In einer Zeit, in der alle Welt von einem Sperrriegel spricht, der es der Privatwirtschaft unmöglich mache, mit Industrieobligationen an den Kapitalmarkt heranzutreten, ist die Degussa Frankfurt am Main, mit 10 Mill. DM 8 v. H. Schuldverschreibungen herausgekommen. Sie hat innerhalb weniger Tage einen ganz wesentlichen Teil dieser Obligationen untergebracht, so daß mit einem vollen Zeichnungserfolg zu rechnen ist. Das ist vor allem den sorgsam konstruierten Anleihebedingungen zuzuschreiben. Durch die Einräumung von außerordentlichen Kündigungsrechten an Gläubiger und Schuldner ist eine interessante Kombination zwischen einem mittelfristigen und einem langfristigen Papier geschaffen worden.

Die Anleihe ist kapitalstockfähig. Sie wird dadurch vor allem für Versicherungsgesellschaften interessant. Tatsächlich ist sie auch in großen Mengen von Kapitalsammelstellen gezeichnet worden. Auf lange Sicht gesehen liegt in einer solchen Obligation trotz aller Abschirmungen gegen kommende Möglichkeiten ein gewisses spekulatives Moment. So läßt die für 15 Jahre zugesagte Verzinsung von 8 v. H. erkennen, daß man in Finanzkreisen entgegen vieler zum Fenster herausgehaltenen Reden auf längere Zeit hin mit einem sehr hohen Zins rechnet. Zum weiteren läßt das Interesse der Kapitalsammelstellen an diesem Papier vermuten, daß man in diesen Kreisen die steuerliche Regelung des Kapitalmarktförderungsgesetzes als nicht für alle Ewigkeiten geschaffen ansieht, sondern daß die von der Körperschaftssteuer befreiten Kapitalgesellschaften damit rechnen, gelegentlich wieder die Kapitalertragssteuer los zu werden. Rlb.