Einige Meldungen der letzten Zeit haben erneut darauf aufmerksam gemacht, daß Bayern nicht nur auf Grund seiner Revierferne und den damit verbundenen ungünstigen Frachtbedingungen im Wettbewerb mit den anderen Ländern ins Hintertreffen gerät. So hat sich der bayerische Finanzminister Zietsch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bayernwerk AG veranlaßt gesehen, dem Verband der nordbayerischen Textilindustrie mitzuteilen, er werde der Strompreisbildung in Bayern gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium, seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Vorausgegangen war eine Intervention dieser Industrie beim bayerischen Wirtschaftsminister, in der darauf hingewiesen wurde, daß die von den nordbayerischen Textilbetrieben bezahlten Strompreise zwischen 10 und 30 v. H. höher liegen als die Strompreise z. B. in Baden-Württemberg oder in der Pfalz. Diese Belastung soll zusammen mit der ungünstigen Frachtlage eine Verteuerung je kg Garn gegenüber der westdeutschen Konkurrenz von 16–18 Pf., in einzelnen Fällen bis zu 25 Pf. gebracht haben.

Ein noch krasseres Beispiel erfuhr man auf der Generalversammlung der Diamalt AG München. Diese Gesellschaft hat in der Nähe von Hamburg eine neue Fabrik gekauft, da die Höhe des bayerischen Strompreises das Dreifache des Preises in Schleswig-Holstein betrage.

Während in allen westdeutschen Ländern die Aufsicht über die Energiewirtschaft dem Wirtschaftsminister obliegt, ist in Bayern dafür die „Dreieinigkeit“ des Finanz-, Wirtschafts- und Innenministeriums bzw. der Obersten Baubehörde zuständig. Diese Zersplitterung hat nicht nur zu einer Schwächung der Position innerhalb des Bundes, sondern auch zu einer Benachteiligung bei der Verteilung von ERP-Beträgen geführt. Die bayerische Industrie, die besonders unter den hohen Strompreisen und diesem Wirrwarr der Zuständigkeiten zu leiden hat, sollte nicht zu weiteren Schritten dieser Art gezwungen werden, wie ihn die Diamalt AG bereits praktizierte. Deshalb dürfte sie den Bemühungen des Finanzministeriums, das sich um die Federführung in der Energieaufsicht bemühte, wenig Verständnis entgegenbringen und den Vorstoß des Wirtschaftsbeirates der Union begrüßen, der dem Wirtschaftsministerium wie in andern Ländern die alleinige Kompetenz sichern will. H. K.