Thomas Vater, achtzig Jahre alt, sein Bruder Joseph, alle leitenden Männer der Fabrik, Ingenieure und Chemiker, die Wachmannschaft der Russenbaracke und die Parteifunktionäre des Dorfes sind schon in der ersten Stunde nach dem Einmarsch verhaftet worden. Die russische Staatspolizei hatte in der Gärtnerwohnung ihr Quartier aufgeschlagen. Nur Thomas war immer noch in Freiheit. Wie lange noch?

Am Abend treten drei Soldaten aus dem Dunkel des Flures ins Zimmer. Unser Herzschlag stockt. Ich rufe glückselig: „Charles, Harold, Toni“ Es sind keine Russen, es sind die amerikanischen Sergeanten, die vor drei Tagen mit uns am selben Tisch gesessen hatten. Welche Erlösung, welche Sicherheit und Freude is mit ihnen in das Zimmer getreten.

Der russische Kapitan schaut auf. „Amerikaner!“ rufe ich ihm zu. „Oh, Amerikanski!“ Er springt auf und geht in drei großen Schritten zu ihnen hin. Er lacht dröhnend, klopft ihnen auf den Rücken und küßt sie ab. Die drei westlichen Boys stehen auf ihren langen Beinen mit verlegenen Gesichtern vor der kurzen, schweren Gestalt. Was bewegt die Herzen dieser so fremdartigen Waffenbrüder in dieser ersten Begegnung? Ausgeschlossen stehen wir daneben, zwei Schritte entfernt. Die Verständigung zwischen dem Amerikaner und dem Russen ist sieht möglich. So geht der Kapitän zum Radioapparat. Nur das Halbrund seiner Glatze leuchtet über die Lehne zu uns herüber.

Die amerikanischen Jungen mit ihren glatten, sauberen Gesichtern schauen stumm auf uns hernieder. Sport war es für sie gewesen, heimlich über den Fluß zu setzen. Jetzt aber: „... Gehen Sie heute Nacht mit uns herüber“, sagte einer. „Wir nehmen Sie mit. Sie können hier nicht bleiben. „Kommen Sie mit ihren Kindern zu uns. Schnell, entschließen Sie sich!“ Er macht eine Kopfbewegung zu dem wie taub dasitzenden Russen: „Was wollen Sie denn machen? Er wird heute Nacht eine Frau verlangen, geben Sie ihm nur die Russin gleich mit ins Bett, sonst. rettet Sie nichts. Sie können hier nicht bleiben.“

Nein, ich will nicht fort. Thomas bleibt, also bleibe ich auch.

Die Amerikaner verlassen uns wieder, kopfschüttelnd, und auch der russische Kapitan stampft hinaus zu seiner Wachrunde. Diese Nacht, ein Inferno für das Dorf, bleibt für uns in unfaßlicher Ruhe, Es wird die letzte Nacht des Schlafes sein für viele Wochen.

Es hat geklingelt. Ich fahre hoch. Wie spät mag es sein? Der Wecker zeigt 6 Uhr früh. Mein Gott, was ist geschehen? Wer ist da?