8&& befindUchTn Bundesrepublik bewegten., Auch > Ernst Wagemann istwie ngen alle die dn irden Teil Deutschlands im Blick von außen sehen von Bewunderung darüber erfu11 wie Einser Wirtschaftsschicksal nach 1945 gemeistert haben. Besonders lesenswert <"%£ , L er kritisch zum Wiederaufbau Westdeutschlands zu sagen hat. Allerdmgs setzt diese Kritik an anderere wie die der bekannten inländischen Kntiker unserer Wirtschaftssystems, ein. Einer der stärksten negativen Eindrücke von der deutschen Wirtschaft, die der Ausländer haben muß, wenn er Deutschland mit anderen hochentwickelten Volkswirtschaften vergleicht, ist die Tatsache, daß Westdeutschland noch immer ein Land ist, dem es aneinem nennenswerten Kapitalmarkt fehlt. Und das fast fünf Jahre nach der Währungsreform undicht Jähre nach dem Zusammenbruch! Kapitälbildüag ist im Bundesgebiet m all diesen Jahren selbstverständlich vor sich gegangen. Davon legen ja die modernen Produktionsstätten, die neuen Wohnungen, alles in allem die Ausstattung der westdeutschen Wirtschaft im Bereiche der Unternehmungen und der privaten Haushaltungen ein höchst lebendiges Zeugnis ab. Aber diese Wiederentwicklung der Bunaesrepubhk zu einem modernen Wirtschaftsgebilde hat äch_bisher in entscheidender Weise außerhalb des Kapitalmarktes und darum auch unter starken Hemmungen und Spannungen vollzogen.

Der Kapitalmarkt ist ja das Sammelbecken, in dem die Sparkapitalien in der modernen Volkswirtschaft zusammenfließen, um von dort auf dem Wege über Aktien, Industrieanleihen, Pfandbriefe, Anleihen des Bundes, der Länder, Gemeinden und sonstigen Teile der öffentlichen Hand der Finanzierung privatwirtschaftlicher und öffentlicher Aufgaben nutzbar gemacht zu werden. Nur : zwei große Bereiche dieses Kapitalsammelbeckens haben sich jedoch im Bundesgebiet bisher stärker entfalten können: Spareinlagen bei Banken und Sparkassen und Lebensversicherungsabschlüsse.

Die Wertpapierbörse als Kapitalsammelbeeken hat dagegen ihre aktiven Funktionen noch nicht wieder entwickeln können. Die Finanzierung von Investitionen durch Emission von Aktien undRenten spielt noch immer eine, gemessen an : den Gesamtinvestitionen der Wirtschaft, relativ sehrgeringe Rolle. Und von einem eigentlichen Kapitalmarkt im Sinne eines Ausgleiches von Kapitalangebot und Kapitalnachfrage kann man im Bundesgebiet heute überhaupt nochnicht sprechen. Das Wertpapiersparen steht erst noch im Anfangsstadium.

Hier bleibt ratsächlich noch eine entscheidende Aufgabe der Wirtschaftspolitik zu lösen. Das bemerkenswerte ist" dabei, daß Sparkapital sich m recht erfreulicher Weise tatsächlich zunehmend bildet, vom Sparwillenselbst ganz zu schweigen. Daß trotzdem ein funktionsfähiger Kapitalmarkt noch nicht neu entstanden ist, erklärt sich namentlich daraus, daß die Verzinsung aus festverzinslichen Wertpapieren und Dividendenwerten unter Berücksichtigung der auf ihnen ruhenden steuerlichen Lasten bis in die jüngste Zeit hinein keinen ausreichenden Anreiz bietet. Dabei befinden sich mter den umfangreichen flüssigen Mitteln des Geldmarktes in beträchtlichem Umfange anlagebereite Gelder, deren Besitzer, durchaus geneigt wären, sich langfristig zu binden und Daueranlage in Renten und Aktie zu suchen — sofern diese Anlagemöglichkeiten nur attraktiv genug wären. Das Haupthindernis, das einen funktionsfähigen Kapitalmarkt bisher nicht entstehen läßt, bildet offenbar das Steuersystem, Bei günstigen Steuerbedingungen, wie wir sie bei den 7c Darlehen für den Wohnungsbau — 1 2 Mrd. DM für 1952! — und bei den 7d Darlehen für den Schiffbau (die allerdings 1952 nur einen bescheidenen Teil, verglichen mit den 7c Darlehen erreichten) haben, konnten tatsächlich recht stattliche Mittel erschlossen werden. Sie konnten aber eben nur deshalb aus der Wirtschaft herausgeholt werden, weil für die von der Steuer durch Gesetz ermöglicht worden_ist. Gerade dieser Sachverhalt deutet an, in welch einer entscheidenden Weise der Kapitalmarkt durch eine Ermäßigung der Steuerlasten, die allerdings beträchtlich sein müßte, belebt werden könnte. Die Wechselwirkung von Steuerbelastung und Sparkapitalbildung hat sich deutlich auch bei der 500 MilI DM Anleihe der Bundesregierung Anfang 1953 gezeigt, die dank ihrer Freiheit von allen Steuern innerhalb kurzer Frist voll gezeichnet worden ist, einfach deshalb voll gezeichnet worden ist, weil diese Steuerbefreiung praktisch auf eine Verzinsung von teilweise 15 und mehr v. H hinausläuft. Der Staat also hat mit dem ersten Kapitalmarktförderungsgesetz, das neben der Steuerfreiheit 5°oiger Staats- und Länderanleihen auch die Steuerfreiheit des sogenannten Sozialtypsvon Pfandbrief Instituten, und anderen Reälkreditinstituten einräumte, gute Erfahrungen bei der Deckung seines eigenen Finanzbedarfs gemacht. Schon zeigt sich aber, daß die steuerlich weniger begünstigten freien Pfandbriefe und Industrieanleihen bisher noch gar nicht oder jedenfalls sehr spärlich Aufnahme gefunden haben.

