Neugruppierung bei Erz. Nachdem im Sommer 1952 sehr langwierige Besprechungen zwischen der Bundesregierung und der alliierten Hohen Kommission über eine Neugruppierung des Eisenerzbergbaues beendet worden waren, konnte die Stahltreuhänder-Vereinigung die ersten Schritte zur Durchführung einleiten. Diese Neugruppierung sah als erstes vor, daß die erzgebundenen Hütten, wie Hüttenwerke Ilsede-Peine AG, Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte mbH und Luitpoldhütte, ihre Verbindung, zu den Gruben behalten durften. Das gleiche galt von der Hessischen Berg- und Hüttenwerke AG, Wetzlar, den Reichswerken und Mannesmann, wobei im letzteren Falle die Erzgesellschaft verselbständigt wurde, aber im Besitz von Mannesmann verblieb. – Die jetzt erfolgte Neugruppierung des Erzbergbaues der Ruhrhatten umfaßt etwa 17 v. H. der deutschen Erzvorräte und 42 v. H. der deutschen Erzförderung. Bei der Neugruppierung handelt es sich um die Nachfolgegesellschaft für die Rohstoffbetriebe der Vereinigte Stahlwerke AG, um die Nachfolgegesellschaft für die Rohstoffbetriebe der Firma Fried. Krupp, um die Zusammenfassung der Eisenerzgruben des Siegerlandes und um die Zusammenfassung der Erzgruben im Gebiete des Teutoburger Waldes. – Am 18. März wurden drei Nachfolgegesellschaften gegründet, die Barbara Erzbergbau AG, Siegen, mit vorläufig 4 Mill. DM AK, die Erzbergbau Siegerland AG, Betzdorf, mit 5 Mill. DM vorläufigem AK und die Erzbergbau Porta-Damme AG, Minden, mit vorläufig 0,4 Mill. DM AK. Noch zu gründen ist die Harz-Lahn Erzbergbau AG, Bad Harzburg, als Nachfolgegesellschaft von Krupp- und Hoesch-Erzen. „Barbara“ umfaßt das Konsortium Fortuna und die Gewerkschaft Salzgitter, woran Stahlverein mit 80 v. H. und die Hoesch AG mit 20 v. H. beteiligt sind, ferner das Konsortium Erzstudien in Dortmund, woran Stahlverein mit 86 v. H. und Hoesch mit 14 v. H. beteiligt sind. „Barbara“ bedeutet praktisch die Zusammenfassung der Bergverwaltungen Mitteldeutschland, Süddeutschland und Wesergebirge der Rohstoffbetriebe des Stahlvereins zuzüglich Kalkwerk Haiger. „Barbara“ ist zugleich mit je 50 v. H. an der Erzbergbau Siegerland AG und der Erzbergbau Porta-Damme AG beteiligt. „Siegerland“ betreibt nunmehr alle Eisenerzgruben des Siegerlandes. „Porta-Damme“ umfaßt das Erzbergwerk Gewerkschaft Porta in Dützen bei Minden und das Erzbergwerk der Gewerkschaft Damme in Damme/Oldenburg. Diese beiden Gruben waren bis jetzt Gemeinschaftsbesitz der Ruhrkonzerne, –

Die Agfa Camera-Werk AG wurde im Zuge der IG-Entflechtung am 20. März mit dem Sitz in München mit einem Kapital von 13,6 Mill. DM gegründet. Gründer der Gesellschaft sind die IG-Farbenindustrie AG i. L., Frankfurt/M., die Farbenfabriken Bayer, Leverkusen, die Agfa AG für Photofabrikation, Leverkusen, Dr. Alfred Lingg/München und Dr. b. c. Bruno Uhl/Opladen. Das Agfa Camera-Werk in München war seit 1925 eine rechtlich unselbständige Produktionsstätte der IG und wurde seit 1945 als wirtschaftlich selbständige „Independent Unit“ geführt. Die Alliierten haben sich schließlich den deutschen Vorstellungen nicht verschlossen und zugestimmt, daß Jetzt beide Agia-Gesellschaften (die Agfa AG für Photofabrikation in Leverkusen und die Agfa Camera-Werk AG in München) den Status von Tochtergesellschaften der Farbenfabriken Bayer AG haben. Die IG-Farben AG i. L bringen die Münchener Produktionsstätte in die neue Gesellschaft ein und erhalten dafür die IG-Aktien im Gesamtnennwert von 13,596 Mill. DM, die sie im Zuge der am 24. März erfolgenden Kapitalerhöhung der Farbenfabriken Bayer AG dieser übertragen werden. Die übrigen Gründer übernehmen die restlichen Aktien von nom. 4000 DM. Die Bilanz zum 1. Januar 1952 verzeichnet – alle Werte in Mill. DM –: Anlagen 6,69, darunter Beteiligungen 0,21 (wobei es sich um Beteiligungen zu je 50 v. H. an den Photovertriebsgesellschaften handelt, während die anderen 50 v. H. von Agfa Leverkusen übernommen werden). Das Umlaufvermögen von 23,21 enthält Vorräte von 10,28 und Liefer- und Leistungsforderungen von 4,91. Unter 8,35 Rücklagen stehen 5,3 für besondere Zwecke (Lastenausgleich) und 1,54 freie Rücklagen; Rückstellungen für ungewisse Schulden 1,21, Verbindlichkeiten insgesamt 6,73, darunter Bankverbindlichkeiten auf Grund eines langfristigen ERP-Kredites 2,3.

