Werkzeuge werden in allen Industriezweigen und in den meisten Handwerksbetrieben laufend gebraucht. Daher zeichnet die Werkzeugindustrie auf Grund ihres engen Kontaktes mit Technik und Wirtschaft wie ein Seismograph alle Schwankungen der Volkswirtschaft in der Tendenz sicher auf. Die bisher recht günstige Lage der westdeutschen Werkzeugindustrie ist aber seit einigen Wochen undurchsichtig geworden, da der Auftragseingang aus dem In- und Auslande zu wünschen übrig läßt.

In der Produktion hat in den letzten Jahren eine gewisse Verlagerung stattgefunden, weil die konsumnahen Handwerkszeuge (Hämmer, Beile, Handsägen, Zangen, Handbohrer) im Gegensatz zu der Vorkriegszeit in Fabrikation und Absatz immer stärker von den Spezialwerkzeugen für Produktionszwecke, wie z. B. Präzisionswerkzeugen, Fräsern, Metallkreissägen, Hartmetallwerkzeugen und Schneidstählen, verdrängt werden. Die Produktion ist im letzten Jahre in beiden Sparten beträchtlich gestiegen, aber der Vorrang der Produktionsmittel-Werkzeuge ist unverkennbar. Im Inlande fließt der Fertigwarenstrom in drei Hauptkanäle: Großhandel rund 25 v. H., Facheinzelhandel etwa 35 v. H. und gewerbliche Verbraucher rd. 40 v. H. Der Exportanteil der derzeitigen Werkzeugproduktion wird auf etwa 60 v. H. der Gesamtkapazität geschätzt, knapp ein Drittel der Werkzeugausfuhr entfällt auf den direkten Export. Im Vorjahre hat die Werkzeugindustrie einen großen fünfsprachigen Gesamtkatalog herausgebracht, der einen umfassenden Überblick über das Werkzeugprogramm in der Bundesrepublik gibt und vor allem den ausländischen Besteller über die gängigen Maße, Größen, Typen und Sonderformen informiert.

Die westdeutsche Werkzeugindustrie umfaßt heute etwa 1400 durchweg spezialisierte Herstellerbetriebe. Großbetriebe sind kaum vorhanden. Die Kleinbetriebe überwiegen bei weitem. Etwa 40 v.H. aller Betriebe beschäftigen bis zu fünf Arbeitskräfte, 35 v. H. beschäftigen 6–20 Arbeitskräfte, 15 v. H. 21–60 Menschen, 9 v. H. 60–150 und nur 1 v. H. der Herstellerbetriebe haben eine Belegschaft von über 150 Personen aufzuweisen. Insgesamt sind gegenwärtig etwa 26 000 Arbeitnehmer in der Werkzeugindustrie tätig. Eine genaue Zahl läßt sich nicht ermitteln, da zahlreiche Betriebe außer Werkzeugen auch noch andere Teile fertigen. Im Durchschnitt entfallen etwa 15 v.H. aller in der Werkzeugindustrie tätigen Personen auf das kaufmännische Personal.

Die Qualitätsanforderungen, die in letzter Zeit an die Werkzeugindustrie gestellt wurden, sind ständig gestiegen. Wenn auch an Problemen der Material Verbesserung und der Qualitätssteigerung mit Hochdruck gearbeitet wird – der Versuchsanstalt der Werkzeugindustrie in Remscheid wird in Kürze eine besondere Forschungsabteilung angegliedert werden – so darf doch nicht übersehen werden, daß eine weitere Steigerung des Qualitätsstandards für Werkzeuge nur bei umfangreichen Verbesserungen und maschinellen Ergänzungen der Betriebseinrichtungen erreichbar sein wird. In den Nachkriegsjahren waren Investitionen nur in ganz beschränktem Umfange möglich, während die ausländischen Konkurrenzindustrien zum Teil erhebliche Mittel zur Erneuerung und Verbesserung ihrer Anlagen aufwenden konnten. Bei der Struktur der Werkzeugindustrie und auch bei der heutigen Steuergesetzgebung sind jedoch Investitionen aus eigenen Mitteln kaum möglich.

Trotz zeitweise beträchtlicher Materialschwierigkeiten konnte die Werkzeugindustrie in den letzten Jahren sehr günstige Ausfuhrergebnisse erzielen. 1950 erreichte die Ausfuhr von Werkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten über 122 Mill. DM, 1951 über 219 Mill. und im Vorjahre wurde sogar ein Ausfuhrwert von 236 Mill. DM erreicht. In der Menge war im letzten Jahre allerdings ein gewisser Rückgang der Ausfuhr festzustellen. Mit den vorliegenden Ausfuhrergebnissen und dem hohen Exportanteil ihrer Produktion gehört die vielseitige westdeutsche Werkzeugindustrie heute zu den exportintensivsten Industriezweigen. Für die Zukunft ergeben sich für die gesamte Werkzeugbranche nicht ungünstige Perspektiven, da verschiedene Werkzeuggruppen nach Abschluß des EVG-Vertrages zweifellos einer steigenden Nachfrage begegnen werden. Kl.