Die erste Bilanz des Kapitalmarktförderungs gesetzes zeigt jedenfalls, daß Nutznießer dieser Maßnahme, die ja nach dem Willen des Gesetzgebers dem Kapitalmarkt im ganzen zu dienen bestimmt war, einstweilen so gut wie nur die öffentliche Hand gewesen ist. Bundesanleihe, Länderanleihen, Lastenäusgleichsanleihe zusammen machen bereits einen Block von zusammen rund 800 Mill. DM aus. Sie und andere öffentliche > Anleihen schöpfen den Rahm des sich erst langsam entwickeltenKapitalmarktes ab : Dabei könnte das Kapitalmarktförderungsgesetz sehr wohl zu einem Hebel für die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Kapitalmarktes und insbesondere des Wertpapiermarktes werden, wenn man aus diesem Gesetz nur die notwendigen Konsequenzen ziehen würde, also wenn man die Benachteiligung der Industrieanleihen und der freien Pfandbriefe durch die steuerliche Behandlung der sogenannten Nebensteuern schnellstens beseitigen würde und außerdem für einen durchgreifenden Abbau der steuerlichen Doppelbelastung bei den Aktien Sorge trüge. Wenn das geschieht und wenn sich die Bestrebungen durchsetzen, die Inanspruchnahme des Rentenmarktes durch Bund, Länder und Gemeinden und sonstige öffentliche Stellen auf da ? äußerste zu begrenzen, würde nicht mehr der Eindruck bestehen bleiben, daß das Kapitalbegünstigt.

Die staatswirtschaftlichen Tendenzen sind aber zimindest im Augenblick offenbar in Deutschland noch immer allzu groß, denn sonst würde man wohl kaum der Bundesanleihe und einigen öffentlichen Anleihen sowie den anderen 5°oigen steuerfreien Anleihetypen eine so ungewöhnliche Absatzchance bieten und den für die Finanzierung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues so dringenden sonstigen Emissionen, den Pfandbriefen und den Industrieanleihen, darunter auch den Wandelanleihen, relativ beschränktere Möglichkeiten geben. Wer die Geschichte der hochentwickelten Wirtschaftsländer verfolgt, weiß, daß nicht nur die großen Fabriken und die Produktionsstätten von Weltruf, sondern auch die Tausenden und aber Taisenden von mittleren und kleinen Industrieunternehmen ihren Aufbau in bedeutendem Umfaag der Emission von Aktien und Industrieanleihen verdanken. Die deutsche Wirtschaft kann auii heute ihr hohes Beschäftigungsniveau und ihien Standard nur halten, wenn die zur Fertigstellung der Produktionskapazitäten und zur Rationalisierung der Produktion erforderlichen Investitionen im Verlaufe des Jahres 1953 zügiger als bisher durch Fremdkapital finanziert werden können. ERP Kredite für nichtriistungswirtschaftliclie Investitionen fallen in Zukunft ja fort. Den größten Teil der Rückflüsse aus den bisher der Wirtschaft gewährten ERP Krediten beansprucht in diesem Jahr der Bund und die Investitionshilfe, die zwangsmäßige Abschöpfung von Kapital zur Finanzierung einiger besonders wichtiger Wirtschaftszweige, spielt in diesem Jahre keine entschsidende Rolle mehr.

Daher müßte eine Wirtschaftspolitik, die darauf bedacht ist, die weitere Entfaltung der Wirtschaft zu finanzieren, endlich wieder die Emission von Aktien und in gesunder Mischung mit Staatsanleihen, Pfandbriefen und Industrieanleihen steuerlich ermöglichen, zumal normalerweise die Aktie schon deshalb gern gekauft wird, weil sie auch einen Sachwert präsentiert. Aber wie soll in einsr Zeit gesicherter Währungsverhältnisse, in der ein: Sachwertpsychose erfreulicherweise nicht mehr herrscht, eine Aktie mit Erfolg begeben werden, we in die zur Dividendenverteilung vorgesehenen Gewinne bei der Aktiengesellschaft schon einer 60%>igen Körperschaftsteuer unterliegen und die Teilhaber der Aktiengesellschaft, nämlich die Aktionäre, hinterher noch einmal eine Einkommensteuer auf den pividendenerlös zahlen müssen, so dafi die wirkliche Rendite, wenn man Körpernimmt, auf ein so bescheidenes Maßzusammenschrumpft, daß eine Konkurrenz mit einer 5oigen steuerfreien Bundesanleihe gar nicht mehr aufgenommen werden kann.