Lieber Hans! Du hast nun einen Beruf erlernt und kannst aus Deinem langsam steigenden Verdienst schon laufend etwas sparen, wenn nicht gerade eine dringende Anschaffung zu bezahlen ist. Ja wenn ... Das hast Du mittlerweile auch schon herausgefunden: Irgendwelche Wünsche und Bedürfnisse sind stets da, und das Geld reicht immer nur für das Wichtigste. Was ist aber das Wichtigste? Ich habe gefunden, daß man für das, was einem im Leben viel bedeutet, auch immer irgendwie Zeit und Geld hat. Manchmal frage ich mich: Wird dein Junge auch, wenn er einmal heiraten möchte, eine Wohnung haben? Heute erscheint Dir das vielleicht noch gar nicht so dringend, vielleicht denkst Du auch: irgendwie wird sich schon Rat finden, wenn’s soweit ist. Vater ist ja auch noch da. Erst muß ein Motorrad her.’ Nun, mein lieber Junge, fröhliche Unbekümmertheit ist ein Vorzug der Jugend, und ich bin der letzte, der sie Dir nehmen will. Aber ich bitte Dich doch, mit mir heute einmal folgendes zu bedenken:

Nach dem furchtbaren Kriegsgeschehen fehlen in der Bundesrepublik fast 5 Mill. Wohnungen. Über 15 Millionen Menschen sind seit Jahren auf Wohnungssuche, darunter ungezählte Jugendliche, die nicht zur Ehe kommen können, weil sie keinen Raum haben. Will man die künftigen Wohnaussichten überschlagen, darf man nicht vergessen, daß wir auch noch einen jährlichen Neubedarf für die hinzukommenden Familien haben. Die Statistiker beziffern diesen Zusatzbedarf bis 1970 auf über 2 Mill. Wohnungen. Was soll man unter diesen Umständen von den Wohnungsämtern erwarten?

Nun werden aber auch in guten Baujahren kaum mehr als 400 000 neue Wohnungen gebaut. Da kannst Du Dir selbst ausrechnen, daß fast zwei Jahrzehnte nötig sind, um alle Wohnungsuchenden menschenwürdig unterzubringen. In der Zwischenzeit mußt Du mehr als Glück haben, wenn Du irgendwo eine Wohnung bekommen willst, und dann höchstwahrscheinlich eine hohe Miete zahlen, denn frei finanzierter Wohnraum, der nicht unter die Bewirtschaftung fällt, ist teuer und nur für wenige erschwinglich. Meist wird noch ein Baukostenzuschuß von ein paar tausend Mark gefordert. Ein Motorrad ist sicher etwas Schönes, aber für zwei Menschen, die einmal eine Familie gründen wollen, ist die Vorsorge für eine Wohnung nötiger. Wenn nämlich im Leben das wirmende Nest, das Gefühl der Geborgenheit fehlt, das eine eigene Wohnung gibt, wenn keiner ein ungestörtes Plätzchen für sich findet, wo er von der aufreibenden Umwelt Abstand halten kann, dann wird das Glück auch zweier Menschen, die sich lieben, auf die Dauer leicht gefährdet. Ich finde daher, Du solltest beizeiten anfangen, die Federn für dieses eigene Nest zusammenzutragen. Deine Grete, die ja ebenfalls im Beruf steht, wird dabei gewiß gern mittun; denn auch hier gilt: „Was für einen ist zuviel, ist für zwei ein Kinderspiel.“ Jetzt spart sich’s noch leichter als in späteren Jahren, wenn Miete bezahlt werden muß und die Familie mehr kostet. Mit den Federn meine ich nicht, daß Ihr im landläufigen Sinne Beträge ansammelt, die (um mit Schopenhauer zu sprechen) „jeden Augenblick bereit sind, sich in den jedesmaligen Gegenstand unserer so wandelbaren Wünsche und mannigfachen Bedürfnisse zu verwandeln“. Nein. Ich meine Einzahlungen auf einen Bausparvertrag. Bei diesem Sparen macht Euch der Staat jährlich ein Prämiengeschenk bis 400 DM auf jeden Vertrag, nämlich von 25 v.H. der Sparbeiträge, und Ihr sichert Euch den Anspruch auf ein billiges Darlehen. So könnt Ihr, vielleicht schon bis Ihr heiratet, wenigstens eine Eigentumswohnung erwerben.

Es ist etwas Schönes, sein Heim so vorzubereiten. Die Sparzeit vergeht verhältnismäßig schnell, und wenn Ihr Euer Ziel erreicht habt, wenn das eigene Heim dann da ist, dann ist es mit jedem Stein erworben und auf eine lebendige Art mit Euch verbunden. Hier darf ich Euch für Euer Sparen noch ein Rezept geben. Ich verrate damit das Erfolgsgeheimnis vieler Bausparer: Ihr müßt, um auf dem Weg zu Eurem Heim weiterzukommen, die monatliche Sparsumme nicht hinten vom Gehalt, also nachdem alle anderen Verpflichtungen erledigt sind, sondern vorn wegnehmen. Dann richten sich von allein die anderen Bedürfnisse nach dem verbleibenden Betrag.

Nun aber zur praktischen Seite des Bausparens: Nehmen wir an, jeder von Euch beiden schließt einen Bausparvertrag über 7000 DM ab, und jeder spart darauf monatlich 40 DM, das ergibt nach einem Jahr 960 DM,

in 5 Jahren 4800 DM

dazu kommt der Zins von jährlich