In Heidelberg ist im Alter von nur 46 Jahren der Leiter der Hörspielabteilung im Südwestfunk, Christian Böhme, an einer Herzembolie, die sich als Folge einer Operation einstellte, gestorben. Seit Sendebeginn des Baden-Badener Rundfunks hat er das Hörspiel geleitet und ihm im Südwestfunk ein Gesicht gegeben. Dieses Gesicht war durch die Praxis und nicht durch theoretisch-ästhetische Ansichten über das Hörspiel bestimmt. Böhme dachte immer zuerst an den Hörer, der an seinem kleinen, von Störungen nicht freien Gerät durch das Drama im Funk genau so verzaubert werden möchte, wie der Premierenbesucher im großen Theater.

Er wollte in seinem Programm nicht um jeden Preis „problematisch“ sein. Während seiner Tätigkeit ist der Humor und die gute Unterhaltung nicht zu kurz gekommen. Bis in das Programm hinein spürte man seine Vitalität, die allem „Intellektualismus“ feind war. Seine größte künstlerische Leistung waren seine eigenen Hörspielinszenierungen des „Ödipus“ und der „Antigone“. Böhme setzte als erster vor zwei Jahren mit dem damaligen Hörspielleiter Radio Bremens, Gert Westphal, eine gemeinsame Hörspielproduktion zweier Sender durch – eine Idee, die nun von anderen deutschen Sendern ebenfalls aufgegriffen wurde. Diesen Praktiker mit dem feinen künstlerischen Instinkt zu ersetzen, wird für den Südwestfunk schwer sein. P. H.

Wir sahen:

... am Donnerstag, dem 19. März – der Tag verdient rot angestrichen zu werden –, zum erstenmal seit Beginn des regelmäßigen Fernsehfunks ein als ganzes geglücktes Programm. Schon die Einleitung sprach an: Ernst, der Leiter der Abteilung für Hörerforschung im NWDR, bat die Fernseher, durch Kritik und Vorschläge aktiv am Ausbau des Programms mitzuwirken. Dann setzten sich ein Arzt und ein Sporttrainer vor die Kamera und besprachen die Frage, ob das „Doping“ von Sportlern mit Sauerstoff den Regeln der Fairneß entspricht. Ein aktiver Sportler, den man fünf Treppen hochgejagt hatte, atmete an Ort und Stelle aus dem Apparat und stellte Erleichterungen fest. Die Hauptsendung des Abends, Benjamin Brittens Kinderoper „Der kleine Schornsteinfeger“, zeigte, wie gut es möglich ist, auch eine Gruppe von Personen so auf den Bildschirm zu bringen, daß ein übersichtliches und anmutiges Figurenspiel entsteht; ein Verdienst des Regisseurs Herbert Junkers. Danach, während das Studio umgebaut werden mußte, ein instruktiver Kurzfilm von der Goldküste. Und endlich, der Clou des Abends, Axel von Ambessers erstes Fernseh-Feuilleton. Ambesser erwies sich hier, außer dem „Schallplatten-Jockey“ Chris Howland, als der einzige Fernsehstar, der bisher bei uns entdeckt wurde. Er gab als der Lessing des Fernsehens das erste Kapitel eines „Neuen Laokoon“ und sparte nicht mit bissiger Kritik an dem jetzigen Betrieb. Täglich ein Programm von dieser Qualität – und Ambessers Kritik könnte sanfter werden, ganz davon abgesehen, daß dann der Wunsch nach einem eigenen Gerät ganz von selber beim Publikum wach werden wird.

Wir hörten:

Da der Bundestag sich für die dritte Lesung der Verträge mit dem Donnerstag begnügte, konnte am Freitag nun endlich aus Köln die schon mehrfach verschobene Funk-Fassung von Ernst Barlachs „Sündflut“ gesendet werden. Carl Dietrich Carls hatte die mächtigen Visionen auf ihren Handlungsnerv reduziert, so daß der geistige Kampf zwischen Noah, dem Glaubenden, und Calan, dem Trotzenden, mit starker Wucht zur Geltung kam. Ludwig Cremer trieb das Ekstatische der Dichtung schonungslos heraus, ohne dabei auf die stilleren Töne, wie sie gefordert sind, zu verzichten. Sprecher hohen Ranges, wie Werner Hinz, Antje Weißberger, Albert Florath, Mathias Wiemann, kamen seinen Intentionen entgegen.

Zum Kölner Nachtprogramm („Wie hell kann man sehen?“) werden diesmal mehr Hörer wachgeblieben sein als zumeist. Hier sprachen die beiden kompetentesten Forscher, die es zur Zeit in Deutschland gibt, die Freiburger Professoren Bender und Heiß, die Frage der „übernormalen Wahrnehmung“ – Telepathie, Hellsehen, Prophetie – an Hand vieler eigener Erfahrungen durch. Daß es Personen gibt, die solche Fähigkeiten haben, darf heute nicht mehr bezweifelt werden. Aber wie weit kann man sich auf ihr Wissen verlassen, das ein „leidendes Wissen“ ist, ein Einfühlen, nicht ein Erkennen? „Der Hellseher denkt nicht“, sagte Professor Bender. Darum können seine Aussagen wohl Hinweise geben, etwa der Kriminalpolizei, bedürfenaber jedesmal der Bestätigung durch die Tatsachen.