Der Schriftsteller Ludwig Bemelmans genießt in der englisch sprechenden Welt längst eine gewisse Popularität. In Deutschland aber wird er erst bekannt durch sein heiteres Werk „Incognito durch Frankreich und Paris. Eine vergnügte Geschichte mit 52 Zeichnungen des Autors“. Berechtigte Übertragung von Richard Moering und Wolfgang Krüger. (Bei Wolfgang Krüger, Hamburg). Diese Geschichte ist so originell wie seine Biographie. Die hat er selbst in einprägsamer Kurzfassung geliefert: „Ich bin in einem Hotel geboren, ein Oberkellner war meine Amme, und ich glaube, ich erinnere mich noch schwach, daß meine Windeln aus Tischtüchern zusammengeschnitten waren. Anstatt eines Schnullers hing mir ein Flaschenöffner um den zarten Hals.“

Luwig Bemelmans ist seiner Herkunft immer treu geblieben: auch seine Existenz fand er im Hotelier- und Gastwirtsgewerbe; bis er eben eines Tages anfing, nicht nur Speisekarten, sondern zunächst einmal Kinderbücher zu dichten. Der Erfolg ließ ihn aus der Zunft der Herbergsväter in die weniger solide der Literaten überwechseln. Aber auch in dem neuen Metier legte er Wert darauf, den Feinschmeckern genugzutun. Und wenn er hier beschreibt, wie er unter wunderlichen Begleitumständen „Incognito“ (was eigentlich so viel heißt wie: als Hochstapler) Paris und Frankreich durchquert, so verrät er dabei Tricks, die offensichtlich der Erfahrung eines Mannes entstammen, dessen berufliches Arbeitsmaterial „der Fremde“ ist. Viel Ergötzliches begegnet ihm auf seiner sorglosen Reise. Das Ergötzlichste und zugleich Ergreifendste für den Leser aber ist die Art, wie hinter dem Schnurrigen und Verspielten immer der melancholische Hintergrund einer versinkenden goldenen Zeit wahrhaft aristokratischer Lebenskunst sichtbar bleibt. Der Herr von St. Cucuface ist ihr Symbol, das einem liebenswert sein muß. So liebenswert wie überhaupt all der heiter-ernste Unsinn, den der Erzähler in Wort und Bild aus dem Ärmel schüttelt und der soviel allerechteste Atmosphäre, soviel hinreißendes Lokalkolorit enthält. Stefan