Dreihundert bis vierhundert meist wohlbeleibte Männer waren zur Eröffnung der 27. Hotelmesse in Hamburg in die neue „Halle der Nationen“ erschienen. Sie ließen sich, indem sie Reden hörten, über die Bedeutung des Gaststättenwesens unterrichten, das einerseits durch seine wirtschaftlichen Auswirkungen der Allgemeinheit diene und aber auch dem Individuum von Hotel zu Hotel die Lust am Leben steigere.

Vor den Fenstern sah man das Gefängnis am Sievekingplatz aufragen. Ja, es gibt mitunter witzige kontrastliche Bezüglichkeiten. Als der Vorsitzende des Verbandes die Ausstellung für eröffnet erklärt hatte, spielte ein Orchester melodisch-beschwingten Mozart. Hätte es dem Geist der Gelegenheit nicht mehr entsprochen, wenn es Schubert Forellenquintett oder Haydns Ochsenmenuett gewesen wäre?

Merkwürdigerweise wurde kaum darüber gesprochen, aber diese 27. Hotelmesse eröffnete den Komplex neuer Hallen, die der alten Merckhalle wie über Macht beigesellt worden sind, und das greift über den Rand des rein Hamburgischen hinaus. Jetzt liegen fünf Hallen hier in einem angedeuteten Rechteck, das leicht zu vollenden ist. Andere deutsche Städte sind mit ihren Messen Hamburg davongelaufen. Aber die Hansestadt konnte

darum die Erfahrungen der anderen Städte ausnutzen und hat mit seinen Neuerungen das Musterbeispiel eines westländischen Bazars begonnen. Man braucht nicht, wie anderswo, eine Ausstellungshalle um von Halle zu Halle zu gelangen, denn eine Halle führt zur anderen, und das Gesamtbild ist von großer Beschwingtheit.

Jede Ausstellung sollte eine Schau des Neuesten und Besten sein. Von beiden ist genug auf dieser Hamburger Hotelmesse zu sehen. Ergötzlich die Einfälle, die die Möbelindustrie anwendet. Einfachheit, Bequemlichkeit und Freude an der Farbe ist die Note, die Tendenz: bisher unbekanntes Material anzuwenden. – Eine übermäßige Versuchung der Gaumenreize ist die Ausstellung der Zuckerbäcker, einer der Höhepunkte der Veranstaltung, wobei die Arbeiten des Meisters Hahnen besonders erwähnenswert sind, weil in ihnen nicht Nachahmung, sondern Phantasie, Geschicklichkeit und Spiel ist. – N. J.