Süd- und Südwestafrika, Leopoldville und Elisabethville für den Kongo, Kano für Nigerien und die britischen Besitzungen in Westafrika, Bangui für Französisch-Zentralafrika und schließlich Gao und Dakar für Französisch-Westafrika.

Nicht weniger als 71 Luftverkehrsgesellschaften sind in Afrika tätig, davon 45 ausschließlich im Tramp- und Bedarfsverkehr. Die restlichen also bedienen den Linienverkehr, ohne dabei allerdings den Bedarfsverkehr zu vernachlässigen. Bei einigen Unternehmungen, insbesondere in der Südafrikanischen Union, handelt es sich um kleine Gesellschaften mit zwei, vier oder sechs Flugzeugen zuweilen älterer Bauart, deren Bedeutung nicht allzu hoch einzuschätzen ist. Auf der anderen Seite finden sich dagegen so beachtliche Unternehmungen, wie die SAA (South African Airways) mit 32 Flugzeugen, die ägyptische Misr-Airways und die EAA (East African Airways) mit je 21 sowie die CAA (Central African Airways) mit 17 Maschinen.