Die Konjunktur in Biographien, hat seit 1945 nachgelassen, aber die Neigung zu farbiger, romanhafter Verbrämung historischer Lebensläufe – die Helden müssen nicht unbedingt im Glanz von Größe und Tragik gestanden haben – ist geblieben. Längst hat hier der Kitsch sein Hintertürchen erspäht. Bitter, daß sogar ein ernsthafter Historiker ihm auf den Leim gekrochen ist.

Francis Hackett: Anna Boleyn. (Aus dem Amerikanischen von Theresia Mutzenbecher, Scherz u. Goverts Verlag, Stuttgart-Hamburg, 452 S., Leinen 16,80 DM.)

Hackett merkte es selbst und schrieb ein Nachwort, das alles erklären soll. Doch es ändert nichts mehr an der mit viel zu vielen erfundenen Details bestückten Ballade vom englischen Renaissancevollweib, das dank Heinrich VIII. die erste der drei regierenden englischen Königinnen in die Welt setzte.

Aber auch bei einer Reihe deutscher Lebensbeschreibungen, die die Form biographischer Dokumentarromane haben, konnte die Person des Autors als Filter wirken.

Josef Magnus Wehner: Mohammed. (Verlag Paul Müller, München, 48? S., Leinen 18,– DM.)

Hans Francis: Der Tribun. (Verlag Otto Erich Kleine, Braunschweig, 465 S., Leinen 14,80 DM.)

Mathilde v. Metzradt: Napoleons Sohn. (Biederstein Verlag, München, 284 S., Leinen 14,– DM.)