Fähre sieben

Mit dem Bild des Hamburger Hafens erscheint zugleich im Hintergrund der Vorstellungswelt der Begriff: Fähre 7, als sei diese Fähre eine besondere geistige Ausstrahlung des Hafens, vielleicht ein Irrwischlicht, das auf dessen Moor brennt, der Hauch des Geheimnisses zwischen Laster und Leben, die geisterhafte Flagge des Hafens...

Fähre 7 fährt ein Stück unterhalb von St.-Pauli-Landungsbrücken ab, dort, wo die „Seute Deern“ liegt, und geht querüber gleich in den Freihafen hinein, legt zuerst an Kuhwerderhöft an und macht dann die Runde um die Höfte des Kuhwerderhafen-Quartiers bis zur Howaldts-Werft, und zurück, ein winziges Segment nur des Hafens, in dem es an fünf Stellen anlegt und nach dreiviertel Stunden wieder am Abfahrtsponton festmacht. Sie fährt von sechs Uhr früh bis ein Uhr nachts, jede halbe Stunde.

Andere Fähren, die auch Nummern haben, werden nie ausgesondert, sie sprechen die Vorstellungskraft nie in der besonderen Weise an wie Fähre 7, obwohl manche Bedeutenderes zeigen als diese.

Aber stärker als ihre Realität ist bei Fähre 7 ihre Sinnbildhaftigkeit. Auf ihren unkomfortablen Holzbänken sitzt Jan Maat, einerlei, aus welchem Teil der Welt, ausgehungert in Nerv und Seele, wenn er abends auf Landurlaub geht, nachdem er monatelang seinen Teil an den Lebensfreuden verwinden mußte. Fähre 7 ist ihm wie ein Himmelsbogen, auf dem er der Erfüllung seiner Nöte und der tausend Träume zugetragen wird, mit denen er in der Koje seine Einbildungskraft darbend hat nähren müssen.

Denn wo Fähre 7 landet, baut sich auf der anderen Straße der Berg St. Pauli auf, der für Jan Maat mit Wein und Whisky, mit Musik, mit Mädchen, mit Rummel und Rausch überzogen und dessen Kirmes nur deshalb so grell gemacht ist, damit für alle „Jan Maaten“ nach dem vielen Verzicht und der vielen Einsamkeit das Leben wieder brennend und schwungvoll wird.

Der Elbtunnel