Eigentlich erübrigt es sich, auf das „Kom(m)ödchen zu verweisen, die „Kleine Literaten-, Maler- und Schauspielerbühne“, die in der Düsseldorfer Altsadt einen allabendlich ausverkauften Miniatursaal mit 120 Plätzen zur Verfügung hat. Das neue Programm, in dessen Mittelpunkt natürlich Lore Lorentz, die kultivierteste der deutschen Diseusen steht, folgt der Devise: „Diplomat – schön.“ Der Hausherr, Kay Lorentz, der sonst die Bühne scheut, tritt als Ex-Faruk auf. Die Diplomaten, ihr Tummelplatz Bonn, der Ruhr-Pfarrer Klinkhammer, dem Don Camillo bescheinigt, er habe nicht gut getan, als er gegen den Film „Sünderin“ Stinkbomben warf, die Eitelkeit aller „großen Tiere“ wird verspottet. Eine Szene gilt jenen Dichtern, die im Westen vom „Geist“ des Ostens leben...

Mischa: Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht... Mein letztes Werk über die „Schwiele am rechten Mittelfinger des Traktorenführers Bulchanoff“ war aus dem tiefen Wollen geboren, die Gesellschaftskrise der Gegenwart vom Ästhetischen her zu erfassen. Ich habe Pulchanoff im 2. Akt sterben lassen – weil ich ihn für den 3. nicht mehr brauchte. Aber das Schauspielhaus in Zürich hat die Figur überhaupt gestrichen – na bitte...

Fedor: Ich finde, es immer wieder ergreifend, wie wir Dichter, die wir in Frankreich, England, Amerika oder sogar Westdeutschland leben, die proletarischen Gedankengänge so bis ins einzelne zu erfassen vermögen. Ach, wieder einmal den 2. Satz aus der Vierten von Bruckner hören, eine buttergelbe Blume riechen oder – drei Tage in Moskau sein dürfen.

Mischa: Besuchsweise, lieber Fedor, besuchsweise. Zugegeben, daß auch ich gern einmal Moskau schauen möchte, so bin ich mir doch im klaren darüber, daß es gerade die Distance, die Entfernung, daß es der Abstand von Moskau, von der Zentrale, ist, der uns so Großes schaffen läßt... Uns lenken keine kleinlichen Episoden, wie Schauprozesse und Hungersnöte, durch geschlossene H –

Fedor: – O –

Mischa: – Läden von der „reinen Idee an sich“ ab. – Das allerdings zu begreifen, Fedor, ist natürlich nicht leicht,

Fedor: Nein, schwer.