Von Werner Schröder

Als deutlichster Ausdruck der wachsenden Leistungsfähigkeit des Hamburger Hafens gehört die Schnelligkeit in der Abfertigung des Schiffs- und Güterverkehrs zu den wichtigsten Voraussetzungen, die auch dem hinterlandgeschwächten Hamburg einen kontinuierlichen Anstieg seines Nachkriegsverkehrs ermöglichten.

Zwar hatten zentralgelenkte alliierte Nachschub-, Versorgungs- und Reparationstransporte dem Hafen in den ersten Jahren eine gewisse Starthilfe gegeben, aber im Zuge der fortschreitenden Normalisierung der Verkehrsstruktur trat die Leistung als tragendes Element einer weiteren Belebung immer stärker in den Vordergrund. In einer Zeit, da Frachtzuschläge für verstopfte oder notorisch langsame Häfen an der Tagesordnung waren und die langen Hafenliegezeiten die durch die höhere Fahrgeschwindigkeit theoretisch mögliche Beschleunigung des Schiffsumlaufs in der Praxis weitgehend verhinderte, konnte es nicht ohne günstigen Einfluß auf die Dispositionen der Reeder bleiben, wenn in Hamburg 1900 t Stückgut in nur 20 Stunden (holl. MS „Celebes“) und 1 360 t Apfelsinen in 16 Stunden (schw. M. „Atlantic Ocean“) gelöscht wurden, die Entlöschung von 12 913 t Kohlen nur 38 Stunden beansprucht (dt. M. Adolf Leonhardt“) oder 8 800 t Kali in 39 Stunden verladen werden können (pan. D. „Mary“).

Besonders die in ihren Fahrplänen zeitlich sehr gebundenen Linienreeder konnten sich der Anziehungskraft des „schnellen Hafens nicht verschließen und ließen ihre Schiffe relativ früh wieder auf Hamburg laufen. Zusammen mit den wiedererstehenden deutschen Diensten breitete sich so das Hamburger Liniennetz sehr schnell wieder über den gesamten Erdball aus und umfaßt z. Z. 191 regelmäßige Dienste, die mit ihren 450–500 monatlichen Abfahrten nach 738 Welthäfen ihrerseits eine stark attraktive Wirkung auf den lukrativen Stückgutverkehr ausübt, der heute schon wieder mehr als ein Drittel des Gesamtumschlages ausmacht.

In voller Erkenntnis der überragenden Bedeutung der Schnelligkeit und Regungslosigkeit für die weitere Verkehrsentwicklung – nicht in Form einzelner Rekordleistungen, sondern bei allen Schiffen und allen Güterarten – ist der Hamburger Senat und die Hafenverwaltung ständig bemüht, die technischen und organisatorischen Voraussetzungen weiter zu verbessern, so daß die in- und ausländischen „Kunden“ des Hamburger Hafens auch in Zukunft Leistungen erwarten können, die dem Ruf des „schnellen Hafens“ würdig entsprechen.