Die industrielle Bedeutung der Freien und Hansestadt Hamburg steht in der Welt – und leider oftmals auch in Deutschland – im Schatten des Ruhms, den Hamburg als Hafen und Handelsplatz genießt. Hierin einen Wandel zu schaffen, ist das besondere Anliegen des hamburgischen Wirtschaftssenators Prof. Dr. Karl Schiller.

Seine Arbeit wird ihm durch die Industrie mit der ihr eigenen hamburgischen Initiative erfreulich erleichtert, denn schließlich ist auch im vergangenen Jahr ihr Exportumsatz erheblich angestiegen und hat mit insgesamt 560 Mill. DM fast die Hälfte mehr als im Vorjahre erreicht. Der Exportanteil am Gesamtumsatz der hamburgischen Industrie ist zudem 1952 auf etwas mehr als 10 v. H. gestiegen, während er 1951 noch bei 7 v. H. lag. Größter Devisenbringer war in Hamburg der Schiffbau mit einem Viertel aller Exporte. Ihm folgten im Vorjahr der Maschinenbau, die Mineralölindustrie, die NE-Metallindustrie, die chemische Industrie und die Elektroindustrie mit mehr als der Hälfte des gesamten Industrieexports der Hansestadt.

Damit aber ist die Vielfältigkeit der hamburgischen Industriezweige noch längst nicht erschöpft. Man muß wissen, daß die Stadt ein Schwerpunkt der deutschen Zigarettenindustrie ist, denn jede vierte in Deutschland hergestellte Zigarette stammt aus Hamburg. Hamburger Bier geht längst wieder in alle Welt, desgleichen die Erzeugnisse der feinmechanischen Industrie und der optischen Industrie. Das gilt auch für die Gruppe des Fahrzeugbaus: Kleinlaster und schwere Lkw.-Anhänger – made in Hamburg – findet man nicht nur auf deutschen Straßen. Ein wichtiger Faktor ist ferner die Textilindustrie mit der Bekleidungsindustrie; „beide Branchen konnten sich besonders in der Nachkriegszeit erfreulich entwickeln. Weltweite Bedeutung haben die Werke der Kautschuk- und Asbestindustrie, und eine nicht minder wichtige Rolle spielen die hamburgischen Ölmühlenbetriebe vor allem durch den ständig wachsenden deutschen Margarinekonsum. Dazu wären zu nennen die Getreide- und Schälmühlen, die sehr moderne Süßwarenindustrie, die Ernährungsindustrie und, last not least, die Fischindustrie, die allerdings infolge des Verlustes ihrer im jetzigen Ostzonengebiet liegenden einstigen Hauptabsatzmärkte noch immer sehr zu leiden hat. Willy Wenzke