Wir hörten:

Mit wieviel Berechtigung Günter Eich gerade in diesem Jahr den Hörspielpreis der Kriegsblinden erhalten hat, zeigte die aus drei weit voneinander entfernten deutschen Sendern – Baden-Baden, Bremen und München – gleichzeitig kommende Ursendung seines letzten Werkes „Die Mädchen aus Viterbo“. Die Aufnahme hatte der Südwestfunk gemacht. Hier leitete Karl Peter Biltz ein Ensemble guter und frischer Sprecher. Er konnte auf akustische Untermalungen und füllende Geräusche fast ganz verzichten. Das Wort des Dich-Denn auch dieses Spiel Günter Eichs ist ganz auf die Sprache gestellt, die den großen Gedanken der Handlung ausschöpft: In drei Stufen entdecken das jüdische Mädchen (Dagmar Altrichter) und sein Großvater den Sinn, den das Ende der in den römischen Katakomben verirrten Schulmädchen aus Viterbo für sie selbst haben kann. Die erste Möglichkeit: sie werden durch Liebe gerettet. Die zweite: sie nehmen ihren Untergang mit Gleichmut hin. Die dritte: sie fassen ihn als ihre Bestimmung auf und sagen ja dazu. Nur die letzte Möglichkeit paßt noch, als die Gestapo an der Tür trommelt...

Der Süddeutsche Rundfunk wagte mit Glück eine in Stimmen aufgeteilte Sendung von Wolfgang Weyrauchs großer Ballade „Die Minute des Neger“. Die stoßende, an die Synkopen der Negermusik erinnernde freie rhythmische Sprache hat auf die Dauer im Funk etwas sehr Beklemmendes. Aber Beklemmung will Weyrauch erzielen mit dem Monolog des Joseph Billing, dessen Flugzeug in sechzig Sekunden am Felsen zerschellen wird ...

Wir werden sehen:

Donnerstag, 19. März, 20.10 Im NWDR:

Das noch neuartige Unternehmen einer Femsehoper, Benjamin Brittens „Der kleine Schornsteinfeger“, die auch für kindliche Zuschauer bestimmt ist und bei der unter der musikalischen Leitung von Gerhard Maasz der Knabenchor der Hamburger Michaeliskirche und der Mädchenchor des NWDR mitwirken. Anschließend zum erstenmal ein Fernseh-Feuilleton, dem sein Erfinder und Sprecher Axel von Ambesser den Titel „Der neue Laokoon“ gegeben hat.

Wir werden hören: