Um die konjunkturelle Betrachtung abzurunden und abzuschließen, muß schließlich auch noch die außenhandelspolitische Situation in die Betrachtung einbezogen werden. Auf den Weltmärkten vollziehen sich gerade nach dem letzten Kriege erhebliche Strukturumschichtungen, die für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland von weittragender Bedeutung sind. Das deutsche Volk hat nur eine Lebensmöglichkeit und eine Zukunft, wenn es sich gerade in wirtschaftlicher Beziehung auf das innigste mit anderen Nationen und Volkswirtschaften verbinden kann. Unsere Exporterfolge, die die deutsche Ausfuhr von 1948 bis 1952 von 2 Mrd. DM auf 17 Mrd. DM gesteigert haben, beweisen wohl deutlich genug, wie energisch und erfolgreich an der Sicherung der deutschen Lebensgrundlage gearbeitet wurde. Trotz dieses Fortschritts aber droht der Welthandel im ganzen in eine gewisse Stagnation zu geraten, die für die Zukunft zu besonderen Anstrengungen zwingen wird, um das Volumen zu halten oder noch zu vergrößern.

Die währungspolitische Unordnung, die mich immer wieder die Forderung nach freier Konvertierbarkeit der Währungen erheben läßt, ist immer mehr dazu angetan, den Protektionismus der Nationalstaaten neu zu beleben. Das Fortoperieren mit falschen Wechselkursen und die Angst vor der Freiheit, die in Wirklichkeit eine Angst vor der Ordnung ist, tragen ein übriges dazu bei, um den wirtschaftlichen Fortschritt, die internationale Arbeitsteilung und die Mehrung des Wohlstandes aller zu behindern.

Im Speziellen kann die Lage heute wohl so charakterisiert werden, daß sich gerade auf dem Weltmarkt der Wettbewerb versteift, das Schutzbedürfnis der nationalen Industrie sich immer stärker ausprägt und zu alledem die Regierungen immer größere Anstrengungen unternehmen, um durch eine vermeintliche Exportförderung ihrer eigenen Ausfuhr eine bessere Chance zu geben. Dieses System der direkten und indirekten, offenen und versteckten Beihilfen und Subventionen bedeutet indessen eine fluchwürdige Handelspolitik, die am Ende niemand zum Vorteil gereichen kann. Sie ist allein dazu angetan, den ehrlichen Leistungswettbewerb der privaten Wirtschaft von Staats wegen zu verfälschen, und es bedeutet demgegenüber, auch keine Entschuldigung für die Regierungen, wenn dieses Verlangen von der Wirtschaft selbst an sie herangetragen wird.

Aus diesem Grunde habe ich gerade in jüngster Zeit wiederholt erklärt, daß ich für Deutschland bereit bin, jeder Nation gegenüber mit völlig offenen Karten zu spielen, und lieber heute als morgen auf jede deutsche Exportförderung verzichten wollte, wenn sich auch unsere Wettbewerber zu einer gleichen Politik verstehen könnten. Die Klagen unserer Exportwirtschaft beziehen sich vor allem auf eine Versteifung der Weltmärkte gegen den Absatz von Fertigwaren und hochveredelten Verbrauchsgütern. Man weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß immer mehr Länder, wie z. B. die südamerikanischen Staaten und die des Nahen und Mittleren Orients, mehr und mehr dazu übergehen, eigene Industrien aufzubauen, und knüpft daran die Befürchtung, daß mit einer solchen Entwicklung die alten Industrieländer zunehmend ausgeschaltet werden würden. Das eine ist sicher richtig, daß dieser Zug zur Industrialisierung, zur Erschließung des nationalen Reichtums, besonders der Bodenschätze, zur Technisierung in der Landwirtschaft und zu einem Teilhabenwollen an der modernen Zivilisation allgemein vorherrscht und gar nicht unterbunden werden kann –, nach meiner Auffassung aber auch nicht unterbunden werden soll!

Selbst hier liegt vom Standpunkt der alten hochentwickelten Industrieländer mit ihren starken Exportbedürfnissen das Heil nicht in dem Bewahrenwollen eines gegebenen Tatbestandes, sondern in der Ausnutzung der dynamischen Kräfte einer sich vollziehenden weltweiten, expansiven Entwicklung. Das heißt mit anderen Worten, daß wir das größte Interesse daran haben müssen, daß in der ganzen freien Welt immer mehr Menschen zu Verbrauchern werden und mit wachsendem Wohlstand an den Gütern der Zivilisation teilhaben können. Dazu aber bietet die Industrialisierung und Technisierung der Volkswirtschaften, in den richtigen Maßen und Verhältnissen eingeleitet, eine wirksame Handhabe. Dieser heute angestoßene Prozeß bewirkt eine starke Nachfrage nach Produktionsmitteln, Investitionsgütern und Großanlagen und führt demzufolge zu einer fühlbaren Verlagerung der Exportchancen von Fertigwaren auf jene vorerwähnten Investitionsgüter. Je mehr wir aber in der Lage sein werden, jenen industriell neu aufkommenden Volkswirtschaften bei der Verfolgung ihrer Pläne durch Zuleistungen und Zulieferungen unsere Hilfe zu leihen, um so größer werden dann auch wieder die Chancen sein, um unserer Fertigwarenindustrie im Sog dieser Entwicklung breitere und weitere Märkte zu eröffnen.

Mag sich also auch immer die außenhandelspolitische Situation verschärft und versteift haben, so ist doch die Lage keineswegs so, daß wir uns fatalistisch dem Schicksal einer abbröckelnden Konjunktur gegenübersehen müssen. Es sind, wie oben angedeutet, mit neuen und gewandelten Verfahren neue Wege zu gehen und auch neue Märkte zu öffnen. Die deutsche Wirtschaft kann gewiß sein, daß ihr jede nur denkbare Hilfe gewährt wird, um ihrer Initiative und ihren Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen.

So komme ich im ganzen zu dem Ergebnis, daß von einer Stagnation oder gar von einer Krise im deutschen wirtschaftlichen Leben nicht gesprochen werden kann, daß also ein Konjunkturumschwung oder -abbruch nicht zu erwarten steht, ja, daß jede solche Betrachtung schon im Ansatzpunkt falsch und abwegig ist. Es wird vielmehr allein von uns und unserer Kraft abhängen, wie sich das deutsche wirtschaftliche Schicksal für die Zukunft gestaltet. Gewiß wird uns nichts geschenkt werden. Aber das deutsche Volk hat sich in den letzten fünf Jahren durch seinen Fleiß und seine Hingabe wieder das Vertrauen der Welt erworben, und nicht zuletzt gibt uns diese Haltung des deutschen Volkes die Zuversicht, daß unsere Bemühungen zur Integration der zu einer engeren Zusammenführung der Menschen gerade im Jahre 1953 zu weiterem Erfolg führen werden.