F. S-r,. London, im März

Am Beginn des neuen Jahres mußte sich die Öffentlichkeit in Großbritannien damit vertraut machen, daß der britische Bergarbeiter wieder einmal verärgert über seine Lohn- und Arbeitsbedingungen schimpfte. Die leicht sinkende individuelle Arbeitsleistung zeigte unmißverständlich seine Verstimmung über mehrfach abgelehnte Lohnforderungen.

Es war deshalb keine Überraschung, daß sich in den letzten Februartagen die Vertreter der „Vereinigten Bergarbeiter-Gewerkschaft“ und der Zentralen Kohlenverwaltung (National Coal Board – kurz NCB) einigten, die Wochen-Minimum-Löhne um sechs Schillinge (DM 3,50) zu erhöhen. Der tatsächliche wöchentliche Durchschnittsverdienst aller Bergarbeiter liegt nun um 75 v. H. höher als im Jahre 1946, dem letzten Jahr der staatlich kontrollierten Privatwirtschaft. Der Index der Kleinhandelspreise wichtiger Verbrauchswaren stieg in der gleichen Zeit um rund 50 v. H.

Wenige Tage vor dieser neuen Konzession an die Bergarbeiter war bekannt geworden, daß das dritte Vierteljahr 1952 mit einem neuen finanziellen Verlust geendet hatte. Am 30. September 1952 zeigte es sich, daß das fortgeschriebene Defizit auf 9,4 Mill. £ angewachsen war. Damit wurde eine Erhöhung der Kohlenpreise unvermeidlich. Die neuen Kohlenpreise, die um 10 v. H. erhöht wurden, sind am 3. März 1953 in Kraft getreten. Eine metrische Tonne Eßkohle (beste Qualität) kostet fob Durham rund 3-14-6 £ (DM 44). Der Ausfuhrpreis der gleichen Kohlensorte, ebenfalls fob, ist noch unverändert und beträgt rund 5-8-0 £ (DM 64). Beste Hausbrandkohle kostet in London nun 6-18-0 £ (DM 81).

Dem Anschein nach verläuft die Entwicklung des britischen Kohlenbergbaus in allen Teilen seit 1913 rückwärts. In der Tat ist der Rückgang der Förderung wirklich erstaunlich. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

Die Forder- und Ausfuhrzahlen des janres ins sind nie wieder erreicht worden. 1923 war das Jahr des passiven Widerstandes an der Ruhr. Im Jahre 1926, dem Jahr des großen erfolglosen Bergarbeiterstreiks, entschädigte sich dafür die Ruhr mit höherer Leistung und größeren Ausfuhren, Die Kriegsjahre brachten den Verlust der europäischen Märkte. Die niedrigste Förderung betrug 178 Mill. t im Jahre 1945. Im Jahre 1913 waren mehr als 50 v. H. der Weltausfuhr britische Kohlen, im Jahre 1937 immer noch 37 v. H., aber nur noch rund 18 v. H., im vergangenen Jahr.

Der Streit der Meinungen über die Ursachen dieses Rückganges hat seine politische, soziale und technische Seite. Er ist jetzt in ein neues Stadium getreten. Die Freunde und die Gegner der Bauschund Bogen-Verstragliuchung sind Jahr 1953 das Schicksalsjahr der Verstaatlichungspolitik werden wird.