Von H. K. von Mangoldt, Paris

Es hat den Anschein, als ob in der deutschen und internationalen Diskussion zu dem Problem der Herbeiführung einer größeren Austauschbarkeit der Währungen in jüngster Zeit ein Wandel eingetreten ist. Bis vor kurzem noch standen in den Erörterungen im wesentlichen Grundsatzfragen im Vordergrund, denen trotz der dabei in Erscheinung tretenden konträren Auffassungen jedoch der Optimismus gemeinsam war, daß die Verwirklichung des Zieles der Konvertierbarkeit bei Anwendung der jeweils empfohlenen Therapie in jedem Falle und in absehbarer Zeit möglich sei. Der inzwischen eingetretene Wandel ist weniger eine Weiterentwicklung dieser Diskussion als ein Umschalten auf praktische Fragen, die dadurch akut geworden sind, daß ein wichtiges Währungsgebiet, der Sterling-Raum, im Zuge des wirtschaftspolitischen Aktionsprogramms der Commonwealth-Konferenz die Konvertierbarkeit des Sterlings auf seine Fahnen schrieb und die englische Regierung den übrigen europäischen Ländern entsprechende Maßnahmen in Aussicht gestellt hat.

Die Rückwirkung des autonomen Vorgehens eines Landes oder einer Gruppe von Ländern auf den bereits – z. B. im Rahmen der EZU – erreichten Grad von Austauschbarkeit der Währungen, von Liberalisierung und Multilateralisierung des Handels wird um so aufmerksamer diskutiert, als die Verwirklichung der Konvertierbarkeit für ein Währungsgebiet angekündigt wurde, dessen Zahlungsposition sowohl gegenüber einzelnen Räumen wie aus global zumindest gegenwärtig noch nicht die Stärke aufweist, die in der vorangegangenen. Grundsatzdiskussion als eine wünschenswerte, wenn nicht sogar notwendige Voraussetzung für eine weitere und dauernde Befreiung des Handels- und Zahlungsverkehrs definiert wurde.

Ein autonomes Vorgehen auf dem Weg zur Konvertierbarkeit würde dann ratsam und wünschenswert erscheinen, wenn eine gemeinsame Aktion sich als undurchführbar herausstellte und wenn bei einem solchen autonomen Vorgehen der von den Mitgliedern der EZU innerhalb dieses Zahlungssystems bisher erreichte Grad von Konvertierbarkeit der Währungen sich in jedem Fall erhalten läßt. Es ist deshalb zu klären, wie die von der EZU bisher erreichte Konvertierbarkeit beschaffen ist und ob und durch welche gemeinsamen Maßnahmen die EZU zu einem System größerer Konvertierbarkeit sowohl der Mitglieder untereinander wie auch gegenüber anderen Währungsgebieten ausgebaut werden kann.

Die EZU ist in ihrer gegenwärtigen Form ein multilaterales Zahlungs- und Kreditsystem, das für die europäischen Länder untereinander in monetärer Hinsicht eine freie Austauschbarkeit ihrer Währungen, in kommerzieller Hinsicht Nichtdiskriminierung und eine prozentuale Begrenzung in der Anwendung von Handelsbeschränkungen (Liberalisierung) vorsieht. Gegenüber dem Dollarraum besteht in monetärer Hinsicht eine beschränkte Konvertierbarkeit, und zwar in dem Ausmaß, in dem Salden in der multilateralen Abrechnung untereinander in Gold oder Dollar ausgeglichen werden (d.h. durchschnittlich zu 40 v. H.), während in kommerzieller Hinsicht die Situation hier durch eine unkoordinierte Diskriminierung mittels mengenmäßiger Beschränkungen gekennzeichnet ist.

Diese Kennzeichnung des gegenwärtigen EZU-Systems zeigt bereits die möglichen Ansatzpunkte für den Ausbau dieses Systems im Sinne allgemeiner Konvertierbarkeit auf. Sie führt auch die gegenüber der EZU häufig geäußerte Kritik auf ein Maß zurück, das den tatsächlichen Mängeln eher entspricht. So ist es auf Grund des vorher Gesagten unrichtig, daß die EZU ein geographisch völlig abgeschlossenes System darstellt, wie die beschränkte Austauschbarkeit der EZU-Rechnungseinheit (zumindest in monetärer Hinsicht) auch gegenüber dem Dollar bewe’st. Unrichtig ist ferner der Vorwurf, daß die EZU eine Systematisierung falscher Kurse bedeutet und die Länder veranlaßt, den Zahlungsbilanzausgleich durch Bedienung der geschmähten „Liberalisierungsschaukel“ herbeizuführen. Jedem Mitglied der EZU steht es vielmehr frei (wobei die Verpflichtungen gegenüber dem Weltwährungsfonds auf einem anderen Blatt stehen), den ihm als „echt“ erscheinenden Kurs zu realisieren oder seine Parität schwanken zu lassen, statt das Ausmaß seiner Liberalisierung zu variieren. Ebenso irreführend ist es auch, die EZU als eine Art „supranationale Devisenbewirtschaftung“ zu kennzeichnen, da für den liberalisierten innereuropäischen Waren- und Dienstleistungsverkehr die Devisenbehörden nur noch eine formale Kontrolle ausüben, die auch bei allgemeiner und weltweiter Konvertierbarkeit nicht entbehrlich wäre, solange man den Kapitalverkehr nicht ebenfalls liberalisieren zu können glaubt.

Daß das EZU-System andererseits Unzulänglichkeiten aufweist und noch nicht die für die Abwicklung des internationalen Handels- und Zahlungsverkehrs ideale Form darstellt, ist unbestritten. Das Endziel der allgemeinen Konvertierbarkeit, das keine „Währungsräume“ und „Härteunterschiede“ duldet, ist aber nicht ohne weiteres von heute auf morgen zu verwirklichen. Das schließt nicht aus, daß Fortschritte schon in naher Zukunft erzielt werden können, wobei eine sinnvolle Weiterentwicklung des Erreichten die einzugehenden Risiken vermindert und damit nachteilige Rückwirkungen auf den Außenhandel, die finanzielle Stabilität und die Beschäftigung in den einzelnen Ländern auszuschließen verspricht.