Von Herbert Eisenreich

Nach der Chance des Menschen in der Geschichte fragt das neue Buch von Walter Dirks, Die Antwort der Mönche (Verlag der Frankfurter Hefte). Das Mönchstum selber wird als Beweismittel verwendet zur Klärung dieser Frage, wie wir uns – überspitzt formuliert – zum EVG-Vertrag, zum Flüchtlingsproblem, zum privaten oder staatlichen Eigentumsrecht und zu den andern politischen Aktualitäten, kurz – zur aktuellen geschichtlichen Situation verhalten können.

Dies ist ein christliches Buch, geschrieben von einem Praktiker des religionsbestimmten Alltags. Aber gerade die präzis geäußerte Voraussetzung des christlichen Glaubens, Denkens und Schreibens ermöglicht einerseits dem Autor selber, sein Thema radikal anzupacken und umweglos durchzudenken, und andererseits dem Leser, wes Glaubens Kind er auch sei, an der fixierten Position des Autors seinen eigenen Stand zu orientieren.

Die Geschichte – so wissen wir seit Toynbee – wird in Fluß gehalten von einem Wechselspiel zwischen Herausforderung und Antwort. Der Mensch findet sich, zwar an ihr unschuldig, in einer vorgegebenen Situation, an deren Faktizität er nichts mehr zu ändern vermag; im Moment der Herausforderung aber, im Augenblick des rechten Erkennens der Aufgabe, die die konkrete Situation ihm stellt –: in diesem Augenblick ist er frei für die gegenwärtige Antwort und damit für die Zukunft; die er durch seine Antwort mitbestimmt; und sogar die Vergangenheit ändert er nun: zwar nicht in ihren Fakten, aber in ihrem Sinn und in ihrer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft.

Der Autor fragt nun, wie die Geschichte christlich zu bestehen sei; wie die richtige, die gottgewollte Antwort zu lauten habe; oder – in letzter Verallgemeinerung und Verbindlichkeit –: wann eine Antwort „richtig“ ist.

Der Autor setzt voraus, das Gott der Herr der Geschichte ist. Die Geschichte zerfällt für ihn nicht in Profan- und Heilsgeschichte, so daß der Christ also die totale Geschichte als Heilsgeschichte versteht und daher für die totale Geschichte, bis in die letzten Winkel des Profanen hinein, verantwortlich ist. Die Kainsfrage „Bin ich denn der Hüter meines Bruders?“ kann heute weniger denn je gelten.

Das Leben der Mönche nun wird dem Autor beispielhaft für die Beantwortung der konkreten Frage, die jede historische Situation stellt: „Wie soll es weitergehen?“ Der Heilige Benedikt zum Beispiel war, hineingeboren in die Zeit, da die vormittelalterlichen Völkerschaften wandermüde wurden und sich in neuen staatlichen Gebilden stabilisierten, dabei jedoch weiterhin auf das Mittel vertrauten, mit dem sie sich ihren Weg gebahnt hatten: auf das Schwert. Ein Positivismus des Schwertglaubens griff um sich.