In Sowjetrußland erfolgte mit großer Verspätung (von über zwei Jahren) die Veröffentlichung des Programms des 5. Fünfjahrplanes, der für alle Länder der Welt von größtem Interesse sein dürfte. Da die UdSSR unter den Großmächten der Welt gegenwärtig wirtschaftlich an zweiter Stelle, und was die Ausrüstung, das Territorium und die Bodenschätze betrifft, an erster Stelle steht, läßt die fieberhafte Beschleunigung ihrer Industrieentwicklung manche Mutmaßungen zu.

Der letzte Weltkrieg mit seinen Verwüstungen und dem darauffolgenden Wiederaufbau der Volkswirtschaft hat die Bevölkerung ermüdet und geschwächt. Es läge wohl auf der Hand, alle Kräfte aufzubieten, um eine Hebung des Lebensstandards der breiten Bevölkerungsschichten zu erzielen und eine Umschaltung der Industrie zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen und vor allem Wohnhäusern vorzunehmen. Der 5. Fünfjahresplan hat jedoch diese Hoffnungen enttäuscht. Weiter werden die Hauptproduktionskräfte des Landes der Entwicklung der Schwerindustrie zugewandt.

Der Vorsitzende des Gosplan – Saburoff – erklärte, daß das Tempo der Entwicklung der Schwerindustrie des 5. Fünfjahresplanes prozentual.hinter demjenigen des 4. Fünfjahresplanes zurückstehe, daß aber dafür derselbe quantitativ höher sei, da jeder Prozentsatz der Erweiterung des neuen Fünfjahresplanes dem Umfange der Herstellung nach zweimal größer ist als derjenige des 4. Fünfjahresplanes. Er fügte voller Stolz hinzu: Der 5. Fünfjahresplan entspricht mit dem Zuwachs der Herstellung vieler höchst wichtiger Produktionserzeugnisse der Summe der drei vorhergegangenen Fünfjahrespläne und übertrifft sie sogar noch in einigen Fällen.“

Tatsächlich ist zu vermerken, daß während der drei ersten Fünfjahrespläne (1928–40) der Kohlegewinn um 130 Mill. t, derjenige vonNaphta um 19 Mill. t und von Stahl um 14 Mill. t vergrößert wurde, im 5. Fünfjahresplan die Erhöhung der Produktion folgendermaßen aussieht: Kohle – 113 Mill. t., Naphtha – 21 Mill. t und Stahl – 17 Mill. t.

Sogar unter Berücksichtigung der Zunahme an Territorium und Bevölkerung nach dem Kriege ist diese Entwicklung der Schwerindustrie in UdSSR höchst erstaunlich. Die veröffentlichten Daten der ungefähren Produktion während der ersten zwei Jahre des neuen Fünfjahresplanes (1951–52) bezeugen, daß die gestellten Aufgaben in der Schwerindustrie mit einem Überschuß bewältigt, während diejenigen der leichten Industrie nicht völlig ausgeführt worden sind. Besonders charakteristisch ist jedoch die Tatsache, daß der Drehbankpark im Jahre 1952 um über zweimal im Vergleich mit der Vorkriegszeit vergrößert worden ist. Bekanntlich sind Drehbänke für die Kriegsindustrie von besonderer Wichtigkeit.

Als der erste Fünf jahresplan veröffentlicht wurde, erweckte dieser im Auslande nur Ironie. Wenige glaubten an seine Durchführung. Die Gelehrten und Politiker der Weststaaten betrachteten den Fünfjahresplan als ein Phantasiegebilde. Nichtsdestoweniger wurde dieser erste Fünfjahresplan (wenn auch verzerrt) zur Ausführung gebracht. Darauf folgte der zweite und ein Teil des 3. Fünfjahresplanes.

Die sowjetrussischen Fünfjahrespläne werden durch eine zwangsmäßige Herabsetzung des Verbrauches und des Lebensstandards der Bevölkerung verwirklicht, durch die äußerst umfangreiche Hinzuziehung von politischen und anderen Häftlingen, eine übermäßige Verlängerung der Arbeitsstunden, eine zwangsmäßige Mobilisierung aller Arbeitskräfte und eine völlig willkürliche Verfügung über diese Menschen. Nur auf diese Weise konnte die UdSSR das ungewöhnliche Tempo der Entwicklung ihrer Volkswirtschaft einhalten.