Die japanische Zeitschrift „Bunkai-Schunju“ bringt einen eindrucksvollen Bericht aus den letzten Tagen vor der Kapitulation Japans, als die japanische Flotte bereits vernichtet war, als die Atombomben Hiroschima und Nagasaki verwüstet hatten, wobei Zehntausende von Menschen den Tod gefunden hatten.

Es fand ein großer Kriegsrat in Gegenwart des Kaisers Hirohito statt. Bei den Beratungen standen zwei Auffassungen einander gegenüber. Der Außenminister Tojo verlangte, daß Japan die Potsdamer Erklärung annehmen solle, da man befürchten müsse, daß der Feind, bar jeder sittlichen Scheu, das ganze japanische Volk mit weiteren Atombomben ausrotten werde. Der Kriegsminister, General Anami, dagegen wollte von Kapitulation nichts wissen. Er behauptete, informiert zu sein, daß die Vereinigten Staaten im Augenblick keine weiteren Atombomben besäßen. Er trat deshalb für die Fortsetzung des Widerstandes ein, um die Amerikaner sich verbluten zu lassen. Er zitierte in seiner Rede, mit der er diese seine Auffassung vertrat, eine alte Samurai-Ballade, in der es heißt:

„Wir warten nicht in Qualm und Brand, bis einsam wir verderben. Wir reißen den Feind zur Hölle hinab und wollen mit ihm sterben.“

Der Tenno gab dann die Entscheidung: Japan solle kapitulieren. Aber die jungen Offiziere des Heeres waren gegen die Kapitulation. Es bildete sich eine Verschwörergruppe.

Diese Verschwörer sollten sich in der Nacht vom 14. zum 15. August des kaiserlichen Palastes bemächtigen, um zu verhindern, daß der Kaiser die Waffenstreckung bekanntgab. Der Neffe des Kriegsministers, Oberstleutnant Takeschita, hatte aber von dem Komplott erfahren. Er begab sich zu seinem Onkel und fand diesen, wie er gerade sein Testament machte und eine Begräbnis-Ode schrieb. Das Testament des Generals, der über irdische Güter nicht verfügte, war kurz. Es lautete: „Ich entschuldige mich respektvoll bei Seiner Majestät dem Kaiser wegen der schweren Kränkung, die ich durch meinen Selbstmord begehe.“ In der Begräbnis-Ode aber hieß es: „Nachdem ich mein ganzes Leben hindurch die große Gunst des Kaisers genossen habe, habe ich nichts mehr, was ich zurücklassen möchte.“ Der General unterschrieb diese Ode mit den Worten: „Mit einem unzerstörbaren Glauben an die Ewigkeit unseres Götterlandes.“

Seinem Neffen sagte er rund heraus, er wedle lieber aus dem Leben scheiden als am nächsten Tage hören, wieder Kaiser die Waffenstreckung proklamiere. Er zeigte ihm auch die beiden Kurzschwerter, Erbstücke seiner Samurai-Ahnen, mit denen er das Seppuku (die als vornehmer geltende Ausdrucksweise für das Harakiri) vollziehen werde. Angesichts dieser Entschlossenheit des Generals beschloß sein Neffe, seinem Onkel nicht mehr erst irgend etwas von dem Plan der Verschwörer zu sagen. Als aber unmittelbar darauf die ersten Schüsse aus der Gegend des Kaiserpalastes ertönten, konnte er nicht mehr schweigen.

Gegen drei Uhr nachts erschien ein Verbindungsoffizier der Verschwörer und meldete, daß man dem Befehlshaber der kaiserlichen Garden, dem General Mori und dessen Schwiegersohn, dem Obersten Schiraischi, den Kopf abgeschnitten habe, weil sie es abgelehnt hatten, sich an der Verschwörung zu beteiligen. Kriegsminister General Anami blieb völlig ruhig, als er diese Mitteilung hörte und erklärte nur, er sei davon überzeugt, daß die Ost-Armee treu bleiben werde. Gleichzeitig fuhr er in den Vorbereitungen zur feierlichen Selbstentleibung fort. Er zog ein weißes Hemd an, das ihm einst, als er noch junger Adjutant war, der Kaiser geschenkt hatte. Dann legte er seine Gala-Uniform mit allen Orden und Ehrenzeichen an – und stieß sich das Kurzschwert in den Leib.