Von unserem Bonner Korrespondenten

Man sollte das Abstimmungsergebnis auf dem Landesparteitag der FDP in Dortmund nicht über- und noch weniger unterschätzen. Der Kampf um den Kurs der Partei bleibt einer späteren Zeit vorbehalten. Vorläufig hat man im Hinblick auf die Bundestagswahl Burgfrieden geschlossen. Eine Reihe wichtiger Fragen wurde von vornherein der Diskussion entzogen: so die Beziehungen Middelhauves zu dem früheren Landesvorsitzenden der DP in Nordrhein-Westfalen, Schwecht, und den übrigen Dissidenten der DP, ferner der eventuelle Kontakt führender Parteifunktionäre zu der Naumann-Gruppe oder anderen ehemaligen Repräsentanten, des Nationalsozialismus. Diese Zusammenhänge sollen durch einen Untersuchungsausschuß geklärt werden, dem die Bundesminister Dehler und Neumayer und der Bundestagsabgeordnete Onnen angehören. Eine Resolution für die Wahrung der Rechte der sieben verhafteten Nazis konnte von der Gruppe Achenbach nicht durchgebracht werden. Auch wurde der Gegenkandidat Mendes, Schwann, ein Mann Achenbachs, nicht zum Stellvertreter Middelhauves gewählt. Nur die Kreise Aachen und Ruhr setzten sich für ihn ein. Aus diesen beiden Kreisen, in denen Achenbachs Einfluß dominiert, kam auch die Anregung zu der Vertrauenskundgebung für Middelhauve. Durch die Wahl Mendes, eines Mannes der Richtung Schäfer und Blücher, an Stelle des verstorbenen Rechenberg zum stellvertretenden Landesvorsitzenden wollte man ein Gegengewicht gegen die stark nach rechts tendierenden Gruppen schaffen.

Der Vorstoß der beiden Kreise Ruhr und Aachen, Middelhauve das Vertrauen auszusprechen, hatte einen starken Erfolg. Es war ein Erfolg des Apparats, den Middelhauve dank der ihm verfügbaren finanziellen Mittel fest in der Hand hat. Und es wurde der umstrittene Achenbach in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Es ist schwer vorstellbar, wie diese beiden Richtungen, die eine repräsentiert durch Achenbach und Middelhauve, die andere durch Blücher, Schäfer, Mende und andere, zu einem gemeinsamen Ziel führen sollen. Aber zunächst denkt man nicht so weit. Vorläufig geht es um den Wähler, dessen Stimme man haben möchte.

Es wird sich erst zeigen, ob die Namen ehemaliger prominenter Vertreter des Nationalsozialismus wirklich so attraktiv sind, wie es Middelhauve annimmt und – das sollte man bei einer Beurteilung der Strömungen in der Partei nicht übersehen – die Tatsache, daß die Demokratie von heute militanter ist als die von Weimar, hat schon auf manchen zähmend gewirkt. Robert Strobel