Welche praktische Bedeutung das Lebenswerk eines tätigen Menschen hat, erkennt man am besten, wenn man es sich einmal – hypothetisch natürlich nur – wegdenkt. Denkt man sich etwa, Felix Meiner hätte nicht im Jahre 1911 in Leipzig einen Verlag gegründet, so wäre es um die Möglichkeiten philosophischen Studiums in Deutschland sehr schlecht bestellt. Denn was fingen Professoren, Studenten und Freunde der Philosophie ohne die klassischen Texte der „Philosophischen Bibliothek“ an, ohne die mustergültigen, einzeln käuflichen Bände der Gesamtausgaben von Kant, von Hegel, von Plato in Otto Apelts, von Plotin in Richard Harders Übersetzung„ ohne die Auswahlausgaben von Aristoteles, Descartes, Spinoza, Leibniz, Fichte und so vieler anderer Denker? Dies alles einzurichten, über zwei Kriege und Nachkriegszeiten durchzustehen und dabei immer die Person hinter die große Sache zurückzustellen, immer das Wirtschaftliche in das Geistige einzuordnen, nicht umgekehrt – das erforderte ein ganz ungewöhnliches Maß von reiner Vernunft, von praktischer Vernunft und von Urteilskraft. Felix Meiner hat nie für sich selbst das Licht der Publizität gesucht. In stiller, zäher Arbeit hat er die schweren Rückschläge – Bombenangriffe 1943–1945, dann sowjetisches Regime bis 1950 – wieder aufgefangen und die zwei großen Unternehmungen der letzten Jahre weitergeführt: die neue kritische Hegel-Ausgabe und die erste Gesamtausgabe der Werke des Nicolaus Cusanus. Ihm dankt an seinem siebzigsten Geburtstag (23. März) jeder, den an dem Überleben philosophischen Geistes gelegen ist.

C. E. L.