Die Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft AG, Hameln, schloß mit der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft, Hameln, deren Aktien sich zu 97 v. H. in Händen der DEBG befinden, einen Gewinn- und Verlustübernahmevertrag ab, dessen Vorzüge in erster Linie auf steuerlichem Gebiet liegen. Den freien Aktionären der Vorwohle-Emmerthaler Bahn wird in dem Vertrag eine Jahresdividende zugesichert, die sich aus der Höhe des jeweils erzielten Gewinnes ergibt. Der Vorstandsvorsitzende beider Gesellschaften, Dipl.-Ing. Friedrich Reckel, betonte, daß infolge der Abwanderung des Verkehrs von der Schiene zur Straße die Rentabilitätslage bei den einzelnen Bahnen äußerst angespannt sei. Hinzu komme noch der Einnahmeausfall durch den länger andauernden Winter in diesem Jahr. Die veränderten Verhältnisse zwangen bereits, einen Antrag auf völlige und einen auf teilweise Stillegung von Strecken in Baden-Württemberg einzubringen. Nach Neuwahlen besteht der AR beider Gesellschaften aus: Dr. K. Hasen, Hamburg; Robert Gebhardt, Hamburg; A. Delbrück, Hamburg Dr.-Ing. F. Hildebrand, München Dazu kommen noch zwei Belegschaftsvertreter.

Die Dortmunder Actien-Brauerei, Dortmund, die der HV 10. April für das Geschäftsjahr 1951/52 (30.9.) wieder wie im Vorjahr eine Dividende von 5 v. H. vorschlägt, legt jetzt den Geschäftsbericht vor. Die Mälzerei war voll ausgelastet. Der Anteil des Flaschenbiergeschäftes hat sich weiter gehoben. Das Auslandsgeschäft nahm einen solchen Aufschwung, daß der Friedensausstoß an Exportbier wieder erreicht wurde. Der Wiederaufbau der Werksanlagen auf einer verbesserten und erhöhten Leistungslinie sowie die Wiederherstellung der Gaststätten und sonstigen Besitzungen hat große Fortschritte gemacht. Das neue Geschäftsjahr ist bisher befriedigend verlaufen. Sofern die Entwicklung anhält, hofft die Verwaltung, u. a. auch in Verbindung mit dem ab August 1952 erhöhten Bierpreis wieder mit einem angemessenen Ergebnis rechnen zu können.

Die Deutsche Vacuum Oel AG. weihte am 20. März ihre thermo-catalytische Crackanlage in Bremen-Oslebshausen ein. Mit einem Baukostenaufwand von 20 Mill. DM wurde diese Anlage errichtet, die über eine tägliche Durchsatzkapazität von 1400 t verfügt. Im einzelnen stellt sich die Produktion auf 650 t Benzin, 550 t Gasöl und 660 t Heizöl (einschließlich Eigenverbrauch). Die Bremer Anlage, die zweite ihrer Art in Westdeutschland – im vergangenen Jahr wurde in Heide/Holstein die erste Crackanlage in Betrieb genommen, eine dritte Anlage ist in Gelsenberg im Bau –, wird wesentlich dazu beitragen, den Treibstoffverbrauch der Bundesrepublik aus eigenen Raffinerien zu decken. Beachtenswert war die Feststellung des Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Vacuum Oel AG., H. H. Matthiessen, daß sich das Unternehmen zur Marktwirtschaft bekennt, denn nur im freien Spiel der Kräfte kann die Konkurrenz bestehen, die zum Nutzen der Allgemeinheit notwendig ist. Matthiessen wies ferner auf die enge Verbindung zwischen der Deutschen Vacuum Oel AG. und der Muttergesellschaft, der Sacony Vacuum Oil Corp., New York, hin, die dazu beigetragen habe, die Erfahrungen der USA durch den Bau der Crackanlage in Bremen auch für Westdeutschland nutzbar zu machen.

Von der Lindauer Strumpffabrik Heinrich Kunert, der Nachfolgerin der Firma i. Kunert & Söhne in Warnsdorf, Tschechoslowakei, die dort 4 500 Arbeiter beschäftigte und täglich 110 000 Paar Strümpfe herstellte, werden jetzt in der modernen Lindauer Perlon-Strumpffabrik monatlich 12 000 Dtz. Strümpfe produziert. Bis Jahresende soll diese Zahl auf 20 000 Dtz. erhöht werden.