In den viertägigen Besprechungen des britischen Außenministers Eden und des Schatzkanzlers Butler mit Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles hat Eden zugesichert, England werde in Zukunft den Transport kriegswichtiger Waren nach Rot-China an Bord von englischen Schiffen unterbinden und auch Schiffe anderer Nationen, die solche Waren an Bord haben, nicht mehr in englischen Häfen bunkern lassen. Damit sind wichtige Zwischenhäfen, wie Singapur, für die Versorgung Chinas mit Rohstoffen aus nichtkommunistischen Ländern gesperrt. Wie aus dem Kommuniqué außerdem hervorgeht, stimmen die beiden Außenminister auch darin überein, daß der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft von den beteiligten Regierungen „so schnell wie möglich ratifiziert“ werden sollte. Die Luftstützpunkte der Amerikaner in England sollen nur nach vorheriger Verständigung mit der britischen Regierung für Einsätze gebraucht werden dürfen.

In den gleichzeitig geführten wirtschaftlichen Besprechungen wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Fortschritte auf dem Wege zur Herstellung der freien Konvertierbarkeit des englischen Pfundes und der anderen Währungen erzielt werden können.

Der „Vertragsentwurf zur Aufstellung einer Satzung der Europäischen Gemeinschaft“, der vom Verfassungsausschuß mit 21 Stimmen gegen die Stimme eines Gaullisten angenommen worden war, wurde der in Straßburg zusammengetretenen „ad-hoc-Versammlung“ der Montan-Union vorgelegt. Schließlich blieb es bei dem Vorschlag des Verfassungsausschusses, nach dem in der Völkerkammer Frankreich siebzig, die Bundesrepublik und Italien je dreiundsechzig, Belgien und Holland je dreißig und Luxemburg zwölf Vertreter erhalten.

Bei der Behandlung des Saargebietes ergeben sich Schwierigkeiten. In dem in erster Lesung angenommenen Verfassungsentwurf war festgelegt vorden, daß das Saargebiet kein Mitgliedstaat ist, keinen Vertreter im Ministerrat hat und in das Parlament der „Europäischen Gemeinschaft“ nicht Abgeordnete, sondern „Vertreter“ entsendet. Die Wahl dieser „Vertreter“ sollte nicht durch den Saarlandtag, sondern durch die Bevölkerung direkt auf Grund einer Regelung erfolgen, deren Einzelheiten zwischen der Bundesrepublik, Frankreich und dem Saargebiet festzulegen seien. Die Saardelegierten in der „ad-hoc- Versammlung“ haben sich jetzt gegen diese seinerzeit unter ihrer Mitwirkung zustande gekommenen Regelung gewandt und erklärt, sie erblickten in ihr eine unerträgliche Diskriminierung. In einem Abänderungsantrag forderten sie die Gleichstellung des Saargebietes mit den sechs Mitgliedstaaten und seine Vertretung im zukünftigen Europa-Parlament durch zwölf Abgeordnete und vier Senatoren. Dieser für die Bundesrepublik unannehmbare Abänderungsantrag war der wichtigste und schwierigste Punkt in den Besprechungen zwischen . Bundeskanzler Adenauer und dem französischen Außenminister Bidault in Straßburg.

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Der jugoslawische Staatspräsident Tito hat in Begleitung seines Außenministers Popovic, des Staatssekretärs für Auswärtige Angelegenheiten, Bebler, des Vizeadmirals Cerni und anderen hohen Militärs an Bord des Zerstörers „Galeb“ die Fahrt nach England angetreten. Der jugoslawische Zerstörer wird in der Höhe von Malta von einem englischen Flottenverband erwartet, der ihn nach England geleitet. Die Ankunft Titos in London erfolgt am 16. März. Dort sind umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um Tito gegen mögliche Anschläge moskautreuer Kommunisten oder königstreuer Jugoslawen zu schützen. E. K.