Die Welt Warenmärkte verkehrten in den letzten 14 Tagen durchweg in ruhiger Haltung. Die vielfach gehegten Hoffnungen, daß sich die Geschäftstätigkeit im Monat März beleben würde, wie das in früheren Jahren meist der Fall gewesen ist, sind enttäuscht worden. Trotz der geringen Kauflust bei Handel und Industrie und der starken Zurückhaltung auch der durch die neuesten politischen Ereignisse unsicher gewordenen Spekulation haben die Preise in vielen Fällen einen neuen Auftrieb aufzuweisen gehabt. In erster Linie auf den US-Märkten, wo sich das Angebot in Getreide, sowie Fetten und Ölen durch die umfangreichen Beleihungen seitens der Commodity Credit Corporation stärker verengt hat und wo weiter die Aufhebung fast sämtlicher Preiskontrollen für Gebrauchsgüter, zuletzt auch für Kaffee, eine starke, von den Großproduktionsländern Brasilien und Kolumbien kräftig unterstützte Preiserhöhung für diesen Artikel zur Folge hatte.

Auf den amerikanischen Getreidemärkten hat Weizen, der in der vorhergehenden Berichtsperiode im Preise zurückgegangen war, seinen Rückgang in der letzten Zeit ausgeglichen und steht heute wieder auf dem gleichen Niveau wie vor dem großen Preiseinbruch Anfang Februar. Mais und Hafer haben ebenfalls Preiserhöhungen aufzuweisen, während Roggen und Gerste leicht nachgegeben haben. Das amerikanische Landwirtschafts-Departement erwartet wegen der starken Verminderung des freien Angebots und wegen der nicht sehr günstigen Aussichten der kommenden Winterweizenernte, die nach der letzten Schätzung die kleinste seit 10 Jahren werden wird, eine weitere Erhöhung der Weizenpreise.

Diese Erwartungen erklären auch die feste Haltung der USA-Unterhändler bei den nun schon 6 Wochen andauernden Verhandlungen über die Erneuerung des Weltweizenabkommens, Nach den letzten Mitteilungen stehen die Verhandlungen jetzt vor dem Zusammenbruch. Die Importländer sind am 17. März erneut aufgefordert worden, ihre starre Haltung bezüglich des Preises aufzugeben, damit die Verhandlungen aus der Sackgasse, in die sie geraten sind, herauskommen. Auf der anderen Seite weigern sich die Exportländer, von ihrer letzten Forderung von 2,15 $ je bu als Höchstpreis abzugehen, während die Einfuhrländer nicht mehr als 1,95 $ je bu bewilligen wollen.

Zwischen Argentinien und Brasilien ist nach monatelangen Verhandlungen ein Abkommen geschlossen worden, wonach Argentinien aus seiner diesjährigen Ernte 1,5 Mill. t Weizen im Austausch gegen brasilianisches Holz, Kaffee, Stahl, Kakao, Bananen usw und als Teildeckung seiner Unterbilanz mit Brasilien liefern wird. Argentinien ist damit mit einem Schlage von seinen Absatzsorgen für seinen Weizenüberschuß befreit. Der Preis für den Weizen ist auf 112 $ je t fob festgesetzt worden, liegt also sehr günstig für Argentinien.

Zucker ist in der Berichtsperiode erneut im Preise zurückgegangen. Unter dem Einfluß der Konkurrenz von Formosa, das 65 000 t Zucker an England zu 3,37 cts je lb, umgerechnet auf kubanische Parität, verkaufte, gab der kubanische Lokopreis für den Weltkontrakt von 3,43 cts bis auf 3,17 cts nach, wovon er sich bis zum 18. auf 3,21 cts erholte.

Der Markt für Öleund Fette hat sich weiter befestigt. In USA sind trotz schwachen Geschäfts die Notierungen für Schmalz und Talg von 9,65 bzw. 4,75 cts je lb auf 10,50 und 5,25 cts gestiegen. Von den vegetabilen Ölen hat Baumwollsaatöl eine Kleinigkeit nachgegeben, während die übrigen Preissteigerungen aufzuweisen haben. Am stärksten gestiegen ist Erdnußöl. – Sehr überrascht hat in USA die Stützung der Butterpreise durch die Regierung zu 90 v. H. des Paritätpreises. Vom 1. 12. bis Ende Februar hat die Regierung für die Übernahme von Milchprodukten nicht weniger als 90 Mill. $ ausgegeben. Dafür wurden neben Käse und Magermilchpulver allein 88,6 Mill. Ibs Butter von ihr übernommen.

Seitdem in den USA mit der Aufhebung der Stoppreise begonnen wurde, sind die Kaffee preise an der New Yorker Börse ständig gestiegen, weil Brasilien und Kolumbien in Erwartung der Aufhebung auch des Kaffeestopps mit Angeboten zurückhielten. Nach der Abschaffung der Preiskontrolle für Kaffee am 14. 3. hat sich die Aufwärtsbewegung verstärkt fortgesetzt. Unterstützt wurde die Preissteigerung durch ungünstige Meldungen über die Aussichten der kommenden Brasilernte, die sich in der Zwischenzeit aber als übertrieben erwiesen haben. Am Hamburger Markt folgten die Brasilpreise nur langsam der Aufwärtsbewegung; sie liegen auch heute noch unter den Wiederbeschaffungskosten. Santos loko und auf Abladung kostet in Hamburg und Bremen zur Zeit 295 bis 310 DM je 50 kg unverzollt und unversteuert gegen 270 bis 290 DM Mitte Februar. ol