In unseren Sport ist ein neues Dessin gekommen: der Amateur auf Abruf. Wir verdanken die Kenntnis davon der charmanten jungen deutschen Eislaufmeisterin, Gundi Busch, die ein wenig aus der Schule plauderte. Man erfuhr von ihr, daß es bei den großen internationalen Kämpfen auf dem Eise zwar auch noch ein wenig um die Ehre geht, daß aber der bestmögliche Absprung in das Lager der Berufsläufer doch wohl die Hauptsache ist.

An sich ist es natürlich nichts Neues, daß besonders begabte Amateursportler in den Schausport hinüberwechseln und dort nun ihr Brot verdienen. Bei den Radfahrern und Boxern war und ist das gang und gäbe und niemand fand etwas dabei. Als die Tennisspieler dann auch auf diese Idee kamen und eigene kleine Gesellschaften gründeten, mit denen sie im Lande unherreisten und Schaukämpfe veranstalteten, wurde einem schon etwas unbehaglicher zumute.

Nun aber sind auch die Eislaufer ihrem Beispiel gefolgt, und da beginnt die Sache prekär zu werden. Vor allem, weil man nicht weiß, wie man sich aus diesem Dilemma lösen kann. Wir hörten von Gundi Busch, die in der Wahl ihrer Eltern sehr vorsichtig gewesen ist, daß ihr reicher Papa sie schon von ihrem fünften Lebensjahr an systematisch auf den „Beruf“ einer Eislaufgröße hat trainieren lassen. Es war auch rührend zu lesen, daß er nicht nur bereits runde 30 000 DM in die Sache gesteckt hat, sondern es ruhig mit ansah, daß naturgemäß dadurch die Schulausbildung dieses eisläuferischen Naturtalents gelitten hat, so daß das jetzt ausgewachsene siebenzehnjährige Mädchen keinerlei ernsthafte Berufsausbildung besitzt. Sie kann also weiter nichts als charmant lächeln, anmutig-indiskret über ihre „Kollegen“ plaudern und fraglos die besten Pirouetten auf dem Eise drehen, die verwegendsten Sprünge ausführen und sich graziös auf Schlittschuhen bewegen. Das alles wohlgemerkt zumeist in den teuersten Luxus-Sport- und Kurorten der Alten Welt, soweit sich dort eine Kunsteisbahn befindet. Ein Leben für den Eislauf also.

Dabei ist Gundi Busch weder die einzigste noch etwa die anspruchvollste Erscheinung ihrer Art. Der vielfache amerikanische Olympiasieger und Weltmeister, Dick Button, hatte einen noch viel wohlhabenderen Vater im Hintergrund und hatte es in seinem jungen Leben auch dementsprechend erheblich leichter als unsere Landsmännin. Heute ist er mit 300 000 Dollar auf drei Monate in einer Eisschau engagiert, quasi als Profi auf Abruf, denn danach will er wieder sein Studium aufgreifen und sein Examen machen. Die anderen Sterne am internationalen Eislaufhimmel erhalten nicht ganz soviel (sie sind auch nicht ganz so gut). Ihnen wurde es auch nicht so leicht gemacht, ihr Training ohne die Sorgen des Alltags durchzuführen, wie einst Sonja Henie, später Dick Button und nun Gundi Busch, die sich alle teuren Eislauflehrer anvertrauen konnten. Ihre Eltern hatten bei weitem nicht so dicke Geldtaschen und sie mußten sich ihr großes Können vornehmlich allein aneignen. Es darf auch nicht verschwiegen werden, daß zum Beispiel Karl Schäfer-Wien und Maxie und Ernst Baier (ebenso wie vorher schon Sonja Henie) während ihrer Amateurzeit nicht auf ein Engagement zu irgendeinem Eislaufzirkus warteten, sondern daß sie nach Abschluß ihrer Amateurlaufbahn eben diese shows erst gründeten. Doch alle, die nach ihnen kamen, trachteten von vornherein danach, sich einmal möglichst hoch zu verkaufen. Und der beste Moment hierzu war eben immer noch der Gewinn des schönstklingenden Titels eines internationalen Meisters, möglichst des Weltmeisters. Amateur auf Abruf. Klappt es nicht heute, wird es morgen schon glücken. Bisher hat es das auch noch immer getan, doch wer weiß, ob diesmal nicht Gundi Busch sich verrechnet. Kann sie im nächsten Jahre nicht Tenley Albright-Amerika, die jetzige Weltmeisterin, schlagen, wird sie erheblich im Kurse sinken. Es sei denn, ihre Rivalin tritt vorher auch in einen Eiszirkus ein.