Jahrelang haben die Reste der nationalchinesischen Armee, die nach der völligen Besetzung Chinas durch die kommunistischen Armeen Mao Tse Tungs über die Grenze nach Burma geflüchtet waren, dort mehr oder weniger unangefochten ihr waren, gefristet. oder hatte Burma ihnen den Status politischer Flüchtlinge gewährt, weil die burmesische Regierung selber durch die Kämpfe im Innern gegen ihre eigenen Kommunisten und gegen die aufständischen Karenstämme so geschwächt war, daß ihr Einflußbereich kaum über die Hauptstadt Rangoon hinaus ging. Überdies hatte Nehru seinerzeit erklärt, daß jegliche Invasion der chinesischen Kommunisten nach Burma hinein von ihm als eine Invasion in indisches Interessengebiet angesehen würde. Diese Erklärung schien für Burma eine gewisse Gewähr dafür zu geben, daß Rotchina wegen der nationalchinesischen Truppenteile keinerlei Repressalien ergreifen würde, solange diese sich ruhig verhielten.

Seit nun aber die Eisenhower-Regierung in Ostasien eine aktivere Politik zugunsten Nationalchinas eingeschlagen hat, ist eine gewisse Nervosität in Burma entstanden, zumal da die nationalchinesischen Kontingente begonnen haben, sich mit den Karen zusammenzuschließen und sich innerhalb des burmesischen Gebietes mißliebig zu machen.

Die lange Zeit vergessene Armee umfaßt etwa 10 000 Nationalchinesen, die offenbar in der letzten Zeit starken Zuzug aus dem angrenzenden kommunistischen Yünnan bekommen haben. Die Gerüchte, die im dortigen Raum herumschwirren, sprechen von sechs Divisionen und einer Reihe von Guerilladivisionen, die an der Dreiländer-Ecke Burma, Indochina, Siam konzentriert sind. Sicher sind diese Zahlen übertrieben. Tatsache aber ist, daß diese Truppe, die unter der Führung des Generals Li Mi steht, durch Siam ständig Nachschub an Waffen erhält. Der burmesische Verteidigungsminister Ba Swe hat in der vorigen Woche erklärt, die burmesische Regierung besitze hinreichende Beweise dafür, daß die nationalchinesischen tisanen“ von Amerikanern ausgebildet und bewaffnet worden seien. Er fügte jedoch sogleich hinzu, daß diese Amerikaner nicht im Auftrag der amerikanischen Regierung handelten und daß die Vereinigten Staaten im Gegenteil bereit seien, die Nationalchinesen aus Burma zu entfernen. Diese Äußerung soll offenbar Washington zu einer diplomatischen Intervention veranlassen. Burma ist nämlich im Grunde viel zu schwach, um die Nationalchinesen, wie Ministerpräsident U Na angekündigt hat, mit Waffengewalt aus dem Lande zu treiben. Einige Berichte sprechen zwar davon, daß die burmesische Armee bereits in schwere Kämpfe mit der versprengten Armee Tschiang Kai Sheks verwickelt sei, und eine Meldung aus Rangoon vom 16. März scheint dies zu bestätigen. Sie besagt, General Li Mi habe über den Funk alle Einheiten aufgefordert, „die Stellung am Ostufer des Salwin-Flusses unter allen Umständen zu halten, bis neue Verstärkung und Nachschub eingetroffen sei“. Man wird jedoch wohl annehmen müssen, daß alle Beteiligten ein Interesse daran haben, jene Armee nicht mit Waffengewalt, sondern durch Verhandlungen aus dem Lande zu entfernen. Für Peking ist diese nationalchinesische Armee als Kristallisationspunkt für Partisanen jenseits der kommunistischen Grenze keineswegs erfreulich, für das politisch, ökonomisch und militärisch schwache Burma ist die provozierende Anwesenheit einer nationalchinesischen Truppe außerordentlich bedrohlich, und Amerika schließlich sollte ein Interesse daran haben, keine neuen „bewaffneten Konflikte“ in Ostasien entstehen zu lassen.

Die burmesische Regierung will den Fall der UNO vortragen und hofft offenbar darauf, es könne mit Hilfe amerikanischen Druckes gelingen, diese Truppen durch Siam nach Formosa zu überführen. m