Falls unsere Freunde aus Bayern im „Hamburg-Jahr“ nach Hamburg kommen –: bitte, sucht keine Berge! Hamburg ist in die norddeutsche Tiefebene, ins Flachland gebaut, und was es hier an Geländeerhebungen gibt, stammt nicht von gewaltsamen Erdkatastrophen und tektonischen Verwerfungen, sondern von einem Spiel zwischen Elbe und dem rückwärts wandernden Meer.

Man spricht von „Geesthügeln“, und sie stehen mit ihrem dürren Sand in Gegensatz zu dem in der Niederung liegenden Land, auf dem sich durch Anschwemmungen der fette Marschboden aufgefangen hat. Als ein Segen für Hamburg liegen in dessen Nähe, und zum Teil auf seinem Gebiet, zwei geschlossene Landschaften dieses Charakters: die Vierlande Südosten auf dem rechten, und im Nordwesten auf dem linken Ufer der Elbe das AlteLand.Es sind reine Gemüse-, Obst- und Blumengärten, von großer Eigenart des Wesens, und es lohnt sich, besonders das Alte Land zu durchstreifen.

Seinen landschaftlichen Charakter bekommt Hamburg allein durch das Wasser. Da ist die Alster, deren Stauung im Unterlauf so stark an der Gestaltung des Stadtbildes mitgeholfen hat. Sie schlängelt sich malerisch daher und verharrt in idyllischen Gegenden, mit Einzelhäusern, die vom Zentrum der Stadt leicht zu erreichen sind.

Die Elbe ist der große Strom. Man kann ihn bis Lauenburg hinauffahren und wird viel Freude an diesem in die Hügel gebauten Städtchen finden, das voll schöner alter Dinge ist. Wo aber die Elbe flußabwärts von Blankenese von Stadt und Hafen frei wird, liegt sie breit und ungestört im flachenLand, und ihr Bild gehört dem ersten Schöpfungstag an: Gott trennte Wasser und Land.

Man hat mehrere Dampferverbindungen, mit denen man die Elbe hinabreisen kann. Man begegnet den großen Dampfern, die von fernen Küsten her zum Hafen streben; man überholt solche, die in die fremde Welt fahren. Man kann und soll auf solcher Fahrt in Brunshausen aussteigen und den kanalisierten Bach hinauf nach Stade fahren, sich in dies alte Städtchen verlieben, das voll schrulliger Schönheiten ist. Man kann auch weiter bis Cuxhaven, ja, in die Nordsee hinaus nach Helgoland und Sylt dampfen.

Zur Ostsee sind es von Hamburg aus, über die Autobahn oder mit dem Zug, nicht viel weiter als 70 Kilometer, und man kann Lübeck besuchen und in Travemünde sein Glück im Spiel versuchen. Das uralte Bardowiek liegt eine knappe Stunde von Hamburg, und Lüneburg ist nicht nur die Bewahrerin vieler starker Architekturen, Zeugen des jahrhundertealten Wohlstandes, den das mitten in der Stadt gepumpte Salz brachte, es ist auch die Metropole der nach ihr genannten Heide.

Was aber die allernächste Umgebung Hamburgs betrifft –: auf nach Stellingen, zu Hagenbeck!