Während die Weltbörsen auf die Ereignisse in der UdSSR zeitweise fest reagierten, hat bei uns der Tod Stalins die ohnehin nur oberflächlich unterdrückte Unsicherheit erneut hervortreten lassen. So kam es, daß die Tendenz in der vergangenen Woche häufig noch während der Börse umschlug. Die Nervosität wurde verstärkt durch den nicht immer befriedigenden Verlauf der Frühjahrsmessen. Diese Meldungen hatten jedenfalls mehr Gewicht als die freundlichen Worte aus dem Lager der Regierungsparteien, nach denen die Aktien in dem 2. Gesetz zur Kapitalmarktförderung zu ihren Rechten kommen sollen.

Anregend waren dagegen die Veröffentlichungen der alliierten Behörden zur Neuordnung der Montankonzerne von Hoesch und Gutehoffnungshütte. Wenn darin auch für die Börse nichts Neues verlautbart wurde, so hat sich damit doch die Hoffnung verstärkt, nun bald die endgültigen Grundkapitalien zu erfahren. An den Umstellungstaxen hat sich jedenfalls nichts geändert. Sie liegen bei Gutehoffnungshütte zwischen 1:3 und 1 : 3,25, bei Hoesch 1 : 2,7 bis 2 : 2,85, bei Klöckner 1 : 3,1 bis 1 : 3,25. Schon eine oberflächliche Berechnung zeigt, daß alle Montanwerte erheblich unter Pari gehandelt werden, obgleich in vielen Fällen die Nachfolgegesellschaften eine angemessene Dividende als sicher hingestellt haben.

Das Geschäft in IG-Farben- Papieren blieb auch in der vergangenen Woche lebhaft, allerdings ließ sich trotz der mehrfach zu beobachtenden Auslandskäufe der Kurs von 90 1/2 v. H. für effektive Stücke nicht halten; er fiel wieder auf 87 1/2 v. H. zurück. Zwar steht auch bei den IG-Farben die endgültige Umstellung noch immer nicht fest, doch dürfte sich an dem, was bislang bekannt wurde, kaum noch etwas ändern. Es ist daran gedacht, den drei Hauptnachfolgegesellschaften insgesamt Aktienkapitalien von 1,013 Mrd. DM zuzuteilen. Legt man diesen Schlüssel zugrunde, würden auf 1000 RM IG-Farben-Aktien entfallen: 282 DM Aktien von Bayer, 250 DM von BASF, 210 DM von Hoechst, 25 DM von Casella, 65 DM von Hüls und 50 DM von Rheinstahl. Damit käme man auf eine Umstellungsquote von nahezu 10 : 9. Der gegenwärtig erreichte Kurs dürfte im Vergleich zu anderen Werten also als durchaus gerechtfertigt angesehen werden.

Die Bewertung der Aktien der ehemaligen Großbanken wird man einer Revision unterziehen müssen. Den Instituten ist es durch eine Verordnung gestattet worden, einen Teil der bei ihnen seit der Währungsreform gebildeten Wertberichtigungen als offene Reserven auszuweisen. Dadurch wird auch äußerlich eine Kräftigung des Bilanzbildes sichtbar werden. Zudem kann man bei den Nachfolgegesellschaften ziemlich sicher mit einer Dividende (6 v. H. ?) rechnen, so daß die noch immer unter Pari liegenden Kurse nur schwer zu rechtfertigen sind. Die Reichs bankanteile konnten sich auf der Basis von 55 1/4 V. H. gut behaupten.

Bei den Versorgungs- und Tarif werten blieben RWE zu erhöhten Kursen gesucht (105 1/2 bis 108 1/2). Hier hat die Nachricht über die Zahlung einer von 4 auf 5 v. H. erhöhten Dividende für 1951/52 befruchtend gewirkt – Zu einer spürbaren Bewegung kam es bei den Hapag- Papieren. Nachdem sie tagelang stark vernachlässigt wurden, stiegen sie plötzlich von 33 auf 41 v. H., während sich alle anderen Schifffahrtswerte nicht rührten. Dieser ungewöhnliche Sprung ist offensichtlich auf einen Eindeckungszwang zurückzuführen, der vom Berufshandel vorzeitig erkannt und ausgenutzt wurde. Inzwischen fiel der Hapag-Kurs wieder auf 38 v. H. zurück.

Am Markt der RM-Renten kriselt es unter der Oberfläche. Durch die immer wieder versprochene Schattenquote wurden die bisherigen Inhaber bei der Stange gehalten. Nun hat es den Anschein, als ob die Zahlung dieser: Quote lediglich nach Nachweis einer sozialen Bedürftigkeit geschehen soll. Dann liegt für eine große Zahl von Besitzern kein Grund am Festhalten der RM-Papiere mehr vor, ebensowenig wie für die Neuerwerber, die in Hoffnung auf die Schattenquote gekauft haben. Außerdem leidet der Markt der RM-Renten unter der verschleppten Wertpapierbereinigung. Deshalb ist das Angebot der Pfälzischen Hypothekenbank in Ludwigshafen zu begrüßen, die den Gläubigern gelöster und gekündigter Stücke folgendes Angebot macht: Für die im Wertpapierbereinigungsverfahren anerkannten Ansprüche aus kraftlos gewordenen Stücken werden für die noch nicht fälligen RM-Pfandbriefe und Kommunalobligationen andere noch nicht fällige, aber effektive RM-Stücke geliefert. Etwaige Ansprüche aus der Schattenquote bleiben dem Umtauschenden ausdrücklich erhalten. Dies ist ein begrüßenswerter Weg, um den Pfandbriefinhabern noch vor Erlaß des ausstehenden Gesetzes zu ihrem Recht zu verhelfen. - n d t