Paris, im März

Einer der schrecklichsten Morde wurde dieser Tage von dem neunzehnjährigen Studenten Gérard Dupriez begangen. Er erschlug in bestialischer Weise seinen Vater und seine Mutter.

Als Kriminalbeamte Auskünfte über den Umgang der Eltern verlangten, verwickelte sich der Sohn immer mehr in Widersprüche. Niemand hätte ihn für den Täter gehalten. Es fehlte jegliches Motiv zu der Tat. Schließlich gestand er sie lächelnd und ruhig ein. Ein unfaßbarer Vorgang ...

Das gibt den Pariser Zeitungen genug Stoff für sensationelle Berichte. Aber unheimlich wirkt die Tatsache, daß seit dem Bekanntwerden dieser Mordaffäre am Tatort, 31, Quai Bourbon (im ’Quartier latin), der Hausbesitzer ein Schild anbringen mußte: "In diesem Haus ist keine Wohnung zu vermieten." Denn Hunderte von Wohnungsuchenden bestürmten die Pförtnerin, blockierten das Telefon des Hausbesitzers, um sich als Kandidaten für die frei gewordene Wohnung zu melden. Sie hatten sich überlegt: Die Eltern erschlagen, der Sohn entweder zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt oder lebenslänglich interniert. Her mit der Wohnung ...

Ein bekannter Anwalt, mit dem ich über diesen Fall sprach und der glaubt, daß nicht alles mit einem plötzlichen Irrsinnsanfall zu erklären ist, sagte mir: "Sie werden erleben, wie sich dieser Mörder verteidigen wird. Er wird den Geschworenen zurufen: ‚Ich bin Vollwaise geworden, haben Sie Mitleid mit mir!‘ ..." Edmond Lutrand