An einem Maitag des Jahres 1953 werden auf einem Gelände von 10 000 Quadratmetern mitten in Hamburg 500 000 Tulpen blühen, und ihre Glocken werden die Symphonie der tausend Farben gegen den Himmel läuten. Ebenfalls an einem Maientag wird es an demselben Ort beginnen, daß jeden Abend zweihundert Wassersäulen bis zu 50 Meter hoch durcheinander emporwirbeln; sie werden aus dreihundertfünfzig Scheinwerfern unter Wasser Lichtgarben in allen Farben mit in den Aufstieg reißen und im Sturz wieder auffangen. Dieselben Hände, die Wechsel und Temperament der Springbrunnen steuern, bedienen die Tasten und Register eines Orgelinstrumentes, unter dessen Rhythmen das Spiel der Fontänen zu einem korybantisch bewegten Kaleidoskop wird.

Tulpen und Fontänen werden in Hamburg in den Anlagen von Planten un Blomen zu sehen sein, die Tulpen als Einleitung, die Wasserspiele als sensationeller Höhepunkt der Internationalen Gartenbau-Ausstellung 1953. Der Hamburger Professor Th. Etbauer ist der Erfinder des neuartigen Orchesters von Wasser, Farben, Licht, Musik, das die Sinne des Sehens und des Hörens einander anvermählt. Wir werden ein ans Transzendentale steigendes Filmspiel von nie gesehener Art erleben.

Dann werden sich die Ereignisse jagen und dem Hamburg-Jahr 1953 einen Inhalt von bewegtester Aktivität geben. Schon durch ihre Vorankündigung hat sich die Veranstaltung als eine mächtige Anziehungskraft für Kongresse, Tagungen, Veranstaltungen und Reisegesellschaften gezeigt. Der Fremdenverkehrsverein teilt mit, daß am 1. Januar bereits mehr als hundert Voranmeldungen mit einer Besucherzahl von einigen Hunderttausend erfolgt waren. Die bedeutendsten bisher angemeldeten Ereignisse werden das Deutsche Turnfest 1953 und der Evangelische Kirchentag sein; für jede dieser Veranstaltungen wird mit hunderttausend Besuchern gerechnet, und man sucht schon jetzt außerhalb der Stadt Unterkunftsmöglichkeiten zu organisieren.

Inhalt der Ausstellung: Blumen und Ziergewächse, Gemüse, Obst und was sich ihnen beigesellt, wie Blumenbinden, Obstbaumpflanzungen, Geräte und Maschinen zur Bearbeitung von Boden und Produkt... Dafür stehen fünf Hallen zur Verfügung, denn die Ernst-Merck-Halle hat in den letzten Monaten Hallen-Nachbarn bekommen. Hier werden technische Lehrschauen und Wettbewerbe veranstaltet, hier auch Musterkleingärten, Stadtrandsiedlungen, Gartenarchitekturen zu sehen sein.

Von den Blumen, die gewiß die Favoriten der Schau bedeuten, werden besonders die Tulpen, Rosen, Irisse, Dahlien, die Rhododendren und Stauden erwähnt.

Vierzehn Länder haben ihre Beteiligung zugesagt. Darunter sind Dänemark, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Irland, Spanien und USA, die hauptsächlich ihre Rosen vorstellen. Von den 500 000 Tulpen kamen etwa 300 000 aus Holland, das auch Obst und Gemüse schicken wird. Dänemark wird besonders mit Baumschulprodukten und Belgien mit Obst und Gemüse und Rhododendren beteiligt sein. Aus Italien kommen Oleander, Palmen, Granat- und Orangenbäume: sie werden südliche Vegetation um den großen Teich zaubern. Frankreich schickt seine berühmten Schnittblumen von der Riviera. Die Schweiz läßt ihre Dahlien und Irisse sehen, Österreich Gartenarchitekturen. Japan führt seine Gärten aus Zwergbäumchen und in einer Sonderschau seine Blumenbindekünste vor. Vor zwei Jahren wurde bei einem archäologischen Fund in Japan sechs Meter tief im Boden der Samen von Lotosblumen gefunden, von dem ein Botaniker feststellte, daß er sich triebfähig erhalten hatte, obschon er zweitausend Jahre im Boden gelegen. Versuche, aus ihm Blumen zu ziehen, gelangen, und eine dieser Lotosblumen aus dem zweitausend Jahre alten Muttersamen kam in einem Flugzeug zu Planten un Blomen.

Den Grundstock werden natürlich die Bemühungen der deutschen Teilnehmer, insbesondere der viertausend Gärtner der Stadt, selber bilden.