E. R. S., New York, im März

Harlow H. Curtice, der neue Präsident der General Motors Corporation, erwartet für 1953 einen Umsatz von 5 1/2 Mill. Personenwagen in der amerikanischen Autoindustrie. Damit wäre 1953 das bisher zweitbeste Nachkriegsjahr. Die Rekordproduktion von 6,6 Mill. Pkw. wurde 1950 erreicht.

Aus Händlerkreisen hört man gelegentlich noch höhere Umsatzschätzungen als die des Mr. Curtice; in anderen Fällen sind die Prognosen nicht ganz so optimistisch. Das ist typisch für die Verfassung des hiesigen Automarktes überhaupt, der nicht einheitlich liegt und in einzelnen Teilen des Landes wesentlich aufnahmefähiger ist als in anderen. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang die kürzlich bekanntgewordene Absicht der Ford-Verwaltung, in der Gegend von San Franzisko neue Anlagen zu bauen, die der Belieferung des wachsenden Automarktes an der Westküste mit Personen- und Lastkraftwagen dienen sollen. Die Bauzeit der Anlagen wird auf 2–3 Jahre geschätzt, die Kosten sollen zwischen 35 und 50 Mill. $ betragen.

Grundsätzlich sind die Preise der Modelle von 1952 für die Produktion dieses Jahres beibehalten worden. In einzelnen Fällen, so für vier Modelle der neuen Chevrolet-Erzeugung, sind sie um Kleinigkeiten zurückgegangen – bis zu 39 $ je Wagen; Tatsächlich erhalten die Käufer der neuen Modelle aber mehr für ihr Geld als im vorigen Jahre. Das ist zum Teil in der Verbesserung der Wagen selbst begründet. Die neuen Chevrolets z. B., um noch einmal diese meist verbreitete Marke zu nennen, sind stärker, wirtschaftlicher und bequemer eingerichtet als bisher. Daneben aber werden jetzt wertvolle Zubehörteile, die bisher gesondert in Rechnung gestellt wurden, entweder für den Preis des Wagens mitgeliefert oder doch zu wesentlich verringerten Preisen angeboten.

Trotz dieser Konzessionen auf Seiten der Fabrikanten klagen die Händler vielfach über die Notwendigkeit der Gewährung von Rabatten, die bei teuren Wagen um 300 $ ausmachen und bei billigen Marken zwischen 100 und 150 $ liegen. Die Stellung der Käufer ist stark geworden. Meistens vergleichen sie sorgfältig Preise und Marken, ehe sie abschließen. Begreiflicherweise hat daher vor wenigen Tagen die Vereinigung der Autohändler sich für niedrigere Preise eingesetzt, mit dem Hinweis darauf, daß sie tatsächlich schon existieren, wenn auch zur Zeit auf Rechnung des Rabatt gebenden Händlers.

Verkaufserfolge werden in solchen Fällen berichtet, in denen Händler sich mit geringen Anzahlungen und kleinen Monatszahlungen begnügen, bei denen allerdings die Abbezahlung des Wagens sich über Jahre hinzieht. Die Verkäufe auf Abzahlung scheinen durchweg zuzunehmen; sie werden zur Zeit auf etwa 60 v. H. des Gesamtumsatzes geschätzt, gegenüber 50 v. H. im vergangenen Jahre, was dann wieder zum Problem der Konsumentenkredite führt, deren schnelles Ansteigen in der jetzigen Zeit der Hochbeschäftigung an einflußreichen Stellen, insonderheit auch in der Höchstinstanz des hiesigen Bankwesens (Board of Governors of the Federal Reserve System) mit einiger Skepsis verfolgt wird.