Aufgelöst bedeutet der Mißton ZOB nichts weiter als dies: „Zentral-Omnibus-Bahnhof.“ Er besteht seit 1951, der einzige in Europa. Er entstand, weil ein Mann mit dem Blick in die Zeit auf den Gedanken kam, den von Tag zu Tag zahlreicher werdenden Omnibuslinien, die bald hier, bald dort abfuhren – den Verkehr hindernd, die Reisenden in Kälte und Regen warten lassend –, eine Zentralstelle zu schaffen, an der die Bus-Reisenden bequem die Abfahrt abpassen können. Der ZOB liegt mitten in der Stadt, eine Minute vom Hauptbahnhof.

Hier geht es zu wie in einem wirklichen Bahnhof. Im Empfangsgebäude ordnen sich um die Eingangshalle: Reisebüro, Restaurant, Post und Buchhandlung. Eine riesenhafte Leuchttafel zeigt schnell und deutlich die Abfahrtzeiten der 61 Linien mit täglich 600 Omnibussen (mit Anhängern 850). Aus dieser Halle tritt man zu den neun Abfahrtsbahnsteigen, die alle zu einem breiten und gedeckten Gang führen. Dessen Rückwand ist von Laden gebildet, die den Reisenden mit allem versehen, was er braucht, und ihm für die Wartezeiten Zerstreuung bieten.

Ein Lautsprecher ruft: „Achtung, der Bundesbahnbus nach Bremen, Abfahrt 16.30 Uhr, Bahnsteig 2“. Oder: „Achtung, der Cebi-Expreßbus nach Hannover, Abfahrt 16.38 Uhr, Bahnsteig 5“. Denn dieser Bahnhof dient nicht etwa nur den Omnibussen der Post oder der Bundesbahn. Er ist – o Wunder! – keine Anstalt öffentlichen Rechts. Neben der Hochbahn, von der aus er verwaltet wird, neben Bahn und Post, hat sich die Privatindustrie an dem Unternehmen beteiligt. So sind auch die privat betriebenen Linien zugelassen, und neben dem Braun-Rot der DB-Omnibusse und dem Gelb derjenigen der Post sammeln sich hier die individuellsten Farben Resedagrün, Wäscheblau, Staubgrau, Sahneweiß. In der letzten Zeit erscheinen die zweistöckigen Fahrzeuge.

Man hat mitgeteilt, daß im ersten Jahr etwa sechs Millionen Reisende von hier abfuhren. Und wohin? Nach der Hamburger Bannmeile so gut wie über die Zonengrenze nach Berlin und Leipzig; nach Frankfurt und Düsseldorf so gut wie nach Amsterdam, nach Köln wie nach Kopenhagen. Vielleicht werden eines Tages vom ZOB die Raketenomnibusse nach dem Mars abgefertigt...